Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 85 (30.10.1890)
- Date
- 1890-10-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ligen, rechtswidrigen Angriff ist", so weit als möglich gefaßt und namentlich dem Worte „gegenwärtig" nicht eine firifte, sondern eine ben Verhältnissen des Lebens gerecht werdende Auslegung gegeben!) > Aus der Provinz Posen. In der jüd. Wochenschrift Nr. 43 lesen wir in einer Correspondenz aus Briefen, daß am Vorabende des Simchas- Thorafestes, mit Erlaubniß des Rabbiners und Vorstandes, der zwölfjährige Knabe des dortigen Kantors das Abendgebet in der Synagoge vorgetragen habe. Da Herr Rabbiner Dr. Epp enstein in Briefen ein Schüler des Berliner Seminars ist, erscheint es höchst unwahrscheinlich, daß dies von Seiten des Rabbiners gestattet worden ist, da ein Knabe, der noch nicht das muv 12 Alter erreicht hat, nicht als Vorbeter' zugelassen werden kann. Es müßte in Briefen die in p"»> §. 53, 10 erwähnte Praxis in Geltung sein, was aber sehrunwahrscheinlich der Fall ist. Zur Verhütung einer irrigen Auffassung wäre daher eine Erklärung des Herrn Rabbiners höchst wünschenswerth. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Am letzten Sonntag Abend haben sich eine aus Privatbeamten, jungen Handels-Gehilfen, Schriftsetzern und Handwerkern bestehende Gesellschaft, ungefähr siebzig Personen, im Prunksaale der Waffermann'schen Restauration eingefunden, um in Angelegenheit der Gründung eines jüdischen Gesellenvereines Berathuug zu pflegen. Zum Vorsitzenden wurde der Schriftsetzer Wilhelm Löwinger gewählt, welcher nach Begrüßung der Anwesenden dem Redacteur Max Szabolcsi das Wort ertheilte. Dieser besprach in längerer Rede die Zwecke des zu gründenden Gesellenvereines und forderte die Anwesenden auf, alles daran zu setzen, um deu geplanten Gesellenverein zu Stande zu bringen. Vorsitzender Wilhelm Löwinger betonte, daß der zu gründende Verein nebst den vom Vorredner erwähnten Zwecken sich auch die Aufgabe stellen solle, unter seinen Mitgliedern die Kenntniß der ungarischen Sprache zu pflegen. Zu diesem Gegenstände sprachen noch Ignaz Wellisch und Eugen Greiner, worauf die Versammlung den Beschluß faßte, den „Jüdischen Gesellenverein" zu gründen. Zur Ausarbeitung der Statuten wurde ein aus zwanzig Mitgliedern bestehendes Comitö entsendet. D. H. 8. Arad. Unter den Gästen bei der Enthüllungsfeier des den 13 Märtyrern errichteten Monumentes war auch ein alter Mann, Namens Sigmund Kohn, der, aus dem Arader Comitat gebürtig, seit dreißig Jahren in Wien ein Bankgeschäft besitzt. Kohn hat, wie wir im „Arad 6s Videke“ lesen, bei CzibakhLza mit Gefährdung des eigenen Lebens den Grafen Leiningen gerettet. Für diese heldenmühtige That verlieh Leiningen seinem Lebensretter die Tapferkeitsmedaille. Am jüngsten Montag dankte ein Sohn des Grafen Leiningen dem tapfern, mit drei Tapferkeitsmedaillen ausgezeichneten Manne. Satorallya-Ujhely, 20. Oetober. Die hiesige 8tatus guo-Gemeinde hat einen herben Verlust erlitten. Der Notar derselben, Herr Michael Nemethy, ist im Alter von 70 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene war auch als Hebraist wohl bekannt. Er bekleidete hier die Stelle eines Gerichtsdolmetsch für die hebräische Sprache. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einem höchst ehrenvollen, da sich auch viele Honoratioren der Stadt an demselben betheiligten. Frankreich. Paris. In Anbetracht der großen Anforderungen, welche an den Oesterreichisch - ungarischen Hilfsverein von Seite der bedrängten und verlassenen Landsleute in Paris gestellt werden, hat Baron Gustav Rothschild, Chef des österreichisch-ungarischen General-Consulats, dem Vereine 100,000 Frs. gespendet. Der k. und k. Charge d’affaires Graf Zichy und Vice - Präsident Herr v. Schnapper verständigten hievon den Ausschuß des Hilfsvereins, welcher dem hochherzigen Spender im Namen der Armen in öffentlicher Sitzung den besten Dank aussprach. Rußland. Nach einer der Pol. Corr. ans Petersburg zugehenden Meldung erhielten die russischen Polizei- Behörden kürzlich die Weisung, die Beobachtung der Vorschriften bezüglich der Ansiedlung und des zeitweiligen Aufenthaltes ausländischer Juden in Rußland mit besonderer Strenge zu überwachen. Durch diese Verfügung wird ausländischen Juden die Erwirkung einer Bewilligung zu zeitweiligem Aufenthalte in Rußland noch mehr als bisher erschwert. Warschau, 22. Oct. Von 78 ausländischen Juden (Kaufleuten) in den Gouvernements Warschau, Petrikau und Kalisch, die beim Ministerium des Innern um Aufenthalts-Verlängerung für einige Jahre zwecks Geschäftsabwickelung einkamen, sind der „Kreuz-Ztg." zufolge 73 abschläglich beschieden worden, fünf haben eine mehrmouatliche Verlängerung erhalten. Italien. Rom, 5. Oetober. Während der Manöver, welche um Brescia stattfanden, hat der König mit dem Kronprinzen auch das Arsenal besucht, dessen Direktor, Hauptmann Guiseppe Lattes, ein Jude ist. Beim Verlassen des Arsenals drückte der König seine Befriedigung aus über die energische und intelligente Art, in welcher der Direktor den Pflichten seines verantwortungsreichen Postens nachkommt.