Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 87 (6.11.1890)
- Date
- 1890-11-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1566 dafür zu bezahlen. Sie beeilen sich natürlich nicht, nun auch beitragen zu dürfen; zum Bezahlen drängt sich bekanntlich nicht leicht Jemand. Entweder sie treten überhaupt nicht bei, oder sie sehen sich die Sache erst einige Jahre ruhig mit an und knüpfen dann an ihren — ja freiwilligen — Eintritt Bedingungen, welche der Vorstand sich gefallen lassen muß, weil sie eben sonst wieder zurücklreten, oder endlich, sie „schenken" der Gemeinde großmüthig einen jährlichen freiwilligen Beitrag, während gleich vermögende Eingeborene vielleicht den fünffachen Beitrag entrichten müssen und exekutorisch dazu gezwungen werden können. Gewiß gibt es auch Ausnahmen: eines der eifrigsten und opferfreudigsten Gemeindemitglieder ist ein aus der Fremde Gekommener, aber im Allgemeinen ist dieser, die Fremden unvergleichlich bevorzugende, die Einheimischen in immer größerem Maße belastende Zustand ungerecht und unhaltbar. Nun soll freilich nicht geleugnet werden, daß bei sehr Vielen, welche der Gemeinde beigetreten sind, der religiöse Sinn und das religiöse Bedürfniß so sehr geschwunden sind, daß sie der Gemeinde ganz interessenlos gegenüberstehen; öderes sagt ihnen die religiöse Richtung der Gemeinde mit ihren Einrichtungen und Beamten nicht zu. Aber es gibt auch solche unter den Eingeborenen; und trotzdem will die Bürgerschaft nur jenen, aber nicht auch diesen Gerechtigkeit widerfahren lassen und Toleranz zubilligen! Die Gemeinde ist aber weit entfernt, Gewissenszwang üben zu wollen, und hat deßhalb selbst dem Senat die Proposition entgegengebracht, daß die einfache, nicht näher zu begründende, ernste Erklärung der Gewissensbedenken vor dem Stadt- und Landamte von jeder Beitragspflicht entbinden solle. Aber, wohlverstanden, ohne Unterschied, ob fremd, ob einheimisch; wer religiöse Bedenken hat, der soll nicht gezwungen werden. Man sieht größeres Entgegenkommen kann von keiner Gemeindeleitung bethäiigt werden. Bruchsal, 2. Nov. Der Staatsanzeiger für das Großherzogthum Baden theilt in Nr. 34 mit, daß S. Kön. Hoheit der Großherzog mittelst Allerhöchster Staatsministerialentschließung, ää. Schloß Baden, 8. Okt., dem Landeßverein zur Erziehung israel. Waisen im Großherz. Baden, mit dem Sitze in Bruchsal, die Körperschaftsrechte verliehen habe. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Donnerstag den 9. October wurde eine Deputation des österreichisch-ungarischen Cantorenvereines, bestehend aus dem Präses Herrn ObercantorSinger und den beiden Präses-Stellvertretern Herren I. Bauer, Obercantor am türkischen Tempel, und I. Stern, Titularobercantor in Fünfhaus, in angemeldeter Audienz vom Statthalter Grafen Kielmansegg empfangen. Der Präses des Cantorenvereines, Singer, überreichte ein Gesuch seitens des Vereines und skizztrte den Inhalt desselben dahin, daß den jüdischen Kantoren, welche bekanntlich die Träger des Gottesdienstes sind, in dem neuen Gemeindestatute die ihnen gebührende Würdigung angediehen werde. Se. Excellenz der Statthalter antwortete überaus wohlwollend, indem er betonte, daß die jüdischen Gemeinden solch bedeutenden Beamten gewiß einen wichtigen Platz im Statute anweisen werden. Mit dem freundlichen Versprechen, die Eingabe zu prüfen und zu würdigen, wurde die Deputation entlassen. Altofen, 19. October. Unsere Gemeinde hat vor Jahresfrist einen aus Rußland hier eingewonderten Cantor, Namens I. M. Ettinger, provisorisch auf achtzehn Monate angeftellt. Derselbe hatte hier eine gute Stellung, da man mit Auen Leistungen nicht unzufrieden war und konnte er sich daher auch der Hoffnung hingeben, daß sein Provisorium nach dessen Ablauf in ein Desinitivum werde umgewandelt werden. Leider hatte Herr Ettinger den den meisten Chasanim eigenen Fehler, daß er sich mit dem Rabbiner (Dr. Klein) nicht vertragen wollte und kam es daher oft zwischen Beiden zu Reibereien. Auch am vergangenen Sukkothfeste hat es eine kleine Plänkelei zwischen dem Rabbiner und Cantor gegeben und dieser schwor nun, sich an Erfterem baldigst bitter zu rächen. Und richtig, als er am Simchath - Thorafeste den Rabbiner als Chassan-Thora aufrnsen sollte, da ließ er vor Allem das nianc gänzlich weg und rief er dann den Rabbiner auf, wie an einem gewöhnlichen Sabbat, ohne seine Stimme dabei besonders anzustrengen. Unser Cultusvorstand hat noch am Simchath-Thorafeste Herrn Ettinger vom Amte suspendirt und eine Disciplinaruntersuchung wider ihn angeordnet, von deren Ergebniß es nun abhängen wird, ob Herr Ettinger nochmals zum Wanderstabe wird greifen müssen oder nicht. Aus Ungar«, im October. Gelegentlich der Anwesenheit Sr. Majestät bei den Herbstmanövern in Debreczin gab dasVolk seiner Freude auch durch Ueberreichung einer von L ö f k o v i ts verfertigten, prächtigen Denkmünze Ausdruck. Sr. Majestät hat nun unserem Glaubensgenossen, Herrn Löfkovits, als Zeichen Seiner Königl. Anerkennung eine kunstvolle, mit dem Monogramme „I. F. J.“ und der Krone gezierten diamantene Brustnadel gesandt, welche ihm der Obergespan des Hajdner Komitates, nach Vorlesung des Königl. Begleitschreibens mit ausmunternden Worten übergab. Dr. Karl T e l b i ß, Bürgermeister zuTemesv a r, hat auf die Ansprache des Oberrabbiner, der bei ihm aus Anlaß seiner Ernennung zum Kgl.