Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 87 (6.11.1890)
- Date
- 1890-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1567 Rathe an der Spitze der jüd. Deputation erschien, u. A. Folgendes erwiedert: „Es freut mich, daß ich diese ehrenwerthe Gemeinschaft, in deM Kreis ich so viele Freunde habe, in deren Reihe ich so viele Patrioten sehe, bei mir bewillkommen kann.Ich füge nur noch die Bemerkung hinzu, daß die Judenheit im ganzen Lande keinen wahrhafteren Verehrer hat, als ich es bin. Seien Sie auch fürderhin wohlwollend gegen mich und behalten Sie auch weiterhin für mich Ihre Freundschaft." In unserer Zeit, in der auch die sogenannten höheren gesellschaftl. Kreise von der ansteckenden Krankheit des Antisemitismus nicht frei sind, thut es doppelt gut, solche Worte von einer hochgestellten Persönlichkeit zu vernehmen. Rußland. Petersburg. Das Organ des russischen Finanzministeriums, die „FinanzMachrichten", brachte jüngst die Meldung, daß die Billigkeit des Weizenpreises der unbefriedigenden Lage des Mehlmarktes zum guten Theile zuzuschreiben sei. Die „Petersburger Nowosti" finden für diese Bemerkung eine Erklärung in einem ihr zugehenden Brief über den Odeffaer Mühlen-Congreß. In der Sitzung dieses Congresses vom 12. September wurde bei einer Besprechung der Gründe, welche die Entwicklung des Mehlgeschäftes hindern, von dem Congreßmitgliede Bogomasow betont, daß in dem podolischen und Ktewer Gouvernement bis zum Jahre 1884 der Mühlenbetrieb ganz besonders die jüdische Bevölkerung beschäftigte, welche das für diesen Betrieb nöthige Capital und namentlich die erforderliche große Energie besaß. Das bekannte Mai-Gesetz jedoch, welches die Rechte der Juden beschränkt und ihnen verbietet, sich außerhalb des Weichbildes der großen und kleinen Städte anzusiedeln, ihnen überdies den Erwerb und sogar die Pachtung von Mühlen untersagt, hat die Juden gezwungen, den erwähnten Industriezweig aufzugeben. Als eine Folge dieses Geschehnisses, so hob Herr Bogomasow hervor, ist die Menge leerstehender Wassermühlen zu betrachten. Wo früher der Mühlenbetrieb Hunderte von Unternehmern ernährte und den Gutsbesitzern Einkünfte verschaffte, fließt jetzt das Wasser ohne jeden Nutzen über zerstörte oder in Verfall gerathene Mühlenvorrichtungen. Diese Ausführungen des Herrn Bogomasow, welcher geborener Russe ist, wurden mit tiefem Schweigen ausgenommen, welches von dem tiefen Eindruck seiner Rede Zeugniß ablegte. Der Präsident des Congresses fügte zur Erklärung dafür, daß man Fragen der Politik, deren Erörterung sonst für inopportun galt, berühre, hinzu, man müsse berücksichtigen, daß die erwähnten administrativen Bestimmungen die ganze Provinz produckrender Kräfte beraube. Er begreife nicht, wie es möglich wäre, Leute des Rechtes zu berauben, sich Brod zu verdienen. Was hat damit die Politik zu thun? fragte ein Anderer, ebenfalls ein geborener Russe. Dem Referat des Herrn Bogomasow war die Erklärung einiger Mitglieder voraufgegangen, daß man in dem Mangel an großen Hafenmühlen und in dem Fehlen eines größeren Mehlzuflusses aus den Provinzen einen der Gründe für die Geringfügigkeit des Exports sehen müsse. In der That, so heißt es in dem genannten Blatte weiter, gehen in Folge der Beschränkungen der jüdischen Unternehmer in diesem Handelszweige die Geschäfte in den Gorvernements Podolien und Kiew sehr flau. Die Juden wenden sich gezwungenermaßen entweder anderen Beschäftigungen zu oder sie bauen Mühlen an ungeeigneten Plätzen und ruiniren sich bei der Bemühung, sie dort in Gang zu erhalten. Selbstverständlich hat Niemand einen Vortheil davon, daß diese Leute sich ruiniren. Fürst Meschtscherski freilich erklärte kürzlich mit patriotischem Brustton dem Correspondenten eines endlichen Blattes gegenüber, daß jene menschenfreundlichen Maßnahmen durchaus berechtigt seien. Aber für den Verfall des Mühlengeschäfts und den schädlichen Einfluß auf den Getreidehandel tritt das Finanzministerium selbst als Zeuge auf. Für die Nachtheile, welche der christlichen Bevölkerung aus jenen traurigen ökonomischen Verfügungen erwachsen, sprechen sich unparteiische Sachkenner und wahrhaftige russische Patrioten offen aus. Was ist hier Politik? Diese Politik? Diese Politik geht nur von solchen Personen aus, die den angeblichen Wohlstand der Juden schildern und nach Beschränkung der Rechte der Juden streben. Zum Glück aber gibt es nichts Schlechtes, das nicht auch eine gute Seite hätte. Eine partielle Krisis, wie sie in der Mühlenindustrie durch die Entfernung der Juden vom flachen Lande rc. hervorgerufen worden, eröffnet uns den Blick auf einen der Gründe der allgemeinen ökonomischen Krisen, welche unser Vaterland jetzt durchmacht. England. London, 31. Oct. Eine Anzahl der angesehensten Männer des englischen Judenthums überreichten gestern dem Kardinal M a n n i n g nachträglich zu seinem 25jährigen Bischofsjubiläum eine Adresse, welche dem Gefühl des Dankes Ausdruck gibt, welches die englischen Israeliten gegen den Kardinal hegen, weil derselbe im Jahre 1882, zur Zeit der grausamen russischen Judenverfolgungen, so muthig seine Person eingesetzt hatte, um für die hilflosen Opfer des Fanatismus und Despotismus