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Der Israelit · 1890-10-30 · Heft 85 (30.10.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 85 (30.10.1890)
Date
1890-10-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1537 Rußland. Petersburg, 15. Oct. Mehr als 200 Juden, welche ihr Abiturientenexamen gemacht haben, ist der Eintritt in die Universitäten versagt worden, weil dadurch mehr als die gesetzlichen 5 pCt. hincinkämen. Die Betreffenden haben an den Minister der Volksaufklärung ein Schreiben gerichtet, in welchem sie gegen ihre Ausschließung protestiren. Warschau, 10. October. Vorigen Sonntag wurde in Anwesenheit der Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden in glänzender Feier das von Herrn Henry Levy und seiner Gattin gestiftete Reconvalescenten-Haus eingeweiht. Der Prachtbau , eine Zierde unserer Stadt, hat Raum für 60 Kranke und ist je zur Hälfte für Juden und Nichtjuden bestimmt. Italien. Rom, 9. October. An Stelle unseres hochverehrten greisen Oberrabbiners Moses Levi Ehrenreich »"j hat nun Chacham Zewi die Leitung des hier neugegründeten Rabbiner-Seminars übernommen. Chacham Zewi besitzt einen Namen, der in der jüdischen Gelehrtenwelt einen vortrefflichen Klang hat; auch schreibt er ein vortreffliches Hebräisch. Obwohl unser verehrter Oberrabbiner ein geborener Oesterreicher ist — er stammt aus Brody in Galizien und ist ein Schwiegersohn Jizchak Samuel Reggio's — so erfreuet er sich doch hier allgemeiner Beliebtheit und steht er auch bei den Behörden in hohem Ansehen. T ü r k e i. Konstantinopel, 12. October. Das hiesige türkische Blatt „Murvet" schreibt: „Am ersten Tag des eben vergangenen Sukkothfestes erschien der Chacham-Baschi, Rabbi Moses Lew, ganz unerwartet in der großen Synagoge von Kuskundji, um heute in höchst eigener Person das Gebet für den Sultan zu verrichten. Des hohen Festes wegen war die Synagoge heute überfüllt und waren auch fast alle Notabilitäten der hiesigen jüdischen Gemeinde dort anwesend. Nachdem der Chacham-Baschi das erwähnte Gebet verrichtet hatte, nahm der Gottesdienst wieder seinen regelmäßigen Verlauf. Nach Beendigung desselben ergriff der Chacham- Baschi ganz unverhofft das Wort, und machte die Anwesenden darauf aufmerksam, daß es auch ihre Pflicht sei, täglich für das lange Leben des Sultans zu beten, denn während in den benachbarten Staaten die Feinde Israels von Tag zu Tag zahlreicher und herausfordernder werden, leben die Juden im türkischen Reiche ruhig und zufrieden und Keiner wage es, ihre Rechte anzutasten. Diese Rede machte einen so tiefen Eindruck auf die Anwesenden, daß sie die Heiligkeit des Ortes nicht achtend und die Weihe des Tages ganz vergessend, sich plötzlich insgesammt erhoben und mit donnernder Stimme mehrmals nach einander riefen: „kaälsedadim tsedok jascha! (Lange lebe der Padischa!) Eine große Menge gab dann dem Chacham-Baschi das Geleite bis in seine Wohnung." > Vermischtes. < Jamnitz, 25. September. Am Rosch-Haschonah entstand in der dichtbesetzten Frauengallerie der hiesigen Synagoge während des Gottesdienstes ein panischer Schrecken dadurch, daß eine alte Frau plötzlich ohnmächtig wurde und die ihr zu Hilfe eilende Nachbarin nach Wasser rief. Da man in den übrigen Räumen den Ausbruch eines Feuers vermuthete, wurde der Tumult noch größer, und das Drängen nach dem Ausgange hätte entsetzliche Folgen haben können, wenn nicht einige Besonnene die Gcängstigten aufgeklärt und die Ruhe wiederhergestellt hätten. Wien. Das Bankhaus S. M. v. Ro th sch ild in Wien hat dem Minister-Präsidenten für die beschäftigungslosen Perlmutterdrechsler-Arbeiter den Betrag von 10,000 fl. übergeben, welche Spende sofort ihrer Bestimmung zugeführt wurde. Feuilleton. Gofrtth womelach. Novelle von Dr. Ossip Duchowetzky. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Im Hause des Herrn Sternfels war man sehr aufgeregt, als man den Vorfall mir Chajim erfuhr. Man mußte es als eine göttliche Fügung bedachten, daß der Betrüger sich in seiner eigenen Schlinge gefangen hatte. Else war ganz trostlos über das Unglück, welches so nahe über dem Haupte des Geliebten geschwebt hatte, und Frau Sternfels gab sich alle Mühe, den jungen Mann zu veranlassen, seine Stelle dort aufzngeben und eine Stelle bei Glaubensgenossen anzunehmen. Herr Sternfels jedoch rieth, noch ein halbes Jahr zu bleiben, dann auszutreten und seine ursprünglichen Pläne zu verwirklichen. Chajim stimmte ihm bei und blieb vorerst. Else Sternfels war jetzt neunzehn Jahre alt. Sie war ein sehr hübsches Mädchen, welches, da es auch an einer großen Mitgift nicht fehlte, von Freiern viel umworben war. Die besten Parthien schlug sie aus, und es schien, als ob ein Prinz kommen müsse, der um sie werbe, wenn sie das Jawort geben solle. Dieser Prinz kam freilich nicht und so gab Else auch jedem Freier einen Korb. Die Eltern grämten sich sehr darüber, und als Frau Sternfels ihr eines Tages Vorwürfe machte, daß sie so wählerisch sei, erwiederte sie: „Ich habe schon längst gewählt und will warten, ob der, den ich erwählt habe, mich auch erwählt. Ist dieses nicht der Fall, wählt er eine andere, dann ver-

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