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Der Israelit · 1890-10-20 · Heft 82 (20.10.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 82 (20.10.1890)
Date
1890-10-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1489 Colonie „Jesod-Hamalah" gelegen, die zwar noch der Unterstützung des Baron Edmund von Rothschild in Paris bedarf, aber mit derselben Energie und Ausdauer gegen alle Widerwärtigkeiten kämpft, um den Boden für die Cultur zu gewinnen, wie arische Colonisten in neuentdeckten Weltgegenden. Die Colonisten sind in kurzer Zeit abgehärtete Bauern geworden, aber Bauern mit dem weichen, jüdischen Herzen. In einem nahe der Colonie gelegenen Araberdorfe brach um Mitternacht vom 3. auf den 4. August d. I. in der Scheuer eines Arabers ein Feuer aus, das durch einen heftigen Wind schnell um sich griff und sämmtliche, hart nebeneinder stehenden Scheuern des Dorfes mit Vernichtung bedrohte. Alle Anstrengungen der Dorfbewohner, Herr des verheerenden Elementes zu werden, waren vergebens und schon ergaben sie sich dem Schicksale, als plötzlich ihnen Hilfe von der jüdischen Colonie kam. Ein bei seiner Arbeit noch um Mitternacht wachender Colonist bemerkte den Feuerschein, er alarmirte sofort die ganze Colonie; schnell wurden die Wagen bespannt, einige mit Wasser gefüllte Fässer, einige mit Erde beladene Männer und Frauen und die arbeitsfähige Jugend fuhren hinaus auf die Unglücksftätte. Nach zwei Stunden schwerer Arbeit gelang es ihnen, das Feuer zu dämpfen und die schon schwer bedrohten Objecte zu retten. Die Araber drückten mit einem Handkuß den Juden ihren Dank aus. Und diese Hilfe erfolgte nicht etwa aus Angst, das Feuer könnte auch jüdisches Eigenthum zerstören, denn die Scheuern der Colonisten sind zuwett von denen der Araber entfernt, als daß das Element sie hätte erreichen können, sondern aus reinem Mitgefühle, das nicht erst nach der Confession des Unglücklichen fragt, wenn es zu Helsen gilt. Nur bei den hiesigen Christen scheint das Vorurtheil gegen Juden unausrottbar. Am Morgen des 3. September d. I. wurde hier ein christliches Kind vermißt, nach langem Suchen ist es endlich am Abende desselben Tages in einem christlichen Hause gefunden worden. Und dieser Vorfall, der sich doch täglich ereignen kann, denn daß ein Kind sich aus der Straße verirrt und nicht nach Hause kommt, ist nichts Außergewöhnliches, wäre bald der Anlaß zu einem Judenkrawalle gewesen. Wie der Sohn des persischen Consuls hier, ein Mohamedaner, dem Schreiber dieses später erzählte, waren die Eltern des in Verlust gerathenen Kindes schon beim Stadtrichter und suchten seine Intervention nach zu einer Hausdurchsuchung bei den Juden, denn sie glaubten nicht Anderes, als daß Juden ihr Kind zu einem „rituellen Gebrauche" entführt hätten. Aber der Richter wies sie entrüstet mit den Worten ab: „Schämt Euch dieser niederträchtigen Verdächtigung!" Und wenn das Kind nicht so bald gefunden, oder wenn es zum Zwecke einer Judenhetze ganz beseitigt worden wäre — was dann? (Oest. Wschr.) Bafsorah am persischen Meerbusen. Die hiesige jüdische Gemeinde hat kürzlich hier eine nach europäischem Muster organisirte Schule eröffnet, die auch von vielen mohamedanischen und christlichen Schülern besucht wird. Die Gemeinde hat sich an die „Anglo-Jewish-Association" in London, um eine ausgiebige Unterstützung dieser Schule und Bestellung eines Lehrers für die englische Sprache gewendet. -£»» Vermischtes. < Salmünster (Hessen-Nassau). „Ein gutes Beispiel weckt Nacheiferung — Und giebt dem Urtheil höhere Gesetze." — Nur aus diesem Grunde möge heute von dem Tode eines Mannes berichtet sein, der in jeder Hinsicht ein Muster war, als Mensch im Allgemeinen, als Jude im Besonderen. Seit dem 24. Elul härmt sich die hiesige jüdische Gemeinde über den Verlust ihres bewährten Gründers und Leiters, die Stadt über einen ihrer angesehensten Bürger: Abraham Stern hat im Alter von 66 Jahren, mit Ruhm und Ehren bedeckt, den Kampfplatz des Lebens verlassen. Er und sein Bruder '"5, beide eines Herzens voll gegenseitiger, unerschöpflicher Liebe, eines Sinnes für Wahrheit nnd Recht, schon als Kinder mit der Bürde des Mannes durch den frühen Tod der Eltern belastet, sich selbst zur Belehrung und Erziehung überlassen, haben es durch gemeinschaftliche Anstrengung, der nicht einmal die Nacht, sondern nur der rotP Einhalt bot, zur Gründung eines mustergültigen jüdischen Hauses gebracht. Abr. Stern war einer der gewiß seltenen Menschen, der, mitten im Weltgetümmel stehend, sagen konnte: „Ich habe keinen Feind." Was er der Mitwelt war, darüber belehrte ein Blick Derer, die, zum großen Theil aus weiter Ferne, herbeigeeilt waren, um ihrem theuren Freunde, ihrem vertrautesten Berather und liebstenVerwandten den Abschiedsgruß zuzurufen. Die Geistlichkeit und der Stadtrath von Salmünster, sämmtliche jüd. und christl. Vertreter der näheren und weiteren Umgegend gaben dem edlen Fechter für Ehre und Gerechtigkeit und das Wohl der Menschheit das Geleite. Wie sein Leben, so war sein Tod ein echter Djpn t^np. Se. Ehrw., Herr Dr. Kor es, sah sich verpflichtet, an das Grab des Verblichenen zu eilen, um einen Theil seiner Verdienste zu schildern. Er verglich ihn mit DH-QN: Aus jeden Ruf, den das zur Unterstützung verwaister und verwittweter Glieder oder zur Begründung und Erhaltung frommer Anstalten Hülfe bedürftige Judenthum an ihn ergehen ließ, antwortete er, wie einst sein großer Ahn: ’JJH „hier bin ich," mit Allem, was ich habe. Die Gemeinde Salmünster verdankt ihm ihr Bestehen und ihr Gotteshaus. Dies als Erster zu betreten und als Letzter zu verlassen, darin setzte er seinen Ruhm. Und als ihm bereits eine harte Krankheit die körperliche Kraft völlig gebrochen hatte, wankte er, vom Schmerzenslager sich raffend, in die Synagoge, um nach der Rückkehr von dort erschöpft auf sein Lager, sein — Sterbelager, zu sinken. Den tröstenden Worten des Arztes setzte er, den Blick lächelnd nach oben gewendet, entgegen: „O, ich habe keine Angst, zu sterben." Mit Ruhe und Zuversicht sah er dem Todesengel ins Angesicht, legte noch über die vorhandenen Zedokogelder Rechnung ab und entschlief kampflos, wie der wahre Zadik, die Hoffnung im Herzen, daß seine Kinder, in seinem Geiste erzogen, auch in seinem Geiste leben würden und daß er an dem Orte seiner Bestimmung seine geliebte Gattin, die ihm um einige Jahre vorausgeeilt war und sein höchstes Lebensglück bedeutet hatte, wiederfinden werde. Möge seine geistige und moralische Hinterlassenschaft zahlreiche und würdige Erben finden.

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