Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 85 (30.10.1890)
- Date
- 1890-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1585 ran haben edle deutsche Frauen sich bemüht, das Werk der Waisenerziehung in Jerusalem zu fördern. Dem Beispiele der Damen Kölns, die auch jetzt wieder eine Sammlung veranstaltet haben, sind die hochherzigen Frauen Hannovers gefolgt. Eine andere menschenfreundliche Dame, Frau Leontine Heime-dinger in Wiesbaden, hat in den jüngsten Monaten durch sog. Schneeballsammlungen uns mit Sendungen in der Höhe von 1750 Mark eine große Beihilfe geleistet. Auch Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi in Dürkheim hat in gleich unermüdlicher Weise wie seither für unseren Verein gewirkt und uns im neuen Jahr bereits wieder ansehnliche Legate verschafft. Eine Badekur, die Herr Direktor Dr. Herzberg wiederum zu unternehmen gezwungen war, gab demselben auf's Neue Gelegenheit, hochherzige Menschenfreunde für unfern Verein zu interessiren. Seinen Bemühungen verdanken wir u. a. die schönen Gaben von Fr. 600 von Freifrau Edmund v. Rothschild in Paris. Fr. 500 von Freiherrn Gustav von Rothschild in Paris, Lstr. St. 25 von Lady Rothschild in London, je M. 300 von Herrn Rudolf Hardy in Hamburg und Herrn Geheimrath Louis Meyer in Hannover. Eine große Befriedigung gewährte es uns, daß wir uns durch eigene Anschauung von dem eminenten erziehlichen Einfluß überzeugen konnten, welchen unsere Anstalten auf ihre Zöglinge ausüben. Mit Schluß des Wintersemesters verließen nämlich zwei Zöglinge des Waisenhauses und ein Externer Palästina, um sich in Europa für einen später in Jerusalem auszuübenden gelehrten Beruf auszubilden. Alle drei waren uns von dem k. k. österreichischen und ungarischen Consnl Herrn Ritter von Strautz warm empfohlen. Die beiden Waisen haben das Lehrfach erwählt. Es gelang, dem Einen die Aufnahme in das staatliche Lehrerseminar zu Halberstadt sich zu verschaffen, während der Andere in Berlin ausgebildet wird. Selbstverständlich dürfen die Mittel des Vereins über die Schulzeit hinaus nicht in Anspruch. genommen werden, und wir konnten für die weitere Ausbildung der jungen Leute nur in der Weise sorgen, daß wir bei Freunden und Gönnern das Interesse für dieselben wachzurufen uns bemühten. Wir freuen uns, daß der Erfolg ein günstiger war. Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer, Ehrwürden, in Berlin, der bewährte Freund unserer palästinensischen Glaubensbrüder, und Herr Benjamin Hirsch in Halberstadt haben es übernommen, die Kosten für die beiden Waisen aufzubringen. Drei Zöglinge verließen im Herbst das Waisenhaus, um in den Werkstätten der Alliance einen, wenn auch sehr bescheidenen Verdienst zu finden; drei andere Knaben wurden dafür ausgenommen. Dieses Frühjahr traten vier unserer Zöglinge zur Erlernung eines Handwerks in die betreffenden Klassen der Allianceschule ein. Die Leitung der Schule lag während der Abwesenheit des Herrn Direktors Dr. Herzberg ganz in den Händen unseres Hauptlehrers Herrn Ephraim Cohn, der seiner schwierigen Aufgabe mit großer Aufopferung gerecht wurde. Die Anwesenheit des Herrn Cohn dahier bei Gelegenheit seiner Reise nach Europa behufs Wiederherstellung seiner Gesundheit wurde verwerthet, einen verbesserten Stundenplan zu vereinbaren. Namentlich wird auch dem Talmud-Unterricht eine größere Ausdehnung gegeben. Um Herrn Dr. Herzberg die Erfüllung seiner übrigen Pflichten in vollem Umfang zu ermöglichen, haben wir im Einverständniß mit dem Curatorium der von Lämmclschen Stiftung Herrn Cohn die Leitung und Ueberwachung des gesammten Unterrichtes anvertraut und ihm den Titel „Schuldirektor" übertragen. Diese Reorganisation der Schule stellt, wie nicht zu vermeiden, erhöhte Forderungen an die Schulkasse, welche ohnehin schon durch den Wechsel des Schullokals größere Ausgaben zu übernehmen hatte. Das früher benutzte Haus wurde uns nämlich auf Herbst 1889 gekündigt, und ein anderes statt dessen gemiethet, welches zwar geräumiger, aber auch theurer ist. Die Zahl der Schüler beträgt über 100. Für die ärmsten der Externen bezahlten der Verein Lemaan Zion und andere Wohlthäter Mittagskost und Kleidung. Hübsche Wandkarten für die Schulzimmcr verdanken wir der Güte unseres Verwaltungsrathsmitglieds Herrn Charles L. Hallgarten. Im Laufe des Wintersemesters wurde die Schule durch mehrfachen Besuch beehrt. Im Begriffe, diesen Bericht zu schließen, werden wir durch eine neue großherzige Stiftung hoch erfreut: Herr Lazarus Schwarz in Nürnberg hat uns die Summe von Zehntausend Mark als Lazarus und Bertha Schwarzsche Stiftung zugewendet. Sobald wir die landesherrliche Genehmigung, um die wir nachsuchten, erlangt haben, wird der edle Spender, als Curator dieser Stiftung, in den Verwaltungsrath eintreten. Oberhausen. Der bekannte Reichstagsabgeordnete Liebermann v. Sonnenberg hielt Sonntag den 19. d. M. in Eppinghofen, das zur Bürgermeisterei Mühlheim a. d. Ruhr gehört, im Saale der Wwe. Schönebeck eine antisemitische Volksversammlung ab und hatte sich zu seinem Vortrage das Thema: „Was heißt deutsch-sozial" gewählt. Der große Saal war ziemlich stark besucht und besonders waren es18jährtge halbwüchsige Burschen