Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 86 (3.11.1890)
- Date
- 1890-11-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXI. Jahrgang. Beilage zu M 86 des „Israelit Z- Ieschurun" Leitender Artikel. Doch eimal Atroßbursers Fibel mdftftlmch für israel. Volksschulen. Burgpreppach, 22. October. Die Nummer 11 der Pädagogischen Beilage zum „Jsr. und Jesch." enthält eine längere Besprechung der von Lehrer Straßburger in Buchau herausgegebenen „Fibel und Lesebuch für Israel. Volksschulen", die zu dem Schluffe kommt, daß diese Lehrbücher, trotz der einzelnen, in der Besprechung namhaft gemachten Mängel, die ihnen anhasten, immerhin, in Ermangelung von Besserem, zur Einführung für Israel. Schulen zu empfehlen sind. Diesem Urtheile, das auch in andere jüdische Blätter übergegangen, muß, im Interesse des jüdischen Volksschulunterrichts, entschieden widersprochen werden. Der Umstand, daß den meisten Fibeln und Lesebüchern ein mehr oder minder ausgesprochener konfessioneller Charakter innewohnt, hat allerdings das Bedürfniß nach solchen, speziell für die jüdische Volksschulen bearbeiteten, Lehrbüchern zu einem recht dringenden gemacht, und während Raphael Cohn in Berlin diesem Bedürfnisse in der Art zu begegnen suchte, daß er aus den von ihm herausgegebenen Fibeln und Lesebüchern alles Konfessionelle — auch das jüdisch Konfessionelle — entfernte, sucht Straßburger ihm dadurch abzuhelfen, indem er auch noch jüdische Stoffe dem Lesematerial einreiht, um schon beim ersten Unterricht das religiöse Denken und Fühlen der Kinder in °.der Richtung ihres Glaubens zu wecken. Wir loben diesen Vorsatz, müssen aber die Ausführung tadeln, die er durch Straßburger gefunden. Was die 122 Seiten umfassende Fibel betrifft, so finden wir den jüd. konfessionellen Charakter fast nur dadurch ausgedrückt, daß ihr als Anhang eine ganz unpraktisch angelegte, typographisch schlecht ausgestattete 14 Seiten umfassende, hebräische Lesefibel angefügt ist, bei deren Benutzung die Kenntniß der deutschen Buchstaben vorausgesetzt ist, während unseres Erachtens, schon die frühzeitige Theilnahme der Kinder an dem Gottesdienste, sowie die Stärkung des religiösen Gefühls erforderlich machen, daß der hebr. Leseunterricht dem deutschen vorangehe, oder zu mindest mit ihm gleichzeitig einherschreite. Im Lesebuch für Mittelschulen, das auf 170 Seiten 206 Stücke enthält, finden wir das jüd. Confessionelle nur mit 12 kleinen und seichten Stücken berücksichtigt, und überlassen wir es jedem Unbefangenen, zu beurtheilen, ob hiedurch dem Bedürfnisse für israel. Schulen nach Gebühr Rechnung getragen ist. Zudem ist bei der Anordnung und Auswahl nicht sorgfältig genug verfahren worden. Wir reden nicht von der fehlerhaften Interpunktion,'den sprachlichen Unrichtigkeiten — wiewohl das Lesebuch auch in Bezug auf diese Muster zu fein hat —, sondern nur von der Art und Weise, wie Straßburger dem jüd. Confessionellen gerecht zu werden sucht. In Nr. 156 begegnen wir zweien Mädchen, die, um „ihre Verwandten und Paten zu besuchen", in das Dorf wollen, „wo der Pate wohnt". — Vielleicht sind es eben diese Mädchen, denen in Nr. 189 vom „neugebauten Kirchlein" im Weiler Kniebis erzählt wird: „Das Glöckchen, welches unsre Landesmutter gestiftet hat, ruft die Gemeinde Sonntags zu den schönen Gottesdiensten des Herrn und Werktags die Kinder zur Schule." Wir meinen, solche Stücke sind nicht geeignet, das kindliche Gemüth zujüdischreligiösem Denken und jüdisch religiöser Sitte hinzuleiten. Sie hätten, wie andere ähnliche — z. B. Nr. 155 — durch passendere ersetzt werden, oder auch, bei der Fülle des gebotenen Lesestoffes, ganz wegbleiben können. Straßburger stellt der jüdischen Literatur ein beschämendes Zeugniß aus, indem er, obgleich er die Erzählungen des Talmud (und selbstverständlich auch der Bibel), sowie die poetischen Arbeiten von Kompert, Stein, Elsäffer, Löwenstein, Grünebaum, Steinheim u. a. benützt haben will, nur geringe Ausbeute für sein Buch zu finden vermochte, und deßhalb sich gezwungen sah, spezifisch christliche Stücke für seinen Zweck umzumodeln und umzujüdeln. So das bekannte „Abendlied" in Nr. 3, bei welchen! er, abweichend von seiner sonstigen Gewohnheit, die Verfasserin Louise Hensel nicht anmerkt, weil er einen spezifisch-christologischen Passus durch einen konfessionslos gefärbten ersetzt hat. Dieser Umstand ist es wohl auch, der ihn zu folgender Unbegreiflichkeit verführt hat. In Nr. 150, Ein Räthsel, lesen wir: „. .Komm her, o liebes Kind, o komm, o komme doch geschwind und sieh, was Dir in dieser NachtChanukahSchönes hat gebracht". O, der Befangenheit! Die sich nicht beruhigen kann, die „schöne" Sitte der Weihnachtsbescheerung im Judenthume missen zu müssen! So wollen wir es denn verrathen, daß die so sehr ersehnte Sitte der „Bescheerung", nicht nur für einen Tag, sondern für alle Festtage des Jahres, etwas spezifisch Jüdisches ist, ausgesprochen in der hl. Schrift 5. B. M. 12, 12; 16, 10, 14 und a. a. O. und niedergelegt in unseren Codices, Orach Chajim Cap. 529, mit den von keinem noch so sparsamen Familienvater weg-