Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 83 (23.10.1890)
- Date
- 1890-10-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1512 den auf dem Werk versammelten Arbeitern mit einem Hoch empfangen. Nachdem der Jubilar seitens der Vertreter der Firma beglücktwünscht und mit einer Ehrengabe bedacht war, wurde er, gefolgt von den Arbeitern, an die Festtafel geleitet, welche in einem großen, mit Blumen und Fahnen ansgeschmückten Werkstattsraum ausgestellt war. Dort übergaben ihm die Werkführer das Geschenk seiner Kameraden. Bei der Tafel ergriff zuerst Herr Benjamin Hirsch das Wort, um unter Hinweis auf die Entwickelung des Werkes darzuthun, wie sich besonders durch die Bestrebungen der letzten drei Kaiser Sie Lage der Arbeiter gebessert habe; das Wohlwollen unseres jetzt regierenden Kaisers für die Arbeiter beweise auch der Umstand, daß dem Jubilar in Anerkennung der Treue, mit der er 50 Jahre hindurch einer Firma gedient habe, das allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden sei. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, in welches alle Anwesenden begeistert einstimmten. Darauf brachte Herr Aron Hirsch ein Hoch auf Meister L ü t t g e aus, indem er ihm für die treuen Dienste dankte und sein unermüdliches Streben den Arbeitern zur Nacheiferung vorhielt. Der Jubilar dankte in bewegten Worten für die ihm erwiesenen Ehren und brachte auf die Arbeitgeber und deren Familien ein Hoch aus. Es folgten noch mehrere Tischreden, in denen die Verdienste der technischen Leiter und der Fleiß der Arbeiter, sowie die thätige Unterstützung durch die commerziellen Leiter in Halberstadt gefeiert wurden. Die Feier verlief glänzend und bewies jedem Theilnehmer, daß sich hier Arbeitgeber und Arbeitnehmer eins wissen in dem Bewußtsein, daß fleißige Arbeit und Gottvertrauen jedem Stand die beste Grundlage einer gedeihlichen Entwickelung des Lebens innerhalb der Familie und im weiteren Verkehr sind. Afrika. Capftadt im September. Der Besuch der hiesigen Synagoge am Rosch-Haschonoh war ein sehr befriedigender, und obwohl dieses Gotteshaus in der neuesten Zeit bedeutend erweitert worden ist, so waren doch dessen Räume an beiden Feiertagen überfüllte Als Baal Tefillah zu mrw fungirte Mr. Lyons, während der Rabbiner F. A. Ornstein die Mussafim vorbetete. Am ersten Feiertage hat Se. Ehrwürden auch die übliche Predigt abgehalten. > Vermischtes. < Kempen (Posen.) Wieder ist einer jener frommen, gotteSgelehrten Männer, die nur in der srühern Zeit heranreifen und sich entwickeln konnten, aus dem Leben geschieden. Rabbi Selig Lewi, ein altes, ehrwürdiges Mitglied der hiesigen Gemeinde hat am 8. Tischri seine edle Seele ausgehaucht. — Der Verblichene war der Sprößling großer Ahnen. Sein Vater Rabbi Simon, Rabbiner in Rogasen und Fordon, sowie sein Großvater Rabbi Josua Feiblmann, Rabbiner in Samter, zählten zu den talmildischen Autoritäten. Sein Großvater mütterlicherseits war der berühmte Rabbi Akiba Eger. Er war aber nicht nur umstrahlt von dem Ruhme seiner gelehrten und gottesfürchtigen Ahnen, sondern strahlte auch im eigenen Lichte. Ein Schüler seines gefeierten Großvaters Rabbi Akiba Eger, drang er schon in seiner Jugend in den Geist des Talmuds ein, und das Studium des Gotteswortes bildete die Hauptbeschäftigung seines ganzen Lebens. Was ihn bewog, sich diesem heiligen Studium hinzugeben, war reine Liebe zum Gattesworte. Gesegnet mit irdischen Glücksgütern, lebte er als Privatmann und wollte von seiner Gottesgelehrsamkeit gar keinen Vortheil ziehen. Seine Gelehrsamkeit wurde aber von seiner Gottesfurcht und Frömmigkeit noch übertrofsen. Ganz erfüllt vom religiösen Gedanken, übte er die göttlichen Gebote mit seltener Gewissenhaftigkeit und inniger Liebe. Wie die Liebe zu Gott, so bewährte er auch die Menschenliebe in praktischer Thar. Er übte Mildthätigkeit in ausgedehntem Maaße. Ein ganz besonderes Interesse legte er für die Armen des h. Landes an den Tag. Er leitete in hiesiger Gegend die Sammlungen zu Gunsten unserer in Palästina nothleidenden Brüder, spendete selbst reichlich und gründete zum Andenken seines Namens wohlthätige Stiftungen für Gottesgelehrte in Jerusalem. So vereinigte Rabbi Selig Lewi in sich nTO>/ HDTi, und DHDP1 jene drei Tugenden, die nach dem Ausspruche unserer Weisen die drei Grundpfeiler bilden, ans denen der Bestand der sittiichen Weltordttung beruht. Bei der Beerdigung, die am 3"? 3~iy in beit Morgenstunden unter Betheiligung fast der ganzen Gemeinde stattfand, hielt der hiesige Rabbiner Herr Dr. L. Münz als an der Bahre eines Gottesgelehrten, eines rjD1? DDn, eine, wenn auch nur kurze, Trauerrede und rühmte die bezeichneten drei Tugenden dem Verblichenen nach, mit dem Bemerken, daß der Heimgegangene iu seiner letztwilligen Verfügung es sich verbeten habe, daß ihm nach seinem Ableben ein Lob gespendet werde, das ihm vielleicht nicht zukommen dürfte, daß aber die nachgerühmten drei Tugenden ein unbestreitbares Besitzthum des Verblichenen bildeten und mit diesem Lobe nur etwas ausgesprochen werde, was als Thatsache über jeden Zweifel erhaben ist. Auch der Nesse des Verblichenen, Herr Dr. Friedmann, Rabbiner in Lnblowitz (Schlesien), sprach an der Bahre tiefempfundene Worte. Von den hinterlassenen Schriften seines Vaters übergab Rabbi Selig Lewi einen Theil, Novellen über einige Tractate des Talmuds, unter dem Titel liyattf "IM der Oefsentlichkeit und versah das Werk mit einer schön geschriebenen hebräischen Vorrede. Rabbi Selig Lewi hat das hohe Alter von 86 Jahren erreicht. In den letzten Jahren seines Lebens war er seines Augenlichtes beraubt. Darüber war er um so mehr betrübt, als er dadurch, wenn auch nicht ganz, so doch zum großen Theile an der Beschäftigung mit dem Gottesworte gehindert wurde. — Der Dahingeschiedene, der vor mehr als einem Jahrzehnt mit seiner wahrhaft frommen, aus der hochachtbaren Familie Henschel stammenden Gattin die goldene Hochzeit feierte, hinterließ keine Kinder; doch die guten Werke, die er gestiftet, die ja nach dem Ausspruche unserer Weisen die eigentlichen Sprößlinge der Tugendhaften bilden, werden seinen Namen erhalten und sein Andenken aus die Nachwelt sortpflanzen pns T. M.