Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 85 (30.10.1890)
- Date
- 1890-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1532 einander", so soll Israel einmal zu seinem Vater im Himmel gebetet haben, im Hinblicke auf diese Begegnung. Keinen Neid empfand Moscheh, als seinem Bruder Ahron die Priesterwürde angeboten wurde, keine Eifersucht bemächtigte sich Ahron's, als er den göttlichen Befehl erhielt, seinem Bruder in die Wüste entgegen zu gehen; Liebe und Wahrheit standen hier vereint, Pflicht und Friede gaben sich den Bruderkuß. Zwei Männer, beide erfüllt von Wahrheit und Liebe, Moscheh, der Mann der Pflicht und Ahron, der Vertreter des Friedens. Kaum 12 Jahre alt war, nach dem Allsspruche unserer Weisen, Moscheh, als er, ein muthvoller Knabe, das elterliche Heim zu verlassen genöthigt war und nunmehr stand er als geprüfter, erfahrener Mann vor dem Bruder, dessen Ansehen als Prophet bei seinen Brüdern in Egypten bereits bedeutend war. Aber nicht Ahron sollte die hohe Sendung übernehmen; nicht Ahron sollte Israel vor den Horeb und durch die Wüste leiten, sollte es zu einem Volke heranbilden, würdig den Namen des All-Einzigen zu tragen — jener Bruder, der in Midjan die Schafe seines Schwiegervaters hütete, war ausersehen zur Vollführung dieser hohen Aufgabe. Gott bevorzugte den in der Fremde Erzogenen, weil das Volk dem Einheimischen nicht glauben wollte, daß auch mit ihm der Allmächtige geredet. Trotzdem nun sich die beiden Brüder so aufrichtig liebten und nicht der leiseste Schatten einer Eifersucht zwischen ihnen bestand, ging Aharon doch erst auf Befehl Gottes seinem Bruder in die Wüste entgegen, denn oftmals bedarf es erst der Aufforderung, wenn man sich erinnern soll, was sich geziemet, pa p-, bedarf des p\n (Midrasch Rabbah Schemoth). Das lehrt uns das zweite Bild aus der Wüste. Das dritte Bild zeigt uns Israel lagernd in der Wüste, sammelnd das Mannah, jenes Vrod, welches der Allmächtige täglich vom Himmel herniederregnen ließ. Ein und zwanzig Tage hierauf sollte Israel die Thora empfangen *und nicht die Hungrigen sind geeigenschaftet sich dem Studium des Gesetzes zu widmen, anm 'vi isro x.-> .HDsnöi aoib mvi p’Hbi nnnw Vdin nipi p»no pw 'r. „Der da sitzet und forschet und weiß nicht woher er Nahrung und Kleidung nehmen soll, der ist nicht im Stande das Gotteswort richtig zu erfassen." Die Fürsorge Gottes für den Thorabeflissenen / folgern wir aus diesem Wüstenbild. '*sn ->vnv awv* „Die Wüste und die Dürre freuen sich Israel Nahrung gewährt zu haben und deßhalb wird in der heiligen Schrift jeder Ort, in welchem das Volk rastete, erwähnt. lrva ddpi tddpi b rra riO2 nns by „Wer einen Thoralernenden in seiner Wohnung bewirihet, wie groß ist dessen Lohn." Wir gelangen endlich zu dem vierten Bilde, das uns die Wüste entrollet, dem Bilde der o'wv Zwei würdige Männer befinden sich im Zwiegespräch; in dem Einen erkennen wir Moscheh, der Name des Ander n ist Bezalel. „Du trägst einen Deiner würdigen Namen, denn Du standest bx bso in dem Schatten Gottes, als der Allgütige seinen Wunsch mir kundgab die Stiftshütte und seine Gefäße durch Dich anfertigen zu lassen. Es ist dir gelungen, den heiligen Leuchter aus einem Stück reinen Goldes Zuschlägen; seine Blumen, seine Kelche und Knospen stehen vollendet vor mir, und ich war nicht im Stande, selbst nachdem mir die Form im Feuer gezeigt wurde, dies mit eigener Hand auszuführen." Dankend nahm Bezalel Moscheh's Lob entgegend, aber er konnte einen Seufzer nicht unterdrücken, denn eine Ahnung sagte ihm, daß dieser Leuchter nicht stets im Dienste des Allmächtigen verwendet werden würde; eine Zeit wird kommen, in welcher dieser Leuchter der Menschheit verborgen bleiben wird. „Es kommt aber auch eine Zeit", sagte Moscheh, „in welcher der Heilige, gelobt sei Er, sein Haus wieder bauen wird und dann wird auch der durch Dich angefertigte Leuchter in dem Heiligthnme Gottes erscheinen; denn so heißt es nnn nanc dw rtans msm nmy „Freuen werden sich Trift' und Haide und die Steppe wird frohlocken und blühen der Narcisse gleich." Hier lehrt uns dasVorkommniß in der Wüste, daß wir die beabsichtigte Ausübung eines edlen Werkes selbst dann nicht unterlassen sollen, wenn wir voraussehen, daß unser Werk nicht von Bestand sein wird. — Möge der Allgütige recht bald seine Gnade Israel erweisen. Amen!_(Fortsetzung folgt.) Literarischer Gericht. Mischneh Thora oder Jad hachasaka von R. Moses, Sohn des Maimon (Maimonides), in vierzehn Büchern, das gesammte Gebiet der Gesetze des Judenthums umfassend, aus dem Urtexte ins Deutsche übersetzt von A. Wolfs, Rabbiner der Jsraelitengemeinde zu Hatgerloch. Vierter Band. Das jüdische Civil- und Strafrecht. Verlag des Verfassers. Der Verfasser, der sich bereits durch seine Arbeit „über das jüdische Erbrecht" als scharfsinniger Interpret der Sprache und Tendenz des Talmud bewährt hat, tritt mit seinem neuen Werke nicht nur vor die jüdische, sondern vor die gelehrte nichtjüdische Leserwelt, indem er sich die Aufgabe gestellt, das durch Unkenntuiß des Talmud in weiten Kreisen noch herrschende Vorurtheil nach Kräften zü zerstreuen. Der Autor verhehlt sich dabei nicht, daß er sich einer schweren, kaum zu bewältigenden Aufgabe unterzogen hat; er weist auf die Eigenthümlichkeit der Sprache hin, die dieses Schriftthum beherrscht