Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 83 (23.10.1890)
- Date
- 1890-10-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1499 Eine solche Doppelklage haben auch wir zu erheben. Auch uns ist ein moj p’"is, ein vollkommener, kein halber, einseitiger Frommer entrissen worden. Er war D'QLP 31D nmnp 2iDi gut vor Gott, gut zu dessen Geschöpfen. Er hat seine himmlischen und irdischen Pflichten, Pflichten gegen Gott und die gegen seinen Nebenmenschen in gleich vollkommener Weise geübt. Im Dienste seines Gottes können wir von ihm sagen: nrp DJ nPi, da war seine Frische nicht geschwunden bis ins höchste Alter. Jugendfrisch und kräftig, den größten Anstrengungen gewachsen fühlte er sich, wenn es galt eine niHD zu thun l Staunenswerth und bewunderungswürdig war seine Ueberwindungskraft und Standhaftigkeit, wenn es galt, den Willen seines Vaters im Himmel auszuüben. Ich weiß es, daß es ihm schwer ankam und große Ueberwindung kostete, dennoch war er, Winter wie Sommer, einer der Ersten im Gotteshause und versäumte niemals ohne Grund die TDJD nP^n. Wehmuth und Rührung erfüllen mein Herz, die Thränen treten mir in die Augen, wenn ich an die letzte Unterredung mit ihm — zwei Tage vor seinem Tode — denke. Damals als er bereits mit dem Tode rang, mußte ich ihn erst bitten, daß er seinem geschwächten Körper die Anstrengung des Fastens nicht zumuthe. — So groß wie seine Hingabe zur mny, so groß war seine Liebe zur mm! Unvergeßlich wird es uns und allen Theilnehmern bleiben, wie er s. Z., als wir unsere gemeinsamen D’myT begannen, seine eigenen Wohnräume uns zur Verfügung stellte, so daß er nicht Herr in seinem eigenen Hause war; wie er kaum Zeit hatte, nach des Tages Last und Mühe die Mahlzeit zu sich zu nehmen, und trotz der Ermüdung, die ihn beschlich, mit jugendlichem Eifer und gespannter Aufmerksamkeit am Lernen sich betheiligte. Damals erkannte ich, daß er mit Recht den.Beinamen mx führte. Er hat das Wort der Weisen ni&yyp ’IND "inj TI 'iji "pN pL"i, „sei stark wie der Löwe, um den Willen deines Vaters im Himmel auszuführen", zur Wahrheit gemacht. Löwengleich war seine Ueberwindungskraft in der Ausübung der göttlichen Gebote und mit Recht haben wir zu klagen: pdlN p N'Oki “DN pia DWi, was die himmlischen Pflichten anbelangt, so ist ein wahrer Frommer von der Erde geschieden. Unvergleichlich war unser edler Freund in der Ausübung seiner Menschenpflichten, der ri’jrD d“in ptp mso, der Pflichten, die der Mensch dem Menschen schuldet. Da gilt von ihm das Wort der Schrift U'y nnrD s‘P, „sein Auge war niemals getrübt", es blickte nie scheel, mißgünstig und unfreundlich auf seine Mitmenschen; er war ein py 2iü im doppelten Sinne des Wortes; er war freundlich und wohlthätig in gleich bewunderungswürdiger Weise. Unerschöpflich war der Schatz an Güte und Wohlthätigkeitssinn, den sein edles Herz barg. Cs warihm eine Herzensfreude von dem Segen, den ihm Gott verliehen, Anderen mittheilen zn können, und er unterließ es selten, demjenigen zu danken, der ihn zu einem Wohlthätigkeitsacte anregte. Es ist nicht genügend bekannt, wie ausgebreitet seine Wohlthätigkeit war. Weit über das Weichbild unserer Stadt, über die Grenzen unseres Landes hinaus erstreckten sich seine Wohlthaten. Da gab es keine Anstalt zur Förderung des Thorastudiums, zur Ausbildung von Rabbinen und Lehrern in Deutschland, Ungarn und Rußland, die er nicht mit einem namhaften, jährlichen Betrag bedacht hätte. Dabei hat er noch viele n"n im Geheimen unterstützt. O, sie werden es schmerzlich empfinden, die Armen in und außer dem Lande, namentlich die Armen im h. Lande. i'BDBrai ntpy 'n np7ü HDD pam Dy. Die Irdischen klagen: „Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit hat er geübt nach Gottesgebot." Er hat seine Lebensaufgabe getreulich ausgeführt, seine Pflicht gegen Gott und Menschen