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Der Israelit · 1890-10-30 · Heft 85 (30.10.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 85 (30.10.1890)
Date
1890-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Jfä 85. ( Israelit... Itschuriin. Zettslhrist Mi Förderms B. Geistes Md jstd. Kebess iu Ass. Gemisde Md Kchsle. Kenlrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den SO. Oktober 5651 (1890). Leitender Artikel. Werek Schiratj. XIV. Fortgesetzt Liepman Philip Prins. (Der Lobgesang der Wüste.) I. Frankfurt a. M., 23. Oktober, .nb-wrn msm nmy tont '»in mio owe» no'is wo Die Wüste spricht: „Freuen werden sich Trift' und Haide und die Steppe wird frohlocken und blühen der Narcisse gleich." Der Prophet Jesaias, der Autor dieser Worte, wurde dazu im Hinblick auf eine Zeit begeistert, die in weiter, weiter Ferne von ihm lag. Noch ist Jerusalem eine Weltstadt, seine Einwohner erfreuen sich der größten Selbstständigkeit und Judäa gilt noch immer bei den Nationen als eine Macht, die sowohl nach innen, wie nach außen hin fest gefügt ist und mit deren Einfluß und Stärke man Rechnung zu tragen hat. Aber das Auge des Propheten schaut tiefer; die innern Verhältnisse der Gottesstadt waren bereits sehr trübe und der Staat seiner Auflösung nahe. Schon sieht Jesaias den Untergang des einst so bedeutenden Reiches, schon schaut er die Trümmer der herrlichen Paläste und von den züngelnden Flammen, die aus dem lodernden Tempel emporsteigen, glaubt er sich umgeben. Aber auch bei den großen Nationen der Welt ist keine Sitte und Treue mehr zu finden und auch ihnen weissagt der göttliche Schauer den nahen Untergang. Da streift sein weitsehendes Auge die Oede, die Wüste, und Worte des Trostes entströmen seiner Brust; denn die Steppe wird wieder bevölkert, die Oede wieder belebet werden; nrso awv* rnxi, dann werden sich freuen Trift und Haide. Und es vernimmt die Wüste die Worte des gottgesandten Mannes, sie stimmt an das Lied des Propheten, damit es hören alle Diejenigen, die der Ermuthigung bedürfen. Vier Dinge gibt es nach dem Ausspruche unserer Weisen, zu bereu Vollführung es der Ermuthigung bedarf und uns solche zu bringen, ist der Lobgesang der Wüste geeignet, pns nyznN i"n p« -pro rfc&n d»3ib D’ttwni min p pun. Die vier Dinge, zu deren Ausführung es einer Stütze bedarf, sind: das Erforschen der heiligen Gotteslehre, das Ueben guter Werke, das Gebet und die gute Sitte. Wir werden in unseren Betrachtungen zu zeigen versuchen, wie gerade der Anblick der Wüste dazu angethan erscheint, denjenigen, die sich mit den genannten vier Dingen beschäftigen, Muth zuzusprechen. Lassen wir einmal Bilder aus der heiligen Schrift, die auf dem Hintergründe der Wüste gezeichnet sind, an unserm geistigen Auge vorüberziehen. Da erblicken wir zuerst Jischmael, den kranken, betenden Knaben. „Gott meines Vaters Abraham", so flehte er, „auf mannigfache Art tritt der Tod an den Menschen heran; wenn Du es in Deinem weisen Rathschlusie bestimmt hast, mich von hinnen zu nehmen, so bitte ich Dich Eines: lasse mich nicht im Durste verschmachten!" In der Nähe weilt die verzweifelnde Mutter, jammernd, daß das Wasser in dem Schlauche, den ihr Abraham mitgegeben, zu Ende gegangen. Muthlos steht sie da, unfähig ihrem kranken, unendlich geliebten Knaben nur ein Wort des Trostes sagen zu können, da erscheint ein Engel Gottes und ruft der Mutter zu: n TP n« „Stütze du deinen Sohn, ermuthige du ihn" und in der Wüste zeiget sich ein Quell zur Labung und Heilung des Kranken, pin rons n^vn Das Gebet des Knaben hatte Gott erhört. Ein weit erfreulicheres Bild erblicken wir in dem zweiten Vorgänge in der Wüste, den uns die heilige Schrift berichtet. Zwei hochbetagte Männer, der Eine um 3 Jahre älter wie der Andere, der Eine beinahe achtzig Jahre alt, der Andere schon im neunten Jahrzehnt des Lebens stehend; der Eine auf eine Reihe schwerer Kämpfe und mannigfacher Gefahren zurückblickend, der Andere gleichfalls ein viel bewegtes Dasein hinter sich habend, treffen sich in der Wüste, umarmen und küssen sich und feiern mit ganzem Herzen die Freude des Wiedersehens. 'V nw “prp 'O. „Möge deine Liebe zu mir stets so sein, wie die Liebe dieser Brüder zu

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