Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-10-27 · Heft 84 (27.10.1890) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 84 (27.10.1890)
Date
1890-10-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448103--30947-2478723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1519 wo man es finde, so mag der Verkündiger dieses Satze gewiß sein, daß weder bei ihm noch bei seinen nächsten Freunden eine Ausnahme gemacht würde. Wir wollen nicht entscheiden, ob die ®cbaii!enIojtßs feit oder der böse Wille mehr Theil daran hat, wenn die Bekämpfer des Liberalismus sich in ihrem Kriege der Phraseologie der Anarchisten bedienen; aber wohin diese Methode mit der Zeit führen muß, das ist mit Händen zu greifen. Wenn man einmal anfängt, das Geld zu nehmen, wo man es findet, dann wird man es auch anderswo finden, als bei den Juden, und die Bekämpfer des Kapitals würden auf eine schreckliche Weise darüber belehrt werden, wie sehr sie selbst Kapitalisten und an der Erhaltung der bestehenden Rechtsordnung interessirt sind. Verwunderung allerdings muß es erregen, wie widerspruchsvoll der Schutz ist, der dieser Rechtsordnung zu Theil wird. Wenn im Gemeinderathe der Stadt Wien solche Reden ungerügt gehalten werden, dann ist nicht gut einzusehen, warum die Polizei so eifrig ist, die Arbeiterversammlungen aufzulösen, in denen dieselben Lehren ohne Beschränkung auf die Juden verbreitet werden. Wenn es Herrn Vetter freisteht, au die „Faust des hungernden Volkes" zu appelliren, dann verstehen wir die Ausnahmsgesetze gegen die anarchistischen Bestrebungen nicht, die auch nichts Anderes sind, als ein Appell an die Faust zur Heilung socialer Gebrechen. „Der Antisemitismus," sagte neulich der Abgeordnete Kronawctter, „ist der Socialismus des dummen Kerls von Wien." Damit hat es auch seine Richtigkeit. Es ist uns aber nicht bekannt, daß irgentwo in unseren Gesetzen für den dummen Kerl von Wien eine Ausnahme gemacht ist. Budapest. Die vor einigen Monaten verstorbene Frau Dianore Herzfelder geb. Baumgarten hat zu wohlthätigen Zwecken folgende Summen hinterlassen, und zwar: dem Pester isr. Spital fl. 2000, dem Pester isr. Mädchen-Waisenhaus, dem Knabenwaisenhause, der „Chewra Kadischa", dem kaufmännischen Spital, dem Altofner isr. Spital je fl. 1000, dem Pester isr. Schulfond fl. 800, dem Pester isr. Pensionsinstitut fl. 600, dem Pester isr. Frauenverein, dem isr. Handwerker-und Ackerbauverein, dem Pester isr. Armenfond, der Lovasber^nyer Knabenschule, den Lovasbersnyer Armen je fl. 500, dem isr. Rigorosantenfond fl. 400, dem „Rabbi Meisel"-Verein, dem Pensionsinstitut der ungarländischen Journalisten je fl. 300, dem „Talmud- Thora"-Verein, dem „Coucordia"-, dem „Zion"- und „Kronprinz Rudolf" - Verein, der Talmud- Chewra, dem Pester wohlthätigen Frauenverein, dem dortigen isr. Frauenverein je fl. 200, dem Pester Fröbel-Verein und dem „Fortuna"-Verein je fl. 100. Oedenbrrrg, (Ungarn.) Dieser Tage wurde dahier ein Verein gegründet, dessen Ausgabe es ist, das Thoraftudium zu fördern. Die Mitglieder haben sich verpflichtet allabendlich n-idj zu lernen. Auf Anregung unseres Rabbiners, Herrn M. G r ü n w a l d und auf das kräftige Zusammenwirken des Vorstandes und der Gemeinderepräsentanten hin wurde es ermöglicht, daß unsere Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge beginnen konnte. Das Gotteshaus soll auf frjnn nos seiner Bestimmung übergeben werden. Frankreich. Paris. Dr. Javal, ein bekannter jüdischer Arzt in Paris, hielt bei der jüngsten Sitzung der Academie de Medecine einen Vortrag über die Entvölkerung von Frankreich. In der hierauf folgenden Discussion führte Dr. L'Agneau den Nachweis, daß die Zunahme der Population bei den französischen Juden der besonderen Pflege, welche sie ihren Kindern zu Theil werden lassen, zuzuschreiben sei. Rußland. Odessa, 19. Oct. Der Londoner „Standard" bringt die höchst betrübende Nachricht von hier, daß über 200 jüdische Studenten zum Christenthum übergetreten sind, um ihre Studien an den Universitäten Charkow, Ciew und Odessa fortsetzen zu können". — Persien. Teheran. Sir Julian Goldsmid und Sir Albert Sassoon haben sich über Veranlassung der An^lo-dervisv-Assoeiation an den hiesigen britischen Residenten und an den britischen Agenten in Jspahan gewendet, um dieselben zu einer Jutervention im Interesse der persischen Juden zu veranlassen, die sich nicht überall im Lande einer freundlichen Behandlung erfreuen. Von beiden bekamen die Absender recht befriedigende Antworten und lassen wir hier das an Sir Albert Sassoon gerichtete Schreiben folgen. Dasselbe lautet: „Julfa, Jspahan, am 18. Juli 1890. Sehr geehrter Herr! Gestatten Sie mir vorerst, Ihnen meinen verbindlichen Dank zu sagen für Ihren freundlichen Brief vom 16. Mai d. I. Ich Haber immer das lebhafteste Mitgefühl für Ihre hiesigen Glaubensgenossen an den Tag gelegt und alles gethan, was in meinen Kräften stand, um eine Bedrückung derselben zu verhindern. In diesen meinen Gesinnungen will ich auch weiter beharren. Wenn immer ich von einem Falle der Verfolgung oder schlechten Behandlung erfahre, spreche ich nicht nur sofort mit Sr. königlichen Hoheit dem Prinzen Zil-us-Sultan, sondern ich berichte auch nötigenfalls darüber an Se. Excellenz Sir Henry Drummond-Wolff. Vor Kurzem wurden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.