gethan. Nur eine Pflicht hat er geringschätzig behandelt — die Pflicht gegen sich selbst. Sich selbst schonte er nicht, sich muthete er zu viel zu nach Art der edlen, selbstlosen Naturen, die strenge gegen sich und milde gegen Andere sind. Ter Mann, der freudigen Herzens große Summen für wohlthätige Zwecke spendete, war für sich ohne Bedürfnisse, anspruchslos bis aus's Aeutzerste. DSJT nttny pHä nNT. Wenn ein solch' frommer, edler, guter Mensch aus einem Kreise scheidet, so kann sein Fortgang nicht spurlos vorübergehen; der Verlust ist zu groß, er macht sich fühlbar bei den Zurückgebliebenen, das empfinden wir nur zu lebhaft. Die Wirkung eines solchen Verlustes, meine theueren Freunde, kann jedoch eine verschiedenartige, entgegengesetzte sein. Der Verlust kann entmuthigend und verwirrend, zersetzend und auflösend wirken, wenn die Zurückgebliebenen an ihre eigene Kraft verzweifeln, wenn Niemand da ist, die Fahne aufzuheben, die den Händen des sterbenden Führers entfallen; wenn sie sich entmuthigt fühlen und die gemeinsame Sache im Stiche lasten. Wäre das bei uns der Fall, dann wäre uns der theure Freund doppelt und. dreifach gestorben und wir hätten mit Recht zu klagen 27 Py W’N pw “DN pnsn, „der Fromme ist dahingegangen und es ist kein Mann da, der sich die gemeinsame Sache zu Herzen nimmt." Das traurige Ereigniß kann jedoch von wohlthätigen Folgen begleitet sein, wenn die Zurückgebliebenen, aufgeschreckt durch den Verlust, den sie erlitten, sich ermannen und aufraffen, ihre Anstrengnngen verdoppeln, ihre Kräfte anspannen und ihre Reihen enger schließen, um die große Lücke wenigstens einigermaßen ausznfüllen, die der Tod in ihren Reihen geristen. Wenn die Zurückgebliebenen an dem Beispiele des Edlen sich aufrichten und ermuthigen und das gemeinsam begonnene Werk mit größerem Eifer fortsetzen, dann wirkt der Tod des Frommen versöhnend und erhebend. Lasset uns hoffen, meine theueren Freunde, daß bei uns das Letztere der Fall sein wird, daß das Beispiel opferwilligen Muthes, das unser verstorbener Führer gegeben, alle Mitglieder unserer Vereinigung durchdringen und beseelen wird, um dasjenige Ziel zu erreichen, welches wir unter der Leitung des Dahingeschiedenen angestrebt haben. (Hier verbreitete sich der Redner über die lokale Angelegenheit des geplanten Shnagogenbaues und fuhr dann weiter fort): Lasset uns, meine theueren Freunde, nochmals der Zuversicht Ausdruck geben, daß nur nisny pHS nxT sich in günstigem Sinne an uns bewahrheiten werde. Möge Jeder von uns nicht nur seine Pflicht — denn das geschieht ja ohnedies — sondern über seine Pflicht hinaus, dem gemeinsamen Werke seine Kräfte weihen und unter Gottes gütigem Beistände wird es gelingen, U’ppN n*3 n.v ODn?i P“UP, groß und herrlich unser Gotteshaus zu gestalten. Es wäre das würdigste Denkmal, das wir dem Edlen errichten könnten und statt daß wir jetzt, den beschränkten Raumverhältnissen entsprechend, nur ein 3py TIN haben, möge ein N'2 2py erstehen, das noch späteren Geschlechtern als ein Zeugniß des idealen Sinnes unserer Mitglieder gelten wird; als ein Zeugniß 3py nn Tim, daß der Geist Jacobs, der Geist der Freigebigkeit und llpserwilligkeit unseres verstorbenen Freundes in unserer Mitte noch sortlebt. Das ist auch der einzige Trost, mit dem wir von den Manen des Verstorbenen Abschied nehmen. An Euch, seine Kinder, ergeht mein Ruf: lyc^l I82p7> apy 'ja, „sammelt Euch, haltet treu und fest zusammen Söhne Jacobs; höret was das Vermächtnitz Eures Vaters, was sein Vorbild und Beispiel Euch auferlegen. Ihr habet einen großen Verlust erlitten, Ihr habet einen edlen, gütigen und zärtlichen Vater verloren. Nicht mehr werdet Ihr sein seelenvolles Auge erblicken, nicht mehr werdet Ihr seine gütige zu Herzen gehende Stimme vernehmen, nicht mehr wird er segnend die Hände auf Euer Haupt, aus das Haupt