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Der Israelit · 1890-10-30 · Heft 85 (30.10.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 85 (30.10.1890)
Date
1890-10-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1588 spreche ich Dir. dem Manne meine Hand zu reichen, den Ihr mir bestimmt." Frau Sternfels war damit zufrieden und berichtete ihrem Manne von ihrer Unterredung mit Else. „Sie liebt Chajim," sprach dieser, „und Gott gebe, daß er ihre Neigung erwiedert. Mir könnte Niemand als Schwiegersohn willkommener sein als er, trotzdem er kein Vermögen hat und nicht aus seiner Familie stammt. Auch Dir wäre er recht, nicht wahr?" Die Gattin nickte zustimmend und sprach: „Nun, Gott wird es fügen." * * * Wiederum war ein halbes Jahr in's Meer der Ewigkeit entschwunden. Jener Prozeß hatte ein schändliches Gewebe von Niederträchtigkeit und Schurkerei enthüllt, womit ein verkommenes Subjekt die Ehre und den guten Ruf eines Menschen blos deßhalb vernichten wollte, weil dieser Jude war. Schickler war nur das ungeschickte Werkzeug von enragirten Antisemiten. Das Werkzeug erhielt eine exemplarische Strafe, die Urheber, denen man nichts beweisen konnte, gingen frei aus. An dem Tage, an dem das Urtheil gesprochen wurde, theilte Chajim dem Director mit, daß er seine Stelle verlasse, um seine Jugendpläne endlich verwirklichen zu können. Dieser gab seinem Bedauern darüber Ausdruck und versprach ihm rathend und helfend zur Seite zu stehen. Und der brave Mann hielt Wort. Durch seine Verbindungen interessirte er die russische Negierung für die Sache und ehe Chajim es dachte, stand er vor der Verwirklichung seiner Pläne. Chajim mußte nun nach Rußland reisen, um den Bau der Fabrik zu beaufsichtigen. Er nahm Abschied von dem Director, der ihn wie einen Sohn entließ. Auch von seinen Bekannten hatte er sich verabschiedet, und den letzten Abend in Deutschland wollte er in dem Hause verbringen, das ihm zum Elternhaus in der Fremde geworden, bei Sternfels. Herr Sternsels hatte sich früh vom Geschäft frei gemacht und erwartete den jungen Mann, den er wie einen Sohn liebte. Else ging schon den ganzen Tag traurig einher und ihre Mutter wischte sich von Zeit zu Zeit eine Thräne aus dem Auge. Endlich kam Chajim. Herr Sternsels empfing ihn an der Thüre und bat ihn, einen Augenblick in sein. Privatzimmer einzutreten. Hier nahm er ein Etuis von seinem Schreibtisch, entnahm demselben einen prachtvollen Brillantring und gab ihn Chaim mit den Worten: „Sie sind mir lieb geworden wie ein Sohn, so möge Sie dieser Ring manchmal an mich und mein Haus erinnern." Chajim war überrascht und konnte zuerst kein Wort des Dankes finden. Endlich sprach er: „Herzlichen Dank! Dieser Ring sei mir ein gutes Zeichen. Er stelle mir die frohe Hoffnung in Aussicht, wenn ich mir eine Existenz gegründet habe, vor Sie hintreten zu dürfen, um Sie an Ihr Wort zu erinnern. Bewahren Sie mir Ihre Liebe, um mich hoffentlich recht bald als Sohn empfangen zu können." „Sie sind mir jederzeit willkommen," entgegnete Sternsels freudig erregt, „und selbst wenn Ihnen, Gott bewahre, Fortuna nicht hold sein sollte, steht Ihnen mein Haus offen, werden Sie mir ein lieber Sohn sein. Doch wie ist es, weiß Else darum?" „Nein, Herr Sternfels; ich wollte ihr Herz nicht beunruhigen. Aber es würde mir meinen Muth und mein Vertrauen verzehnfachen, wenn ich, bevor ich scheide, ein offenes Wort mit Else reden dürfte." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Such Handel jtt begehen bei G. F. Kleinackrr, Leipzig. Iloßpiatz 1K. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franko «inßnstnd«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Perek Schirah. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Berlin. Frankfurt a. M. Oberhausen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Gro ß-Topolcsau. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. Warschau. — Italien: Rom. — Türkei: Constantinopel. Vermischtes. — Feuilleton: Gofrith momelach: Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Wiesbaden. Leipzig. Aus der Provinz Posen. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Budapest. Arad. Satorallya-Ujhely. — Frankreich: Paris. — Rußland: Warschau. Italien: Rom. — Vermischtes. — Feuilleton: Amerikanische Briefe. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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