Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 85 (30.10.1890)
- Date
- 1890-10-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1541 -£» Vermischtes. Szobotist, 23. Octbr. Herr Frankfurter David, nunmehr Rabbinats-Verwefer zu Holleschau in Mähren, eine der schönsten Gemeinden dieses Landes, war 16 Jahre Mitglied unserer Gemeinde, 16 Jahre hat er hier mit Aufwendung seiner ganzen Thatkrast, seines ganzen großen Einstusses das Wort Gottes verkündet, mit Hindernissen kämpfend, erfolgreich gewirkt. Obgleich Kaufmann, hat er stets in der heiligen Lehre geforscht. Letzten Samstag hielt er zum Abschied eine Rede, welche uns tief ergriffen, denn nicht leicht finden wir Ersatz für diesen großen Verlust. Er rief uns zu Zeugen auf, daß er nie nach ehrenden Stellen gefahndet. Er wollte beweisen: beschäftigt unser Geist auch die heilige Lehre, man trotzdem in geschäftlichen Verkehr treten, sich redlich auch auf diesem Wege erhalten kann. Die Bescheidenheit, die Anspruchslosigkeit dieses großen Mannes ist musterhaft. Nun ist er nach langem Sträuben dem Rufe der Gemeinde Holleschau gefolgt. Mögen ihn unsere Wünsche in sein neues Heim begleiten, möge er, seinen hohen Verdiensten gemäß, gewürdigt werden und seine Worte Gehör finden, sowie wir die Gemeinde zu ihrer überaus glücklichen Wahl herzlich beglückwünschen. M. Meisl. Brüssel, 21. Oct. Ueber das Ende des Universitäts- Skandals ist Folgendes zu berichten' Der Rektor Prof. Dr. Philippson hat in einer Studentenversammlung, nachdem er die schriftliche Garantie verlangt und erhalten hatte, baß er keinen Unannehmlichkeiten ausgesetzt sein würde, die Angelegenheit des Dr. Dwelshauvers und sein eigenes Verhalten zu allgemeiner Befriedigung aufgeklärt. Als er über seine Stellung zur Intervention der Polizei interpellirt wurde, antwortete er, er sei daran unschuldig, weigerte sich aber, das Verfahren des Bürgermeisters, der zugleich Vorsitzender des Universitäts-Senats ist, öffentlich zu verurtheilen. Der Präsident der Versammlung, Advokat Vandervelde, gab ihm darin vollständig Recht und wies einzelne Proteste, die laut! wurden, zurück. Die Versammlung endete in aller Ruhe. Seit er seine Vorlesungen begonnen hat, wurde er immer mit einstimmigem Beifall von seinen Zuhörern empfangen. Bürgermeister Buls hat inzwischen öffentlich erklärt, daß er allein für die Einmischung der Polizei, von der der Rektor abgerathen hatte, verantwortlich sei. Eine weitere allgemeine Studentenversammlung hat dann, auf eine Rede des Abgeordneten Janson, das Mißtrauensvotum gegen den Rektor fast einstimmig zurückgenommen. Feuilleton. Amerikanische Wriefe. /X New-Aork, 1. Oktober. Es ist lange her, seitdem der Schreiber dieser in den Jahren 1886—88 mit so vielem Beifall aufgenommenen Briefe sich in die Stille zurückzog. Allein in der letzten Zeit sind demselben aus den verschiedensten Theilen dies- und jenseits des Ozeans so vielfach die Wünsche um Fortsetzung dieser Briefe zugekommen, daß er nicht umhin kann, die ihm zu Gebote stehende freie Zeit zu benutzen, um in alter Weise seine Beobachtungen über die jüdischen Verhältnisse in Amerika zu Papier zu bringen. Meine Betrachtungen dürften heute in erster Reihe dem amerikanischen Judenthum im Allgemeinen und dem amerikanischen Rabbinerthum im Speziellen gewidmet sein. Wenn der gebildete orthodoxe Jude von Deutschland nach Amerika auswanderte und seinen Prinzipien gemäß leben wollte, so war es ihm wohl auch früher leicht, sich körperlich den Satzungen der Religion gemäß durchzubringen; den Magen konnte der Religiöseste, Dank der Thätigkeit des Hauptes der Orthodoxen polnisch-russischer Abkunft, den Reltgionsgesetzen gemäß befriedigen. Nicht so den Geist. Wohl gab es auch einige orthodoxe Rabbiner mit beschränktem Wirkungskreis und vielleicht ebenso beschränkter talmudischer Ausbildung, die ihre Zuhörer für unsere heilige Lehre zu begeistern suchten — allein das Rechte fehlte, es war wie eine Speise ohne Gewürz. Erst der früher nicht streng orthodoxen Gemeinde „Oheb Zedek", die sich meist aus kräftigen Sprößlingen der Karpathen rekrutirt, sollte es Vorbehalten sein, New-Dork und Amerika einen Mann als geistliches Oberhaupt zu repräsentiren, der eine Zierde der Orthodoxie und des Rabbinerthums der ganzen Judenheit bildet. In Herrn Rabbiner Dr. Philipp Klein hat die Gemeinde eine Wahl getroffen, wie sie glücklicher nicht geschehen konnte. Ueber das Eintreffen und den Empfang desselben in der Gemeinde haben Sie s. Z. ausführlich berichtet. Schreiber dieses hat diese Berichte gelesen und nichts hinzuzufügen. Allein, wie noch gar manche andere orthodoxe Jehudim, die in der Heimath schon dem Prinzip p« *pn oy r-nin huldigten, und die in Dr. Klein ihren ersten Vertreter in Ncw-Aork fanden, hat auch Schreiber dss. die Stelle, wo er bisher dem Gottesdienste oblag, verlassen und sich der Gemeinde angeschlossen, die in Dr. Klein ihr unumschränktes geistliches Oberhaupt anerkennt. Wußte ich auch schon vorher, wer Herr Dr. Klein ist, so habe ich und die ganze Gemeinde ihn in den letzten Feiertagen in seiner wahren Größe erkannt. Worte, wie ste n"n, n*iJ ba, naw *v und an den beiden ersten Tagen nno in der Synagoge der Gemeinde „Oheb Zedek" gehört wurden, konnten auch auf den auf der äußersten Linken Stehenden ihren Eindruck nicht verfehlen. Siebenachtel des hiesigen Publikums glaubte bisher, daß da, wo mm sei, die Bildung fehle und umgekehrt. Herr Dr. Klein hat die Leute belehrt, daß dem nicht so ist und sein rcw vorgetragener im Anschluß an einen deutschen Vortrag mußte selbst die Alles benörgelten Reformer zu dem Geständniß bringen, daß ihre Phrase, die Orthodoxie sei mit der Zeitströmung und der Bildung nicht vereinbar, eine hohle sei. Herr Dr. Klein hat einen großen Einfluß auf seine Gemeinde; allein, da er der erste geistliche