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Der Israelit · 1890-10-27 · Heft 84 (27.10.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 84 (27.10.1890)
Date
1890-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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einige Juden bedrängt und ich wendete mich umgehend an Se. königliche Hoheit, der strengen Befehl gab, jeden sofort zu bestrafen, der einen Juden irgendwie verfolgt. Sie thaten sehr gut daran, Sr. Excellenz Sir Henry Drummond-Wolff zu schreiben, der selbst für dergleichen Angelegenheiten ein großes Interesse bekundet. Se. Excellenz hat mich aufgefordert, ihm über einige Fälle von Bedrückungen der Juden ausführlichen Bericht zu erstatten. Heute kamen ungefähr ein Dutzend Juden zu mir und ich nahm ihnen das Versprechen ab, mir von jedem Falle einer schlechten Behandlung ihrer Glaubensgenossen unverzüglich Anzeige zu machen. Ich verbleibe, sehr geehrter Herr, mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung, Ihr ganz ergebener S. P. Aganoor. Amerika. Unser Glaubensgenosse Herr S. Amfelem ist zum amerikanischen Konsul in Mogador ernannt worden. -£• Vermischtes. < Halberstadt, 21. Oct. Am Sonntag, den 12. dss. Mts., fand in unserer altehrwnrdigen Gemeinde eine erhebende Feier statt, die wohl lange im Gedächtniß Aller bleiben wird, die sich daran betheiligten. Unser verehrtes Mitglied, Herr M. Löwenberg, Lehrer an der „Israelitischen Schule" Hierselbst, beging sein 25 jähriges Lehrerjubiläum. Während eines ganzen Menschenalters fast wirkt Herr Löwenberg ununterbrochen an derselben Anstalt zur Freude unserer Gemeinde und zum Segen seiner Zöglinge; kein Wunder daher, daß er sich während dieser langen Zeit die Liebe und die Achtung der jüdischen Gemeinde nicht bloß, sondern auch der gesammten Vürgerschast erworben hat. Das glänzendste Zeugniß sür die Beliebtheit, deren sich der Jubilar allerseits erfreut, legte die Feier ab, die am 12. dsS. Mts. hieselbst stattfand. Schon am Abend vorher wurde das Fest gelegentlich einer geselligen Zusammenkunft des Vereins „Gesellschaft der Freunde" durch eine ziindende Ansprache deS Herrn Meyer-Blankenburg an den Jubilar eingeleitet, die in den Herzeu aller Hörer den lebhaftesten Widerhall fand. Am eigentlichen Jubiläumstage erschienen schon in aller Frühe unzählige Schüler und Schülerinnen, um ihrem geliebten Lehrer die Glückwünsche zu überbringen. Zahlreiche Corporationen und Vereine mischten sich unter die Menge der ehemaligen und gegenwärtigen Schüler. Voran das Lehrercollegium, geführt vom Direktor der Anstalt, Herrn Rabb. Dr. Auerbach >"3, der in musterhafter Rede, anknüpfend an den Vers: D’3DD3 crmn 'p'NLvt y’pn "ino rrv die vielfachen Verdienste des Jubilars feierte. Später erschien der Vorstand des Vereins jnip» rnNE>n, in dem Herr L. seit einer Reihe von Jahren Vorträge hält, um ihm im Namen des Vereins zu danken und ihn zu beglückwünschen. Unter der großen Zahl von Deputationen ragten noch besonders hervor der Vorstand der Gemeinde, in deren Namen Herr Benjamin Hirsch eine Ansprache an den Jubilar Hielt, sowie eine Deputation der älteren und jüngeren Schüler, in deren Namen Herr Aron Hirsch ein kostbares Silberbesteck für 12 Personen als Geschenk überreichte. Während des ganzen Tages erschienen noch fast sämmtliche Mitglieder der Gemeinde, die ja zum großen Theile seine Schüler sind, sowie auch zahlreiche nichtjüdische Schüler, die au8 dem Institute der Herrn L. „für Einjährig- Freiwillige" hervorgegangen sind. Viele, die persönlich zu erscheinen verhindert waren, übermittelten ihm Glückwünsche in Form von Briefen und Telegrammen, die oft von sinnigen Geschenken begleitet waren. Möge es dem wackeren Jubilar vergönnt sein, noch viele, viele Jahre zur Freude der Gemeinde und zum Segen der Jugend an derselben Anstalt in echt jüdischem Sinne zu schaffen und zu wirken. M. P. Gofrith womelach. Novelle von Dr. Ossip Duchowetzky. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Der Direktor, ein schon älterer Herr, der die Sache, die ihn und seine Ehre ja nicht betraf, mit kühlerem Blute betrachtest konnte, trat zu dem jungen Manne hin und sagte: „Regen Sie sich deßhalb nicht auf; einen Schurken kann man nur mit kaltem Blute entlarven." „Aber was habe ich den Leuten gethan?" fragte Chajim, „weßhalb wollen sie meine Ehre befleckend" „Fragt der Bösewicht nach einem Grunde", entgegnete der Direktor. „Ist es dem Schurken nur darum zu thun, Ihre Ehre zu beflecken, so wollen wir ihm das gründlich verderben. Ich fürchte jedoch, daß er damit eher seine eigene Sünde verdecken und auf Ihre Schultern laden wollte." „Was meinen Sie damit", fragte Chajim den Direktor. „Ich meine," entgegnete dieser, „wir wollen froh sein, wenn nur dieser Betrag in der Kasse fehlt. Vielleicht hat der Schurke diese Summe geopfert, um den größeren Theil des Defizits zu retten. Vielleicht dachte er, wo man 15,000 Mark findet, da wird man auch den Rest suchen, und wenn das nicht der Fall ist, so wird man vermuthen, Sie hätten denselben in Sicherheit gebracht und kein Mensch wird einen Verdacht aus den wahren Thäter lenken." Chajim stimmte ihm schweigend zu. Er konnte kein Wort Hervorbringen, so entsetzte er sich über diese Schurkerei. Er hatte dem frömmelnden Cassirer nie ordentlich getraut; sür schlecht hatte er ihn jedoch nicht gehalten; und nun sollte er selbst an diese Schlechtigkeit glauben! Der Direktor verabredete nun mit Chajim, daß

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