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Der Israelit · 1890-11-03 · Heft 86 (3.11.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 86 (3.11.1890)
Date
1890-11-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1151 Material, um Süddeutschland für die antisemitische Sache vorzubereitcu. So gehen tagtäglich von Leipzig große Kisten Agitationsmaterial nach Baden u. s. w. Gewöhnlich vertheilen süddeutsche Vertrauensmänner Flugblätter und sonstige Hetzschriften — und kurz nach diesen schriftlichen Vorbereitungen erscheint gewöhnlich ein deutsch-sozialer Redner persönlich! So spinnt die deutsch-soziale Partei allmählich über ganz Deutschland ihre Netze aus. Wenn schon gegen das Vordringen der antisemitischen Bewegung nicht viel zu unternehmen sein wird, so wäre es doch entschieden rathsam, stets die Flugblätter juristisch prüfen zu lassen, um Verfasser und Verbreiter der verdienten Strafe zuzuführen. In vielen Fullen hat sich diese Handhabung sehr dienlich erwiesen. Man unterschätze die Flugblätter-Agitation durchaus nicht — und mache es sich zur Pflicht abzuwehren. Karl Wiesenthal. Leipzig, 29. October. Der Antisemit Th. Fritsch hat in den letzten Tagen das erste Flugblatt für die Weihnachtseinkäufe erlassen. Der Inhalt des Flugblattes hat mehrere hiesige Israeliten veranlaßt, Fritsch bei der königlichen Staatsanwaltschaft zu verklagen. — In Döbeln, einer mittelkleinen Stadt Sachsens, findet am 30. October eine Volksversammlung statt, wo Fritsch über das Thema: „Mißstände im Handel und Gewerbe" sprechen wird. Auch in anderen kleinen sächsischen Ortschaften haben die Deutsch-Sozialen ähre Fahne aufgepflanzt' und finden auch außer zahlreichen Schwärmern, die ihre Zeit mit Luftschlössern verduseln — eingefleischte Judeichasser als Anhänger. Fritsch macht dabei das beste Geschäft, denn seine „A. C." hat jetzt viele Leser. Die Juden sind nicht allein talentvoll, — deutsch-soziale Christen sind viel genialer im Unternehmen. Karl W i e s e n t h a l. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Aus Böhmen. Seitdem das Kultusgesctz vom 20. März l. I. Rechtsgiltigkeit erlangt hat, wird viel über die Nothwcndigkcit einer Versammlung aller Rabbiner in Böhmen geschrieben. Diese hätte als constituirende Vorberathung für einen bald zu gründenden Rabbinerverband zu gelten. Es soll eben eine Vertretung der Interessen der hierländischen Rabbiner creirt werden, was in der That auch höchst nothwendig ist. Nun hat Dr. Deutsch, Rabbiner in Brüx, noch eine ganz andere Aufgabe für den Nabbinerverband. Der Verband soll nämlich eine Einigung bei Berathung seelsorgerischer Aufgaben Herstellen. Er leitet seine Ansicht mit folgenden Sätzen ein: „Der Rabbiner hat die Leitung und Aufsicht ritueller Anstalten. Das ist so von jeher gewesen und wird auch heute von Niemanden bestritten. Nun ist wohl die Meinung der Mehrzahl unter den Rabbinern die, daß eine Stärkung des rituellen Lebens ebensowenig wünschenswertst, als durchführbar ist. Wir wollen nicht neue Verbote finden, wie das von gewisser Seite, z. B. in Bezug auf die Butter angestrebt wird, weil man fürchten müsse, auf dem Markte die von Rinderfett hergestellte .Kunstbutter zu kaufen." Also die Stärkung des rituellen Lebens ist nach seiner Meinung weder wünschenswerth noch durchführbar. Es drängt sich wohl die Frage auf: Was dann ist für den jüdischen Rabbiner wünschenswerth? Was soll er als Vertreter der Religion anstreben? Tugend und Sittlichkeit pflegen, den Sinn für Recht und Billigkeit festigen, das Gefühl der Nächstenliebe anfachen und zur Begeisterung entflammen, die den Menschen hinreißt rettende und helfende Thaten zu üben, sind wohl schöne und herrliche Aufgaben seelenhirtlicher Thätigkeit; aber lange nicht die einzigen. Es wäre sonst wieder jener verderbliche Wahn, jener Schwindelgeist, der eine große Zahl der Rabbiner in Deutschland erfaßt hatte in der ersten Hälfte des laufenden Jahrhunderts. Welche Verheerung dieser angerichtet hatte, ist allenthalben noch allzufühlbar, noch allzuwahrnehmbar, als daß eine Erörterung hierüber nöthig wäre. Nein, der Rabbiner hat noch ganz andere hohe und heilige Pflichten zu erfüllen. Er hat nicht nur das rituelle Leben zu stärken, er muß es heutzutage neu erwecken, wenn er seinem Berufe gerecht werden will, und nur dadurch kann er seine rabbinischen Pflichten rein humanitärer Natur erfüllen. Also die Stärkung des rituellen Lebens muß ihm vor allem wünschenswerth sein, und vor allem von ihm angestrebt werden. Der Autor will keine neue Verbote finden, wie das von gewisser Seite z. B. in Bezug auf Butter angestrebt wird, weil man fürchten müsse, auf dem Markte die aus Rinderfett hergestcllte Kunstbutter zu kaufen. Ist aber nD*N oder 3*?na nao hd'sk, das dabei in Betracht kömmt, ein neues Verbot? Doch hören wir weiter: „Aber das Ritualgesetz besteht einmai, es ist ein mächtiger Faktor in unserem religiösen Leben, es ist besonders bei der Bildung von Gemeinden der erste Kitt der zerstreuten Glieder, und muß gepflegt werden." Also nur als Kitt der zerstreuten Glieder ist das Ritualgesetz zu beachten! Ich glaube, daß die Thora noch andere und höhere Absichten mit dem Ritualgesetz verband. Bei manchem steht oninpnro, bei anderen D’tnp orrm bei einem dritten -psn 'n min rrnn ixrH. Dann

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