Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-11-03 · Heft 86 (3.11.1890) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 86 (3.11.1890)
Date
1890-11-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448105--30980-2478758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1550 Berlin, 29. October. Die „Kreuzzeitung" hat aus Hildesheim erfahren, daß der Oberlandesgerichtspräsident sämmtliche christliche Gerichts-Referendare strafweise an kleine Gerichte versetzt hat, weil dem Gesuch eines jüdischen Referendars um Aufnahme in die „juristische Tischgesellschaft" nicht entsprochen wurde. Die Nachricht schien der „Kreuzzeitung" unglaublich, sie hat sich daher erkundigt. Danach liegt die Sache so: In Hildesheim besteht eine geschlossene Tischgesellschaft, der keineswegs nur Mitglieder des Gerichtes angehören. Nach ihren Statuten müssen solche Herren, welche in die Gesellschaft ausgenommen zu werden wünschen, sich vorher amnelden; fehlt ihnen bei der Abstimmung auch nur eine Stimme, so gilt ihre Aufnahme für abgelehnt. Dem betreffenden jüdischen Referendar ward schon vorher vergebens privatim gerathen, nicht auf seiner Anmeldung zu bestehen; er ward abgelehnt*) und nun wurden in der That zwar nicht sämmtliche, aber doch eine Anzahl von Referendaren durch Verfügung des Oberlandcsgerichts-Präsidenden Dr. Bardeleben strafversetzt. Das konservative Blatt fügt der Nachricht folgenden Stoßseufzer bei: „Einer näheren Kritik enthalten wir uns, aber es muß wahrlich weit bei uns gekommen sein, wenn Derartiges möglich sein kann." ~~~ Berlin Der Senior unserer aktiven o^mo, Herr B. B. Schreiber, feierte in diesen Tagen sei 50jähriges Dienstjubilänm Der Jubilar versieht noch in voller Lebensfrische das öfter mit vielen Beschwerlichkeiten verbundene Amt. Am Tage seines Amtsantrittes wurde derselbe von seinem Lehrer R. Akiba Egcr zur Freitagabendtafel geladen und mit p'Oin ro22 beehrt. — Wir wünschen dem jugendlichen Greis noch viele Jahre segensreicher Wirksamkeit. N. Wiesbaden, 30. October. Gestatten Sie, verehrter Herr Nedacteur, ein Wort der Erwiederung aus die Seitens des Herrn Bezirksrabbiners Dr. M. Silberstein dahier in Nr. 85 des „Israelit u. Jcschuruu" gegen mich erhobene Beschuldigung. Gern würde ich bekennen, in meinem Artikel in Nr. 83 „von irrthümlichen Voraussetzungen" ausgegangen zu sein, wenn es richtig wäre, was Herr Dr. Silberstein behauptet, nämlich, daß ich, „trotz an mich ergangener Aufforderung, eine Approbation vorzulegen, eine solche nicht vorgelegt habe." Aber diese Aussage des Herrn Dr. *) Wenn der jüdische Referendar nach jüdisch-ritueller Vorschrift leben würde, hätte er sich diese Zurücksetzung ersparen können. Red. d. „Jsr. u. Jesch." S. entspricht nicht den Thatsachen. Wohl habe ich eine ni?2p vorgelegt; es wurde jedoch ausdrücklich eine Approbation Seitens des Herrn Rabbiners Dr. Silberstein von mir verlangt, eine Zumuthnng, welche der gesetzlichen Basis entbehrte. Ans die Beschuldigung des Herrn Dr. Silberftein, daß ich durch Umgehung des „zuständigen Rabbiners" Anstand, Sitte und den pn verletzt habe, diene zur Erwiederung, daß die betreffende Gemeinde gerade hinsichtlich des p-, einen andern Rabbiner als den orthodoxen Stadt - Rabbiner zu Wiesbaden niemals anerkannt hat. N. Jaffa. Schwerseriz. Herr Rabbiner Dr. Bamberg er ertheilt seit seinem Hiersein den hebräischen Unterricht in der obersten Klasse unserer jüdischen Elementarschule. Schüler dieser Klasse haben bcbereits solche Fortschritte gemacht, daß dieselben nunmehr allabendlich indem tmen rv2 sich versammeln und hier von unserm Rabbiner im nvwn (gegenwärtig nv*so 822) und nia "r, unterrichtet werden. In der zweiten Abtheilung der Schule ertheilte bis jetzt Herr Lehrer Leßer den hebr. Unterricht. Da nun dieser Lehrer pensiouirt wurde, die Stelle aber noch nicht wieder besetzt ist, so wurde der hehr. Unterricht in dieser Klasse vernachlässigt. Dr. Bamberger erließ deßhalb im Vereine mit dem Gesammtvorstande der hiesigen Gemeinde folgenden Aufruf an die Gemeindemitglieder: „Eine Pflicht der Eltern ist es, dem hebr. Unteerichte ihrer Kinder die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden und zwar nicht blos dem ihrer Söhne, sondern auch dem ihrer Töchter. Nur durch den Jugendunterricht ist es möglich, daß die Jugend an das jüdische Leben gewöhnt, von der Aufgabe des jüdischen Volkes beseelt werde. Durch den Unterricht in der heiligen Lehre erlangen die Kinder die Erkenntniß, die Tugenden und das Gute überhaupt sich anzueignen, von einem lasterhaften Wandel aber sich fernzuhalten, erkennen sie die Pflichten gegen Gott, gegen sich selbst und gegen die Nebenmenschen. Durch diesen Unterricht ist es auch, wodurch bei dem jüdischen Volke nur vereinzelte Fälle der Verbrechen : Meineid, Hochverrat!), Mord, Selbstmord rc. :c. Vorkommen. Dieser große Einfluß des hebräischen Unterrichts an und für sich schon, aber auch die Pflicht, die Söhne und die Töchter für ihren spätern Beruf als jüdische Männer und Frauen vorzubereiten, legt allen Eltern die Verpflichtung auf, für Unterricht ihrer Kinder zu sorgen und kleiner Ausgaben wegen denselben nicht zu vernachlässigen. Eine solche Vernachlässigung des hebr. Unterrichts ist aber, verehrt. Gemeindemitglieder, bis heute bei uns der Fall und diesem Uebelstande soll nunmehr abgeholfen werden. Es soll ein geregelter hebr. Unterricht eingeführt werden, welcher vorerst vom mitunterzeichneten Rabbiner ertheilt werden wird. Verehrt. Gemeindemitglieder! sendet all Euere schulpflichtigen Knabrn und Mädchen zum hebr. Unterrichte und sorget so für das geistige Wohl Eurer Kinder, das bei Ermangelung des hebr. Unterrichts nur ein einseitiges sein kann u. s. w." Infolge dieses Aufrufs haben sich schon 52 Schüler und Schülerinnen zum hebr. Unterrichte gemeldet. Leipzig, 29. October. Die Leitung der deutschsozialen Partei beschafft seit einiger Zeit enormes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.