Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 85 (30.10.1890)
- Date
- 1890-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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und ®t)mnafiafien, also solche Leute, welche noch von der Tasche ihrer Eltern leben, die den Worten des Antisemitenhäuptlings Beifall spendeten. Der eigentliche bessere Vürgerstand von Mühlheim (Ruhr) hielt sich der Versammlung fern. Da die Reden eines solchen Antisemitenführers fast Alle über einen Leisten geschlagen sind, so lohnt es sich nicht der Mühe, näher hierauf einzugehen; man konnte aber an den Worten des genannten Führers merken, daß Neid, Concurrenz, Habsucht die eigentliche Triebfeder des Hasses der Antisemiten gegen die Juden ist. Besonders hervorzuheben ist noch, daß die in Duisburg erscheinende national-liberale „Rhein-Ruhr-Zeitung" das einzige Organ der Presse war, welche das Inserat des Antisemitenführers zur Veröffentlichung brachte. Ob der Antisemitismus in hiesiger Gegend Boden finden wird, glauben wir dennoch verneinen zu müssen, indem das Einvernehmen zwischen Jude und Christ immer noch ein gutes zu nennen ist. Auch in Düsseldorf hielt der antisemitische Abgeordnete einen Vortrag und soll es dabei zu scandalösen Auftritten zwischen den Sozialdemokraten und den Antisemiten gekommen sein. Oesterr. Ungar. Monarchie. Wien, 24. October. Am 9. September I. I. fand vor dem Bezirksgerichte Alsergrund die Verhandlung über eine Ehrenbeleidigungs-Klage des Schachmeisters G u n s b e r g gegen den verantwortlichen Redacteur des „Deutschen Volksblatt" wegen Vernachlässigung pflichtmäßiger Obsorge statt. Die Klage betraf eine unwahre Nachricht des genannten Blattes, wonach Gunsberg dem russischen Schachkünstler Tschigorin den Vorschlag gemacht habe, einen vom New-Aorker Schach-Club ausgeworfenen Preis von 500 Dollars vor Entscheidung des Wettkampfes mit ihm zu theilen. Gunsberg wurde mit Rücksicht hierauf ein „Schachjude" genannt, der ein „Geschäft" gemacht habe u. s. w. Bei der im „Deutschen Volksblatt" vorgeuommenen Haussuchung wurde zwar das Manuscript dieser pamphlettstischen Notiz gesunden, da jedoch sowohl der Herausgeber Ernst Vergani, wie der verantwortliche Redacteur Eduard Florian erklärten, die Schrift nicht zu kennen, Florian auch angab, die Notiz vor der Drucklegung nicht gelesen zu haben, so mußte sich der Beleidigte auf die Anklage wegen Vernachlässigung der pflichtmäßigen Obsorge beschränken. Der Richter verurtheilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von zwanzig Gulden, indem er zugleich über das „Deutsche Volksblatt" einen Cautionsverluft von sechzig Gulden verhängte. Gegen dieses Erkenntniß meldeten beide Theile die Berufung an, und zwar der klägerische Vertreter Dr. Jaaues Fischer deßhalb, weil seinem Anträge, das „Deutsche Volksblatt" zum Abdrucke des Urtheils zu verpflichten, unter Berufung auf das Gesetz nicht stattgegeben worden war. In der heutigen Appellverhandlung wurde die Berufung des Verurtheilten zurückgewiesen, dem klägerischen Recurse dagegen stattgegeben und ausgesprochen, daß das „Deutsche Volksblatt" verpflichtet sei, das Erkenntniß zu veröffentlichen. Groß-Tapolesau (Ungarn), im Cheschwan 5651. In dieser Zeit, wo in so vielen Kreisen der religiöse Jndifferentismus immer weitergreist, ist es für jedes wahrhaft jüdische, von frommem Eifer durchglühte Herz umso erfreulicher von einer erhebenden religiösen Feier zu vernehmen, welche in unserer Gemeinde und selbst in unserer Gegend noch lange in Erinnerung bleiben wird. Der in der ganzen Umgegend durch seinen biederen, edlen Charakter und durch seine Wohlthätigkeit und Frömmigkeit allgemein hochgeachtete Herr Bernhard Felsenburg und dessen wackere, fromme Frau haben in Ausübung des erhabenen Gebotes nnn n-rtyn n« uib wrw nnyi eine prachtvolle Gesetzesrolle der hiesigen Synagoge gespendet, deren “firn am verflossenen nnuy ftattfand, und welche mit einer würdigen Feier ihrer heiligen Bestimmung übergeben wurde. Um 9 Uhr früh wurde die neue rmn ibd von den Angesehensten der Gemeinde mit reichgeschmückten min ’idd unter Betheiligung einer großen Menschenmenge vom Hause des edlen Spenders abgeholt, bei welcher Gelegenheit Se. Ehrw. Herr Subrabbiner Abr. Prager und Herr Philipp Rudolf — Lehrer des Einsenders — wohldurchdachte Reden hielten. Im Tempel wurde die neue Thorarolle von sämmtlichen vorhandenen rmn nso mit der nenn in feierlicher Weise empfangen, wobei Herr Cantor Abrahamsohn mit dem Chor die Festpsalmen sehr wirkungsvoll sang. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Schlesinger hielt die mit hinreißender Begeisterung gesprochene Weiherede, welcher er den Vers nna jtin ims onoan nrn minn ibc tn npb '»i 'n als Text zugrunde legte, nach welcher die neue Gesetzesrolle dem 'i n'rn inx übergeben wurde. Eine schöne Ansprache des Herrn Jsak Schweiger beschloß das erhabene Fest. Möge es dem frommen, edlen Ehepaare vergönnt sein noch viele Jahre zum Gedeihen unserer Gemeinde und zum Wohle unserer Mitbürger zu streben und mitzuwirken, wie es bisher stets eifrig bestrebt war rnnnnbi nun Frankreich. Paris. Der Posten des Rabbiner-Seminardirektors ist nun endgiltig besetzt worden, und zwar durch Herrn Rabbiner Joseph Lehmann.