Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 83 (23.10.1890)
- Date
- 1890-10-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1497 großen Geschichtsepoche Israels ist eine höchst traurige. Schon lange vor dem Untergange des jü« dischen Staates waren dessen Grundsäulen erschüttert, die Heiligkeit des Tempels lange vor der Zerstörung geschwunden und Israel lange vor seiner Zerstreuung nach allen Weltgegenden seinem heimatlichen Boden, seinem Lebenselemente, seinem Glauben und seinem Gotte entfremdet. Die Zerstörung des Tempels und die Zerstreuung Israels war nur der Schlußakt eines tieferschütternden Dramas, dessen Motive weit, weit in der Vergangenheit zu suchen sind. Und dasselbe Israel, welches im Glücke seines Gottes vergessen, kam im Exile zur Besinnung und zur Einsicht, daß sein Heil nur auf dem Boden der Gottestreue erblühen kann, schöpfte aus den gemachten traurigen Erfahrungen innige Glaubensstärke, erfüllte sein Herz mit einer unerschütterlichen Hingebung an Gott und Sein Gesetz und legte durch freudiges Märtyrerthum zur Heiligung des göttlichen Namens das glänzendste Zengniß seiner tiefen Religiösität und seiner idealen Größe ab. m ■;□& apy»: „Ich werde deinen Namen groß werden lassen". Damit ist jene finstere und zugleich lichtvolle Periode in der Geschichte Israels bezeichnet, da dieses trotz des Druckes, den es zu erdulden hatte und trotz der Verfolgungen, denen es ausgesetzt war, sich groß zeigte, gleich dem Patriarchen Jakob, der von allen Seiten Widerwärtigkeiten preisgegeben, dennoch am Glauben nicht irre geworden, sondern in demselben immer mehr erstarkte. Die drei kleineren Perioden in der ersten, großen Geschichtsepoche Israels entsprechen dem Leben der drei Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob in ihrer natürlichen Reihenfolge. Den letzten Ring an der Kette der Ereignisse der ersten großen Phase in der Geschichte Israels bildet Jakob. Ein höchst trauriger Abschluß! Dieser Abschluß konnte im göttlichen Plane unmöglich ein endgiltiger sein, konnte unmöglich das verheißungsvolle: -wx ptn sein. Jakob sollte nicht den Schlußstein in der Geschichte Israels bilden, sondern blos einen bedeutungsvollen Wendepunkt. Jakob war das Samenkorn, welches in den^Boden gesenkt wohl in Verwesung übergeht, das aber ein neues Leben und Wachsthum in sich birgt. Jakob ist das Ende und zugleich der Anfang der Geschichtsperioden Israels, Ende der ersten und Anfang der zweiten großen Periode, die, mit der Zerstreuung Israels beginnend, ihren endgiltigen Abschluß erst in der fernen Zukunft findet, da das Israel- und Weltideal zur Verwirklichung gelangt sein wird. Diese zweite Periode der Geschichte Israels zerfällt gleichfalls in drei kleinere Abtheilungen und diese entsprechen wiederum dem Leben der drei Patriarchen, jedoch in umgekehrter Reihenfolge, beginnend mit Jakob und schließend mit Abraham. Die erste Abtheilung in der zweiten Geschichtsperiode Israels beginnt mit der Zerstreuung und dauert das ganze Mittelalter hindurch bis tief in die Neuzeit hinein. Diese Abtheilung ist finster und traurig, wie die Lebensschicksale Jakob's. Zweck dieser finstern Zeit war die Läuterung Israels. In der Noth und im Elende sollte es der Göttlichkeit seines Glaubens tnne werden. Und wenn die Prüfung mit gutem Erfolge abgelegt sein wird, sollte es den Lohn erhalten im Aufgehen des Morgenrothes einer bessern Zeit. Die zweite Abtheilung in der zweiten Geschichtsperiode Israels liegt in der nicht fernen Vergangenheit, da es begann hell zu werden in den Gemüthern, die Nebel der Vorurtheile sich lichteten und Israel der Menschenrechte theilhaftig wurde, die ihm so lange vorenthalten wurden — und dauert noch an. Diese zweite Geschichtsphase gleicht dem Leben Jsaak's. Wie Isaak von den Pelischtern beneidet wurde und diese in ihrem Neide riefen: uöj;d, so ergeht es auch dem heutigen Israel und wie dort die niedrige Hetze nur vom niedrigen, auf tiefer Stufe der Gesittung stehenden Plebs in Szene gesetzt wurde, der König und sein Hof jedoch, der allenfalls durch sein ruhiges Verhalten und Gewährenlassen der Hetze dieser Vorschub leistete, den Isaak aufsucht und um dessen Freundschaft anhält, so findet auch in unserer Zeit der Antisemitismus nur in verrohten und entsittlichten Gemüthern dauernde Stätte, während die leitenden Kreise und die Intelligenten unter dem Volke nicht verkennen, daß Israel für den Aufschwung der Staaten von hoher Bedeutung ist. Wird Israel auch die Periode des Glückes überdauert haben, seine Betheiligung am Fortschritte der Völker keinen Rückschritt auf dem Gebiete der Religion zur Folge haben, wenn Israel nicht den Fortschritt in das Judenthum, sondern das Judenthum in den Fortschritt hineinzutragen sich bestreben wird, dann wird der Neid der Völker gegen Israel schwinden, dann werden die Völker des ganzen Erdenrunds voller Ehrfurcht auf Israel blicken, das die zwei harten Proben des Glücks und des Unglücks glänzend bestanden, und von der Göttlichkeit des jüdischen Glaubens dadurch überzeugt werden, dann beginnt die dritte Periode in der zweiten Geschichtsepoche Israels, da Israel von aller Welt geachtet, Abraham gleich als: wm rrpbs unter den Völkern dastehen wird: wr bra» □na nbi fomn -p nana 'vn ^"n ]toaa yonin. „Damit man ja nicht glaube, Isaak und Jakob bilden den Schluß der jüdischen Geschichte, dieser daher ein trauriger sein werde, deßhalb wird hin-