Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 86 (3.11.1890)
- Date
- 1890-11-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448105--30983-2478761- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1553 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten er als Mitredacteur des von ihm und Joseph William Gray herausgegebenen Clevelander „Plaindealer“ mit Erfolg unterstützte. Im Jahre 1870 wurde er auf Anrathen und Verwenden seines einflußreichen Freundes Simon Wolf in Washington vom Präsiedenten zum General-Consul der Vereinigten Staaten für Rumänien ernannt und vom Senat einstimmig bestätigt. Seit dem bekannten Mordechai Noah mit dem Peixotto in vieler Beziehung Aehnlichkeit hat, wurden die Nordamerikanischen Freistaaten bei keinem Hofe durch einen eingeborenen amerikanischen Juden vertreten. Groß war die Freude der amerikanischen Juden. Peixotto wurde zu diesem Ehrenposten in der Absicht ernannt, sich im Namen der amerikanischen Regierung der verfolgten rumänischen Juden anzuuehmen. Mit den Regierungs-Instructionen versehen, trat der 36jährige Diplomat im Dezember 1870 seine Reise nach Europa an. Er nahm seinen Weg nach Bukarest über London, Paris und Wien, wo er mit einflußreichen Persönlichkeiten über das, was für die rumänischen Glaubensgenossen zu thuu sei, Rücksprache nahm. Die rumänischen Juden wurden grausam verfolgt, verjagt, in die Donau gestürzt. Die Proteste Peixotto's und seiner Diplomaten-Collegeu blieben unbeachtet, feine Bemühungen hatten geringen Erfolg. Er beging wohl aus Mißverftändniß der Verhältnisse und aus allzu großem Eifer einzelne Jrrthümer, aber seine Bestrebungen waren die edelsten und unter den herrschenden Umständen konnte er auf große Resultate nicht rechnen. Peixotto, dem auch mehrere Jahre die schweizerischen Eonsulargeschäfte vom Bundesrathe in Bern übertragen waren, kehrte im Jahre 1876 nach Amerika zurück. Zwei Jahre später wurde er vom Präsidenten Hayes zum Consul in Lyon ernannt. Dieses Amt legte er im Dezember 1885 nieder und kehrte nach New-Aork zurück. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in seiner Geburtsstadt als Advokat. Feuilleton. Gofrrth womelach. Novelle von Dr. Ossip Duchowetzky. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) „Ich will Ihnen gerne gestatten, mit Else zu reden", erwiederte Sternfels und ging hinaus, um feine Tochter zu rufen. Er kam an der Küche vorbei; da bemerkte ihn seine Frau und als sie seine freudig erregten Mienen sah, fragte sie ihn: „Du siehst ja drein, als ob Du ein großes Glück —" „Stille," entgegnete er leise, „das Massel darf man nicht berufen." Ehajim blieb eine Weile allein im Zimmer, i- Freudig bewegt schaute er in die Zukunft. Es war ldoch anders gekommen, als er beabsichttgt hatte, l- Er hatte erst, nachdem er seine Existenz gesichert li hatte, mit Else reden wollen. Allein der Mensch tdenkt und Gott lenkt. Es war vielleicht besser so. i- Die Gewißheit gibt uns Zuversicht und Muth, n während die Ungewißheit unser Herz mit Zagen und Bangen erfüllt. So stand er eine Weile und lblickte sinnend auf die dunkle Straße. Da öffnete r sich die Thüre und Else trat ein. Sie blieb an n der Thüre stehen und sprach: l- „Papa hat mich hergeschickt, Sie wünschten > mich zu sprechen?" r „Ja," entgegnete Ehajim, das hübsche über l- und über erröthende Mädchen mit Wohlgefallen be. d trachtend. „Ich habe Ihnen etwas zu erzählen und r bitte Sie, mir einen Augenblick Gehör zu schenken." u Er deutete auf das Sopha; Else setzte sich und Ehajim nahm auf einem Stuhle ihr gegenüber Platz. Glücklich lächelnd sah er sie an, während sie erware Lungsvoll sagte: „Nun, ich höre." n Ehajim wußte nicht, wie er beginnen sollte. - Er wollte reden, konnte aber nichts Hervorbringen, r Es schnürte ihm fast die Kehle zu. Else sah ihn e erwartungsvoll an. Endlich fand er Worte, die er e erst unzusammenhängend, fast stoßweise hervorbrachte, e Je länger er sprach, um so geläufiger flössen die Worte von seinen Lippen und Else hörte aufmerk- - sam zu. Er erzählte, was er an jenem Neujahrsi abende schon erzählt hatte, von seiner liebeleeren h Kindheit, seinem Ringen und Stteben, seinem Wir- * ken und Schaffen. Er entwarf ein Bild der Zu-;. fünft, in welcher er sein Glück in der Erfüllung t> seiner Lebensaufgabe im Vereine mit einer liebene den Gattin zu finden hoffe. „Doch," fuhr er weit ter fort, „genügen mir die Mädchen meiner Heimath nicht, da ich eine innige Liebe für ein Mädchen tm 7 Herzen trage, welches hoch über mir stehend, es vielleicht für Verwegenheit hält, wenn ich die Augen zu ihr erhebe. Denn was kann ich ihr bietend Außer meinem ehrlichen Namen und dem guten Willen, mir eine Existenz zu gründen, nichts. Ich kann nicht einmal vom Glanz meiner Ahnen sprechen, denn meine Eltern waren arme, aber ehrliche und fleißige Handwerksleute. Trotzdem habe ich durch : eigene Kraft mit der göttlichen Hilfe meinen Lebenst weg bis heute aufwärts geführt. Nun möchte ich - mich nach einem Kameraden umsehen, der, wenn ich e ihm ein sorgenfreies Leben bieten kann, Hand in Hand mit mir auf dem betretenen Pfade weiter-