Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 85 (30.10.1890)
- Date
- 1890-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1533 und bemerkt mit Recht, daß es eines jahrelangen Studiums bedarf, um in den Geist dieser Sprache einzudringen, eine schwierige Aufgabe, deren sich nur wenige Nichtisraeliten unterzogen haben. Daher bei diesen der blinde Glaube, das jüdische Gesetz lehre Dinge, die zu bekämpfen die ganze Geisteskraft eingesetzt werden müsse. — Da nun Maimonides „Mischneh - Thora" das Gesammtgebiet der Gesetze des Judenthums umfaßt, so ist die Uebersetzung gerade dieses Werkes geeignet Jedem, der danach verlangt, die richtige Belehrung über die Tendenz des biblisch-talmudischen Gesetzes zu geben. — In richtiger Erkenntniß seiner Ausgabe hat der Autor seine Uebersetzung mit dem vierten Band von Maimonides Riesenwerke begonnen. Er hat hier Gelegenheit zu zeigen, welch ein Geist strenger Gerechtigkeit, aber auch welche Humanität dem jüdischen Gesetze eigen ist. Es wird hier bis zur Evidenz nachgewiesen, wie ein jedes Unrecht gegen Israeliten und Nichtisraeliten strenge verpönt ist, während die Uebung des Guten gegen Alle, also ohne Unterschied des Glaubens, eindringlich geboten ist. Er führt Talmudstellen an, nach welchen Diebstahl, Betrug, Wucher u. dgl. unter keinen Uniständen und gegen Niemand gestattet ist. — Ueber das Verhalten des Israeliten zu den andern monotheistischen Völkern weist der Verfasser auf Hoffmanns Arbeit in der „Jüdischem Presse" hin, wo das Richtige über diesen Gegenstand zu finden ist. Ueber die Art, wie das Original übersetzt worden ist, schließt das geistreiche Vorwort des Verfassers. Hierauf folgt eine Einleitung des Uebersetzers, welche wir füglich als eine Einleitung für das talmudische Schriftthum überhaupt bezeichnen können. In den Anmerkungen erhalten wir Proben, aus denen ersichtlich ist, wie die Talmudlehrer auf die scharfsinnigste Art das schriftliche Gesetz auslegen. Wir werden im Geiste gleichsam in eine Arena versetzt, in welcher mit Lebhaftigkeit und größter Geistesschärfe der Geifteskampf geführt wird, um dann mit einem Einverständniß aller Streitenden zu enden, oder die Streitsache unentschieden zu lassen, bis ein Geistesheroe dieselben zur endlichen Entscheidung bringt. Diese Entscheidungen dienten dem Volke als Norm, da die Talmudlehrer bei ihm im höchsten Ansehen standen in Folge ihres frommen Lebens und Strebens. Ja sie genossen bei ihren Jüngern die höchste Verehrung, die man einem Menschen erweisen kann. Was den Talmud selbst betrifft, so wird richtig bemerkt, daß er der Spiegel ist des innern und äußern Lebens des israelitischen Volkes, welchem er die geläutersten Begriffe über Lehre und Leben gibt und in welchem die Lösung des Räthsels der Existenz Israels für ewige Zeiten gegeben ist, während die mächtigsten Völker von der Erde weggefegt worden sind. Der Jad hachasaka bildet gleichsam den Extract des Talmuds, mit dessen näherer Beschreibung, sowie mit der späterer Dectsoren die geistreiche Einleitung schließt. Die Uebersetzung des Originales ist correct, und wünschen wir von ganzem Herzen, daß das Werk reichen Absatz finden möge, damit dem Verfasser der Lohn für seine mühevolle Arbeit nicht ausbleibe. Dr. I. in M. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, 27. Oktober. In der Vorhalle der Synagoge der isr. Religionsgesellschaft beging heute unsere Unterrichtsanstalt eine Feier zu Ehren Moltke's. Nach vorhergegangenen patriotischen Liedern und Deklamationen hielt der Letter der Anstatt, Herr Dr. Vondi anknüpfend an den Vers der gestrigen Hafthora 'ui cn^ tdjp ddtp, „Er verfolgt seine Feinde und durchschreitet unversehrt einen Pfad, den er vormals nie betreten", eine Rede, indem er in der anziehendsten Weise ausführte, wie Moltke es war, der die Kriegswissenschaft erst auf ihre Höhe brachte und durch Erforschen fremder Gegenden selbst die schwierigsten Märsche im feindlichen Gebiete dem deutschen Heere ermöglichte. Mit Absingung der Wacht am Rhein schloß die Feier, die auf die Kinder sichtlich eines tiefen Eindruckes nicht verfehlte. — Vergangene Woche hat auch unser Herr Rabbiner damit begonnen, seine Vorträge im Jungverein, die im Laufe des Sommers nur am Sabbat stattfanden, auch an Wochentagen zu halten. Dieselben erfreuen sich sehr großen Zuspruchs, da der Vortragende es versteht, durch lichtvolle Darstellung seine Zuhörer zu fesseln. Möge auch ferner seine Wirksamkeit von reichem Segen begleitet sein, mm Vnjrfc. Berlin, 20. October. Eine Entscheidung, welche sicherlich weit über den Kreis der unmittelbar Beteiligten hinaus gerechtes Erstaunen wachrufen wird, ist vom Strafsenat des Kammergerichts als (letzte) Berufungs-Instanz gefällt worden. Es handelte sich um die mehrfach erwähnte Anklage wegen Beleidigung der jüdischen Rechtsanwälte, welche sich gegen den Lampenfabrikannten Johann Heinrich Kügler richtete. Letzterer war mit der Annoncen-Firma „Julius Weinberges Verlag" wegen aufgegebener Inserate in Zwiespalt gekommen und hatte derselben eine grobe Postkarte geschrieben. In Folge dessen wurde er aufgefordert, binnen drei Tage einen eutschuldigenden Brief an den Rechtsanwalt Dr. Sello einzuschicken, widrigenfalls die