Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 87 (6.11.1890)
- Date
- 1890-11-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1574 mann v. Sonnenberg, theilweise wegen befürchteter sozial-demokratischer Störungen, kein Lokal für einen Vortrag erhalten konnte. Oe st er r. Ungar. Monarchie. Budapest. In der Congregation des Neutraer Comitates, die eben jetzt ihre Quartalsversammlung hält, kam es am 17. v. zu einer anderthalbstündigen Judendebatte. Ein gewisser Kohn will von Csuz nach Tardoskedd übersiedeln, die Gemeinde verweigerte ihm jedoch die Niederlassung, weil er angeblich kein Vermögen besitzt. Seine Appellation gegen diesen Beschluß lag nun der Congregation vor. Obernotär Rudnay erklärte, der Gemeindebeschluß sei ungesetzlich, weil es nicht Sache des Gesuchstellers ist, nachzuweisen, daß er Vermögen besitzt, sondern im Falle der Zurückweisung die Gemeinde das Gegentheil zu beweisen hätte, was hier nicht geschah. Die Opposition bemächtigte sich nun dieses Gegenstandes, den sie mit langathmigen Reden breitschlug.!Die Abgeordneten Tarnokzy und Zsambokrethy verwahrten sich gegen die von der Opposition beabsichtigte reactionäre Interpretation des Gesetzes, wodurch die Freizügigkeit zur Unmöglichkeit würde, während der Vicegespan den Standpunkt der Gemeinde verteidigte, welche nicht gezwungen werden könne, Jemanden gegen ihren Willen aufzunehmen. Die Abstimmung ergab eine große Majorität für diese letztere Ansicht. Schottland. Edinburg, 27. October. Gladstone richtete eine Ansprache an eine Wählerversammlung im hiesigen Musiksaale, in der er sich mit den auswärtigen Angelegenheiten beschäftigte. Er kam auch auf die Meldungen aus Rußland über die strengen Maßregeln gegen die Juden zu sprechen. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Thatsachen befriedigender sein würden, als die angekündigten Maßregeln, die er mißbillige. Spanien. Madrid, 14. October. Die Zahl der in Spaniens Hauptstadt lebenden Juden mehrt sich zwar von Jahr zu Jahr, da nicht nur aus den uns benachbarten drei Ländern, Portugal, Frankreich und Italien, sondern in der neuesten Zeit auch aus Deutschland und Oesterreich jüdische Jünglinge hieher einzuwandern anfangen, um sich hier dem Handel zu widmen, worauf sie sich verheirathen und sich, theils in unserer Stadt selbst, theils in einer der zahlreichen spanischen Hafenstädte ansässig machen. Aber zu einem geordneten Gemeinwesen haben es die Juden hier noch immer nicht gebracht, noch viel weniger zu einer Synagoge, zu einem gemeinsamen Gotteshause und zu einer gemeinsamen Ruhestätte nach dem Tode d. h. zu einem Friedhofe. Der Jude hier wagt es noch immer nicht, sich als solcher in Spanten öffentlich zu zeigen, und nur die Juden untereinander kennen sich und lieben sich als solche. Aber alle blicken mit Verehrung zu dem aus Bayonne hierher eingewanderten Banquier Salfedo, der, Dank seines großen Reichthums, es wagen kann sich öffentlich zu seinem Glauben zu bekennen, da er hier in allen Kreisen wohlgelitten und hochgeachtet ist. Das Haus des Herrn Salfedo bildet eine Art Eentralpunkt für die hier lebenden Juden, da er ihnen stets, wenn sie sich in einer religiösen Angelegenheit an ihn wenden, mit Rath und That an die Hand geht. Wünscht beispielsweise ein jüdischer Familienvater, daß sein neugeborenes Knäblein in den Bund Abraham's ausgenommen werde, so wendet er sich an Salfedo und dieser ruft dann aus Bayonne oder Bordeaux einen Mohel hieher, damit er diese heilige Ceremonie vornehme. Nahet das jüdische Neujahrsfest heran, so fragen die hier lebenden Juden, in deren Brust der Väter Glaube noch nicht gänzlich erloschen ist, bet Herrn Salfedo an, wo sie sich am bezeichnten Festtage zur gemeinsamen Andacht versammeln sollen, und er bezeichnet dann ein gewisses Hotel, in dem er zu diesem Zwecke schon einen Salon gemiethet, oder er stellt sogar, wie dies schon oft der Fall war, seine eigenen mit seltenem Luxus ausgestatteten Apartenrents zu diesem frommen Zwecke zur Verfügung. Indessen beschränkt sich der ganze Gottesdienst selbst am Neujahrs- und Versöhnungstage nur auf das Recitiren der vorgeschriebenen Gebete, wobei das eine oder das andere Mitglied der Versammlung, das mit der hebräischen Sprache noch auf vertrautem Fuße steht, als Vorbeter fungirt. Eine Thora zum Vorlesen aus derselben gibt es nicht, ebenso wenig wird Schofar geblasen, erstens, weil Keiner dieses Instrument zu handhaben weiß und zweitens will man durch das Blasen nicht die Neugierde der Bevölkerung wecken. Unter solchen Umständen ist selbverständlich auch von rituell zubereitetem Fleisch hier keine Rede und ebenso wenig von einem jüdischen Begräbnisse. Bor einigen Wochen starb hier ein deutscher Jude, Namens Mainz; er wurde in schwarzem 'Anzuge auf dem englisch-protestantischen Friedhofe betgesetzt, ein Landsmann des Verstorbenen betete das Kadisch. Auch die wenigen Juden, die in Barcelona leben, wagen es nicht, obgleich doch diese Stadt eine Hafenstadt ist, öffentlich als Israeliten aufzutreten und nur innerhalb ihrer vier Wände erfüllen sie einige Pflichten ihres heiligen Glaubens. Selbstverständlich, daß sich unter solchen Umständen auch die Abkömmlinge der Maranjos (Juden, die 1493