Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 87 (6.11.1890)
- Date
- 1890-11-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1575 gezwungen wurden, duS Chriftenlhum anzunehmen) von denen viele noch heute dem Glauben ihrer Väter treu sein sollen, es nicht wagen, sich öffentlich als Juden zu bekennen. Dagegen exiftirt auf den Balearen-Jnseln eine ganze Klasse der Bevölkerung, die 6üu6tL8 (sprich! Tschuetas) genannt wird, und deren Mitglieder allgemein als Judenabksmmlinge bezeichnet werden. Die Geistlichkeit mißtrauet daher sehr stark diesen Chuetas, weil sie muthmaßt, daß sie im Geheimen noch immer dem Judenthume angehören. Als Ferdinand und Jsabella die Katholischen 1493 die Juden aus Spanien vertrieben, da trat fast die ganze jüdische Bevölkerung dieser Inseln, da sie diese herrlichen Eilande nicht verlassen wollte, dem Scheine nach zum Chriftenthume über, während sie im Herzen treu den alten Glauben bewahrte. Wollte heute ein jüdischer Gelehrter die Balearen besuchen, so würde er dort noch manches bisher gänzlich unbekanntes jüdisches Manuscript und noch manchen jüdischen Grabstein entdecken. Die Schrecknisse der Inquisition sind noch heute den Spaniern stark in Erinnerung und sie wagen es noch immer nicht, sich öffentlich zu dem gesetzlich verpönten jüdischen Glauben zu bekennen. Nach Schluß der Redaction eingetrossen. Darmstadt, 4. November. Die „Darmstädter Zeitung" berichtet: Im Laufe der vorigen Woche wurde von einer Deputation der israelitischen Gemeinden der Provinzialhauptstädte des Großherzogthums Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog eine die antisemitischeBewegung betreffende Vorstellung überreicht, und haben Allerhöchstdieselben hierauf den Erlaß der nachstehend abgedruckten Antwort zu befehlen geruht: Auf die von Euer Wohlgeboren und mehreren anderen Deputirten der israelitischen Gemeinden zu Darmstadt, Gießen und Mainz mündlich und schriftlich an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gerichtete Vorstellung in Betreff der antisemitischen Bewegung in dem Großherzogthume habe ich Euer Wohlgeboren in Allerhöchstem Aufträge Nachstehendes zu eröffnen. Von den seit einiger Zeit in mehreren Theilen des Großherzoglhums stattfindenden, von Außen hereingetragenen, gehässigen Anfeindungen Allerhöchst Ihrer israelitischen Unterthanen haben Seine Königliche Hoheit der Großherzog mit Bedauern Kenntniß genommen; Seine Königliche Hoheit mißbilligen dieselben auf das Ernstlichste und erwarten von dem sonst gesunden und christlichen Sinne der betheiligten Kreise ein baldiges Aufhören jener gehässigen Angriffe, wozu übrigens wesentlich mitbeitragen wird, wenn der sittlich höher.stehende Theil der israelitischen Bevölkerung es sich nach Kräften angelegen sein laßt, den Ursachen zu Klagen über die Handlungsweise mancher seiner Glaubensgenoffen nachzuforschen und mit den geeigneten Mitteln abzuhelfen. In den ihnen verfaffungsmätzig und gesetzlich zustehenden Rechten werden nach dem Willen Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Allerhochstderen israelitische Unterthanen ebenso geschützt werden, wie diejenigen anderer Bekenntnisse. Darmstadt, 1. November 1890. Der Großherzogliche Staatsminister, Minister des Innern und der Justiz: gez. Finger. Seiner Wohlgeboren dem Rabbinen Herrn Dr. Salfeld in Mainz. Diese energischen Worte eines edel denkenden Fürsten werden die Herzen der Glaubensgenoffen, besonders unseres engeren Vaterlandes, mit hoher Freude und Dankbarkeit gegen den fürstlichen Verkünder erfüllen. Den Herrschern Hessens sind ihre israelitischen Unterthanen von jeher mit treuer Liebe und großer Anhänglichkeit zugethan. denn so wie unser allergnädigster Landesvater, haben auch dessen erlauchten Ahnen unseren Glaubensgenoffen stets Wohlwollen entgegengebracht. Wir erfahren übrigens, daß Sr. Kgl. Hoheit im mündlichen Verkehre noch in bedeutend schärferen Ausdrücken den Antisemitismus gebrandmarkt habe. Möge der allgütige Gott unseren allverehrten Großherzog in Seinen besonderen Schutz nehmen, Hochdenselben vor jeglichem Leid bewahren, sowie der erhabenen großherzoglichen Familie nur Freudiges bescheiden. > vermischtes. < Schönlanke. Am 18. November begeht unser Rabbiner, Herr S. Wäldler, ’Mj das Jubiläum seiner 2bjährigen Amtsthätigkeit in hiesiger Gemeinde. In derselben hat sich ein Comitö gebildet, welches die Vorbereitungen zur Feier dieses Tage« bereits getroffen hat. Auflösung des Preis - Räthsels in Nr. 76 und 77. pK — Nichts. s'x — Auge. Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wurde geloost und der Preis, bestehend in einem Gebetbuch in Prachtband, dem Gewinner, Herrn Jacob Wrißbart in Würzburg, heute übersandt. Briefkasten der Redaktion. Hrn. Jacob Samuel in Weiher-weiler: Der „Hamagid" erscheint jetzt in Berlin. Den Druck besorgt Jtzkowsky. Die Redaction hat ein Herr Samuel Fuchs übernommen. Briefkasten der Expedition. Hrn. Leopold Paul Löbel in Wien: Wir bitten um genaue Angabe Ihrer jetzigen Wohnung, da ein an Sie gesandtes Exemplar unseres Blattes mit der Adresse: Mühlfeldgasse 5, als unbestellbar zurückkam. Berichtigung. In der „Päd. Beilage" der Doppelnummer 78/79 unter der Eorrespondenz: Aus dem Eisenacher Oberlande, lies: Geisa statt Peisa. In der zweiten Beilage dieser Nummer steht die Correspon« denz „Bukarest" irrthümlich unter Rubr.: Oesterr. Ungar. Monarchie, statt unter: Rumänien.