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Der Israelit · 1890-10-23 · Heft 83 (23.10.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 83 (23.10.1890)
Date
1890-10-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1506 kläruug abgegeben, daß er bereits vor 15 Jahren dem Angeklagten die Approbation zum Schächten ertheilt habe, ferner, daß weder er selbst als Rabbiner der autonomen, ebenso, wie die Reformgemeinde, mit den Rechten einer Synagogengemeinde versehenen altisraelitischen Gemeinde, noch auch Herr Dr. S. irgend einer kirchlichen Oberaufsicht unterworfen sei, wurde auf sofortigen Antrag des Herrn Amtsanwalts selbst, nach kurzer Berathung, der Angeklagte sreigesprochen. Bemerkenswerth scheint noch, daß die Richter ein Lächeln nicht unterdrücken konnten, als der Angeklagte seine Verwunderung darüber aussprach, daß Herr Dr. Silberstein gerade den Fall in Biebrich zur Anzeige gebracht habe, da ja dessen eigene Gemeinde in Wiesbaden selbst fast ausnahmslos nicht durch die ihm, sondern durch die dem Hrn. Dr. Kahn unterstellten Schächter ihren Fleichbedarf decke. Karlsruhe. Der „N. Fr. Pr." wird aus dem Großherzogthum Baden geschrieben: Vor einigen Tagen hielt Herr Stö cker aus Berlin in Karlsruhe und in anderen Orten unseres Landes öffentliche Vorträge. Da hat man sich über das äußerst vorsichtige Auftreten dieses Mannes, dem das Hetzen zur anderen Natur geworden ist, nicht wenig verwundert. Die Specialität Stöcker's, nämlich die Antisemiten-Frage, wurde kaum gestreift, so daß die badischen Veranstalter der Stöcker'schen Wanderpredigten eingestandenermaßen sehr enttäuscht waren. Die Ursache dieser schlauen Leisetreterei ist jetzt ganz genau bekannt. Der Großherzog hat nämlich, nachdem ihm von der bevorstehenden badischen Tournee Stöcker's Kenntniß gegeben worden war, Veranlassung genommen, sich über die Agitation desselben in einer Weise auszusprechen, über deren Schärfe man angesichts des leutseligen Characters dieses Fürsten geradezu erstaunt sein mußte. Der Großherzog hat mehrmals wiederholt, daß er Frieden haben wolle in seinem Lande, und daß mit den bestehenden Gesetzen gegen alle Hetzreden, kämen dieselben von welcher Seite sie wollen, einzuschreiten sei. Es hatten demgemäß die überwachenden Beamten den Befehl, die Versammlungen aufzulüsen, sobald Stöcker in sein Lieblingsthema verfalle. Das nahm sich der Hofprediger zu Herzen, und nur Einmal machte er, aus der Rolle fallend, einen verfehlten antisemitischen Seitenhieb. Ratibor, 18. Oktober. Am 15. October beging der Herzog von Ratibor unter Theilnahme weitester Kreise sein fünfzigjährigesHerzogsjubiläum. Auch die hiesige israelitische Gemeinde glaubte, ihrer vaterländischen Gesinnung folgend und von Dankbarkeit gegen den allezeit humanen Herzog erfüllt, ihre Empfindungen in einer Glückwunsch-Adresse niederlegen zu sollen. Die Deputation der Gemeinde bestand aus Herrn Rabbiner Dr. Blumenthal, Vorsteher Bartenstein und Repräsentant Vicefeldwebel Cohn. Die in einem Breslauer Kunsiatelier verfertigte Adresse ruht auf seidenem Kissen in einer Mappe aus blauem Sammt mit goldener Verzierung; an den Ecken ist das Wappen des Herzogs in Gold ausgesührt. Die Adresse, deren Widmungsblatt prächtig ausgestattet ist, hat folgenden Wortlaut: Durlauchtigster Herr Herzog! Gnädigster Fürst und Herr! Weite Kreise der Provinz und des Vaterlandes rüsten sich in freudigem Wetteifer zu dem Tage, da Ew. Durchlaucht vor einem halben Jahrhundert mit der Herzogskrone sind geschmückt worden, Hochdemselben Huldigung und Glückwunsch darzubringen. Gilt doch der Jubelruf nicht allein dem fürstlichen Sproß erlauchter Ahnen und dem von allen Bevölkerungsklassen Seines Kreises innig verehrten Mann, gilt er doch auch dem erhabenen Paladin Sr. Majestät und der treuen Stütze des Kaiserthrones, dem Helfer der Wahrheit, dem Hüter des Rechtes und dem Vater der Armen! Nicht in der letzten Reihe der Glückwünschenden wagt es die israelitische Gemeinde der Stadt Ratibor, zu diesem gemeinsamen Ehrentage den Gefühlen ihrer Anhänglichkeit Worte zu leihen. Die israelitische Gemeinde hat jederzeit, gleich den anderen Mitbürgern, an allen frohsinnigen und schmerzlichen Geschicken, welche das Herzogliche Hans betroffen, innigen Antheil genommen, und so ist es ihr an diesem bedeutungsschweren Tage Stolz und Vedürfniß, mit dem unterthänigsten Ausdrucke ihrer ungetheilten, wahrhaft treuherzigen Empfindungen zu nahen. Möge der Allmächtige Gott Ew. Durchlaucht die Gnade verleihen, an einem glückumflossenen Lebensabend in unwandelbarem Wohlergehen die gestreuten Friedenssaaten eines ruhmvollen Erdenwallens zu herrlicher Ernte reifen zu sehen, mögen Hochdero heilig theueren Familienbande auch fürder alle Glieder in unversiegbarer Liebe unauflöslich zu einander ketten, geweiht und gesegnet von Geschlecht zu Geschlecht, und möge uns gegönnt sein, in Ew. Durchlaucht noch lange, lange Jahre die Krone des Herzoglichen Hauses, den Rathgeber des Vaterlands und den Beschützer der Gebeugten verehren zu dürfen. In ehrfurchtsvoller Ergebenheit harren Ew. Durchlaucht gehorsamste Vorstand, Repräsentanten-Kollegium und Rabbinat der Synagogen-Gemeinde Ratibor. Louis Bar teuft ein. Stadtrath Tarlau. Dr. Blumenthal. Die Deputation wurde Donnerstag Vormittag 10 Uhr im grünen Saal auf Schloß Randen von Sr. Durchlaucht dem Herzog und Ihrer Durchlaucht

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