Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-10-23 · Heft 83 (23.10.1890) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 83 (23.10.1890)
Date
1890-10-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448102--30929-2478704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1502 sah nach und fand eine große Anzahl russischer Rubelscheine in dem Couvert, die einen Werth von 15,000 Mark repräsentirtcn. Chajim war starr vor Schreck. Wie kam dieses Geld in sein Schreibpult? Wer hatte außer ihm einen Schlüssel zu diesem Pulte? Da klopfte es an die Thüre des Comptoirs. Chajim ruft „herein" und ein Commis tritt ein und geht, unter dem Vorwände, etwas vergessen zu haben, in ein anderes Zimmer. Beim Vorübergehen sieht er das Geld liegen und entfernt sich, nachdem er nicht gefunden, was er gesucht hatte. Als der junge Mann das Zimmer verlassen hatte, überkommt es Chajim siedend heiß. Welche Nichtswürdigkeit hatte man mit ihm vor? Großer Gott — wollte man ihn zum Dieb — Nasch eilt er an's Telephon, welches die Wohnung des Directors mit dem Bureau verbindet. Er drückt ans den Knopf und weckt, weckt fortwährend. Endlich tönt ihm aus dem Telephon entgegen: „Director Ritter hier, was gibt's? Wer da?" „Kommen Sie sofort auf's Bureau, es ist etwas Schreckliches geschehen", ruft Chajim mit heißerer Stimme, und „ich komme schon", tönt es zurück. Die Minuten, welche vergingen, bis der Director kam, wurden dem jungen Manne zur Ewigkeit. Endlich trat der Director Ritter ein und war erstaunt, als er Chajim allein und in solcher Aufregung vorfand. „Nun, was ist denn los?" fragte er mit freundlicher Miene. „Sehen Sie, Herr Director, was ich in meinem Pult gefunden habe," begann Chajim, indem er dem Director das Couvert mit den Scheinen zeigte. „Ich habe das Geld nicht dahineingethan und kann mir nicht erklären, wieso es dahin kommt, da außer mir doch Niemand einen Schlüssel zu meinem Pulte hat. Zu welchem Schurkenstreich bin ich als Opfer ausersehen?" Er ging mit lebhaften Schritten im Zimmer auf und ab, während der Director die Scheine zählte und sie mit dem Couvert in seine Tasche steckte. Dann wandte er sich zu Chajim und sprach: „Ja, man wollte Sie zum Opfer einer Schurkerei machen, aber Gott hat Sie beschützt." Darauf griff er in die Tasche und zog einen Brief hervor, hielt Chajim diesen hin und sprach: „Lesen Sie!" Chajim las: „Ein guter Freund gibt Ihnen den Rath, morgen Kassenrevision zu halten, da Sie sonst üble Erfahrungen machen könnten." Die beiden Männer standen sprachlos einander gegenüber. Beide durchschauten die Niederträchtigkeit eines abgefeimten Schurken. Aber wer war dieser Schurke? „Kennen Sie diese Handschrift?" unterbrach der Director endlich das Schweigen. „Nein," entgegnete Chajim, „die Handschrift ist mir unbekannt." „Die Handschrift ist verstellt," fuhr der Director fort, „jedoch nicht so geschickt und vorsichtig, daß man den Schreiber nicht erkennen könnte. Sehen Sie einmal dieses K, dieses S, haben Sie diese Buchstaben in dieser Form noch nicht gesehen?" „Ja, ja," entgegnete Chajim, „großer Gott ist es möglich?" Er eilte an ein Fach, holte ein Papier heraus und verglich die Buchstaben der Unterschrift mit denen, die der Director genannt und bezeichnet hatte. Es waren dieselben Züge. Der Director sah dem bleichen, jungen Manne in's Gesicht und sprach: „Nun, habe ich Recht, ist er es? Schickler?" „Ja", erwiederte Chajim und sank wie gebrochen auf einen Stuhl. (Fortsetzung folgt.) „Jiraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedeSmal in mindestens S Bsgen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel M bestehen bet E. F. Kleinacker, Leipstg, Koßplutz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einznsend«. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Der Geschlchtsgang Israels. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Wiesbaden. München.— Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England : London. — Feuilleton: Gofrith momelach. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Wichtigkeit des jüd. Religionsunterrichts und der Schaden, welcher aus der Vernachlässigung desselben erwächst. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Wiesbaden. Karlsruhe. Ratibor. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Budapest. — Rumänien: Bukarest. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Wiesbaden. Jlsenburg a. Harz. — Afrika: Capstadt. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.