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Der Israelit · 1890-10-23 · Heft 83 (23.10.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 83 (23.10.1890)
Date
1890-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 86 XXXI, Jahrgang. Israelit >.«» Jeschurun {»V (ÖVVVVVWMJJ pv» w«v d»Vt (»VMVW» M* VrV4WV4WW «UV ^««Vt Gentrat-Argan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den SS Oktober 5651 (1890). Leitender Artikel. Z>er Geschichtsgang Israels. Von Rabbiner Dr. M. Jung, Ung. Brod. Die ersten Sätze des dieswöchentlichen Thoraabschnittes bieten uns ein herrliches Beispiel von der Art und Weise, wie die Thora es versteht, selbst bei der Erzählung geschichtlicher Begebenheiten, bei der Darstellung einfacher Ereignisse höhere Gedanken anzudeuten und dies in einer so meisterhaften Weise, daß die Andeutung höherer Ideen der Einfachheit des Berichtes, der auch einem Kinde verständlichen Erzählung keinen Abbruch thut. Der Hinweis auf erhabene Gedanken, inmitten geschichtlicher Ereignisse einfacher Natur geschieht so häufig durch bloßes Wortgefüge, ungewöhnliche Satzverbindung und nicht selten durch äußerst feine, nur vom Kennerauge bemerkbaren Nuancen an der Schilderung der Thatsachen. Wäre mit dem Befehle: „7h 7b“ nur die räumliche Entfernung aus dem Vaterhause und dem Vaterlande beabsichtigt, der Zweck kein anderer gewesen, als daß Abraham nach Art vieler Völkerstämme des Alterthums sein Land verlasse und in einem fremden Welttheil eine Colonie gründe, dann wäre sicherlich im göttlichen Befehle die Wortstellung eine andere gewesen. Diese würde gelautet habenfirixdi rvnD 7b *jb. Verläßt man ja bei der Entfernung aus der Heimath zuerst das Vaterhaus, dann den Geburtsort und zuletzt das Geburtsland. Die den Thatsachen nicht entsprechende und darum ungewöhnliche Wortstellung im göttlichen Befehle deutet an, daß, obgleich von unserem Urahn ein räumliches Verlassen seiner bisherigen Heimath verlangt wurde, dies nur eine nothwendige Bedingung war, zur Erreichung des alleinigen Zweckes des Gottesbefehles, der völligen Entfernung und Lossagung von der Denkweise seines Heims, des völligen Aufgebens des geistigen Standpunktes, auf dem seine Familie gestanden- Ist dies der eigentliche Zweck des Gotteswortes, dann ist die im ersten Momente uns befremdende Wortstellung eine correcte und dem Zwecke entsprechend. Obgleich Prinzipientreue das Merkmal eines ehrenhaften Characters und Gesinnungstüchtigkeit von Jedermann gefordert werden muß, geschweige denn von einem Manne, der mit leuchtendem Beispiel den von ihm geleiteten Menschen vorangehen soll, so gibt's dennoch im Leben Momente, in welchen eine Metamorphose unseres geistigen Lebens nicht allein unserem festen und unerschütterlichen Character nicht widerspricht, sondern vielmehr von demselben kategorisch gefordert wird. Sobald wir uns überzeugt, daß unsere Prinzipien falsch, unsere Leitmotive irrig und unsere Ideale leere Luftgebilde sind, ist deren Fallenlassen und Umtauschung mit anderen, besseren, eine unerläßliche Forderung. Die einzige Grundlage eines jeden ehrlichen Characters kann und darf schließlich doch nur die Wahrheit sein. Während aber der immerwährende Wechselprozeß in unserem physischen Leben ohne jede Erschütterung unseres Wesens sich vollzieht und wir sanft und geräuschlos von einem Stadium zum andern innerhalb dieser Metamorphose geleitet werden, ist der Prinzipienwechsel immer gleichbedeutend mit einer mächtigen Revolution, die unser ganzes Innere erschüttert und aufregt. Es handelt sich um Sein oder Nichtsein! Die Prinzipien machen den Menschen zum Menschen. Das Aufgeben liebgewonnener Prinzipien ist der Tod eines Menschen, die Annahme neuer Prinzipien aber nicht die Auferstehung desselben, sondern die Schöpfung eines neuen Menschen. Der Prinzipienwechsel ist ein Kampf zwischen zwei Menschen, deren einer das Alte und deren anderer die junggeborene Wahrheit zu vertheidigen sucht. Abraham war wohl bereits durch die Naturbetrachtung von der Haltlosigkeit seiner alten, religiösen Prinzipien überzeugt, bei alldem konnte er,

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