Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 83 (23.10.1890)
- Date
- 1890-10-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1496 sich selbst überlassen, zum völligen Bruche mit der Denkrichtung seines Vaterhauses und seines Heimathlandes sich nicht aufraffen. Der Mensch ist eine tief conservative Natur, er bleibt häufig selbst dem mit Mängeln behafteten Alten treu, um nur nicht in neue Verhältniffe sich fügen zu müssen. Daher die Aufforderung Gottes: ,pV -H", gehe deinen Weg, wandle auf dem von dir selbst bereits erkannten Pfad der Wahrheit und sage dich los von deiner alten Denkweise. Dieses Lossagen sei jedoch kein plötzliches, sondern ein allmähliches. Das rasche Brechen mit einem System und ein eben so rasches Ergreifen einer entgegengesetzten Methode wird selten dauerndes Gute zur Reife bringen. Sage dich zuerst los von den Ansichten und Ideen deines Heimathlandes, das deinem Herzen minder schwer fallen wird, und wenn dir das gelungen, dann versuche zu brechen mit den Jrrthümern deiner Vaterstadt, die dir mehr zur Natur geworden, als die deines Landes und ist auch dieser Scheidungsprozeß gut verlaufen, nun dann schreite muthig zur schwierigsten Operation, entsage allen Gedanken, Ideen und Prinzipien, die du in dem Hause deiner Eltern gleichsam mit der Muttermilch in dich ausgenommen und einen Theil deines Wesens bilden. Ist aber mit dem Befehle: ,,“jV das Preisgeben des heimathlichen Geistes beabsichtigt, so müs. sen dementsprechend die Worte: *]*n« ikw p«n V« neben ihrer gewöhnlichen Bedeutung zugleich das ferne Ziel, welches durch die Auswanderung Abraham's erreicht werden sollte, andeuten. Zu dem Satze: ‘pp pmn D\ma i'ivw mV bemerkt der Midrasch: id’dV’Gib« bv rmiVsV non ama« '*n noV pa ►fiü nm '*n «Vi mina nmiDi ,Vt,s yds nspio ppu nrm '*n 'vw. „Abraham glich einem Gefäße mit Balsam, so lange man ein solches nicht in Bewegung setzt, so entströmen ihm keine Düfte, bewegt indeß, spendet es Wohlgerüche aus." Ein anderer Ausspruch des Midrasch lautet: m map uV mnx D^iyn *«a Vs n« nnw ama«. „Abraham sollte die durch viele Religionssysteme getheilte Menschheit in der Erkenntniß des Einzig-Einzigen zur ungetheilten Einheit verbinden." Dieses Ideal des Judenthums wird in den Worten „‘jtns *w« p«n V«" angedeutet, dessen Verwirklichung erst nach finstern Epochen in der Geschichte Israels, aus welchen dieses geläutert hervorgehen und nach glücklichen und nur theilweise von finstern Schatten verdüsterten Phasen des Lebens Israels, in welchen dieses die Treue und die Liebe zu seinem Gotte bewährt — erfolgen wird. Tiefsinnig bemerkt deßhalb der Midrasch zum folgenden Satze: anaiNitr m Vnj ’uV dVyini ,pnsr ’piV« anai«» m ■p-D«i ,ama« »piVN YoVn iVisa pamn n,y V:d’ apy ’P’Vn anawv nr "jov □na nVi pamn *p nsia '»m naiV. Die Geschichte Israels zerfällt in zwei große Perioden, deren jede wieder drei kleinere Zeitabschnitte zählt. Die erste große Periode beginnt mit dem Auszuge aus Mizrajim und schließt mit der Zerstörung des heiligen Tempels und dem Untergange des jüdischen Reichs. Die geschichtliche Stellung Israels in der ersten Zeit seiner ersten großen Periode entspricht der Stellung Abrahams seinen Zeitgenossen gegenüber. Von Abraham bemerkt der Midrasch: aViyn mm« '»n □rrty’ ama« nnn p’yn »di nj’sp ’bjs nnn KiaVo p-js mraa Yyn *a ydnjb'. „In der Morgenzeit des Menschengeschlechtes waren die Völker des Heidenthums zu schlaftrunken, um unter die Flügel Gottes zu gelangen, und wer weckte diese Träumer? Abraham." Ferner: p« dm mai«i nmut nmn npis tun ntpy’ff 'v i'« »m« rwiy ama«. „Die Tugend wehklagte und rief: „wäre nicht Abraham da, der mich übt, es wäre Niemand, der mich übt." Wie das Bild Abrahams auf der Höhe des Alterthums groß und unvergänglich dasteht, wie er in den dichten Nebel der heidnischen Welt „Licht" gerufen, wie er als ein glänzender Meister der Tugend sich zeigte, während die heidnische Welt in erschlaffende Sinnlichkeit versunken war, so war auch Israel bei seinem ersten geschichtlichen Auftreten unter allen Völkern des Alterthums der einzige Träger der reinen, auf dem Berge Sinai geoffenbarten Gottesidee, das einzige Volk, welches die engen Schranken seines Volksthums verlassend, die Verwirklichung des Weltenideals sich zum Ziele nahm, das einzige Volk, welches inmitten einer physisch und psychisch entarteten Welt Sittenreinheit als Grundlage aller Religion verkündete, anm«» m bi*u yiV iwyw □ms« yiV«: „Ich werde dich machen zu einem großen Volke", dies deutet auf jene Epoche in der Geschichte Israels, da Israel unter den Völkern eben so groß dastand, wie Abraham unter seinen Zeitgenossen. Die zweite, kleinere Epoche in der ersten, großen Geschichtsperiode Israels beginnt mit dem Propheten Samuel und währt bis zum Tode Salömo's. Es ist dies das goldene Zeitalter des jüdischen Staates. Israel hatte den Gipfelpunkt seiner weltlichen Macht erreicht, die Nachbarnationen waren gedemüthigt und unterworfen. Die Urbewohner Palästina'» blickten mit Scheelsucht und Neid auf das im raschen Fluge mächtig gewordene Israel: pna» -pH« anm«* n, ‘p-oKi. „Ich werde dich segnen". Dies weist hin auf jene Geschichtsphase Israels, da dessen weltgeschichtliche Stellung, der Stellung Isaaks seinen Zeitgenossen gegenüber, der der Fülle des Gottessegens sich erfreuend, zum Gegenstand des Neides in den Augen der Pelischtim geworden. Die dritte, kleinere Abtheilung in der ersten,