Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 82 (20.10.1890)
- Date
- 1890-10-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448101--30914-2478688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1488 höherer Anstalten bei gutem Willen recht gut getreue Jehudim sein können. Lewin ist nämlich strengreligiös und beabsichtigt Rabbiner zu werden. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Wien. Eine Versammlung von Bürgermeistern und Wählern des Landgemeindebezirkes Krems hat mit 31 gegen 1 Stimme dem antisemitischen Abgeordneten des Bezirkes, dem famosen Vergani, ein Mißtrauensvotum ertheilt und beschlossen, denselben nicht wieder als Kandidaten aufzustellen. Trieft, 8. Oktober, -jsn ron noS: „Warum schlägst Du deinen Nebenmenschen?" Diese Frage hätten einige deutsche und polnische Juden, die hieher gekommen waren, um Esrogim einzukaufen, vor Sukkoth oft an unseren Straßenplebs richten können. Seit Kurzem ist nämlich hier und zwar unter der Hefe des Volkes eine große Verfolgungswuth gegen die polnischen Juden ausgebrochen, und da dieselben im Monate Tischri unsere sonst liberale und höchst duldsame Stadt fleißiger als in den anderen Jahreszeiten zu besuchen pflegen, so hatte der Pöbel bald einige solche unglückliche Geschöpfe entdeckt, an denen er dann sein Müthchen kühlte und ihnen einige tüchtige Püffe gab. Natürlich schritt die Polizei sogleich ein, aber immerhin zeigt es, daß der Antisemitismus langsam auch in unserer Hafenstadt zu keimen beginnt. Unser werther Oberrabbiner Melli hat in seiner Predigt am naw rav die Gemeindemitglieder eindringlichst ermahnt, die religiöse Erziehung nicht der Schule allein anzuvertrauen, sondern selbst mitzuhelfen, indem sie zu Hause strenge darauf schauen, daß ihre Sprößlinge die Gebote der Religion gehörig erfüllen. Die Meldung des „Jewish Ehronicle" in London, daß unser verehrter Oberrabbiner vor einigen Tagen auf der Gasse überfallen und durchgeprügelt worden sei, erweist sich als eine müßige Erfindung. Am 17. September wurde nach einem feierlichen Gottesdienste im Tempel und einigen ermahnenden Worten unseres Oberrabbtners der Unterricht in der Talmud-Thoraschule wieder eröffnet. Budapest. Für Ungarn ist der 6. Oktober ein Tag pietätsvollen Gedenkens. An diesem Tage sind 13 Helden zu Märtyrern einer patriotischen Sache geworden. Die gutmagyarische Stadt Arad hat nun diesen Lichtgestalten ein künstlerisch hervorragendes Monument errichtet, welches an eben diesem Tage in Gegenwart der Besten der Nation feierlichst enthüllt wurde. An dieser Landesfeier nahmen auch die jüdischen Einwohner Ungarns, als treue Bürger ihres heißgeliebten Vaterlandes, theil. In allen größeren Gemeinden wurde der 13 unsterblichen Männer gedacht und es würde zu wett führen, diese in den jüdischen Gotteshäusern ftattgehabten Feierlichkeiten einzeln zu regiftriren. Wir beschränken uns daher blos auf Arad und Budapest. In ersterer Stadt benützte Oberrabbiner Dr. Alexander Rosenberg die Landesfeier, um beim Gottesdienste im israel. Cultustempel in einer vom patriotischen Geiste durchglühten, ungarischen Festrede der 13 Märtyrer zu gedenken und für deren Seelenheil ein tiefempfundenes Gebet zu sprechen. — Gelegentlich des Hauptgottesdtenstes am Schemini-Azereth im großen Tempel in der Tabakgasse gedachte Prediger Dr. Kayserling bei der Haskara jener edlen, opferfreudigen Männer, welche durch ihr ruhmvolles Leben und ihren im Dienste der Nation erlittenen heldenmüthigen Tod sich die Unsterblichkeit errungen haben und flehte für ihr Seelenheil zum Gott der Freiheit und des Friedens. Das patriotische Gedenken der Freiheitshelden an dieser Stelle machte auf die nach Tausenden zählenden Andächtigen einen gewaltigen Eindruck. Auch im Ofner isr. Cultustempel sprach heute bei der Seelengedächtnißfeier (Haskara) Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t ein ergreifendes Gebet für das Seelenheil der Araber Märtyrer. D. H. 8. Stampfen (Preßburger Comitat), 10. Oktober. In dem nahen St. Johann, welches bekanntlich eine Besitzung des Baron Hirsch ist, weilt jetzt eine erlauchte Gesellschaft, um in den dortigen wildreichen Wäldern dem Jagdvergnügen obzuliegen. An der Spitze dieser Gesellschaft befindet sich der Prinz von Wales, Englands Thronerbe, der ebenso wie seine erhabene Mutter n"T, als Judenfreund bekannt ist. Auch Baron Albert Sasson und Gemahlin befinden sich jetzt in St. Johann, wo noch mehrere englische Großgrundbesitzer weilen. Morgen tmiproB' wird der englische Thronerbe hier erwartet, um die Wittwe des Grafen Karolyi, ehemaligen österr. Botschafters am englischen Hofe mit seinem Besuche zu erfreuen. Hier werden nun schon große Vorbereitungen zum Empfange des hohen Gastes getroffen, an dem sich auch unsere kleine jüdische Gemeinde betheiligen wird. In Stampfen hat sich einmal auch ein Sohn des großen Rabbi Jonathan, der sogenannte Baron Eibenschütz, eine kurze Zeit aufgehalten. Asien. Safed. Die Antisemiten sprechen uns Juden Liebe zu Andersgläubigen, ab, sie werfen uns Arbeitsscheue vor und daß wir uns nur durch List und Betrug erhalten; doch die Thatsachen strafen sie Lügen und bezeichnen alle diese antisemitischen Vorwürfe als böswillige Verdächtigungen. Unweit von hier, ungefähr fünf Wegstunden von unserer Stadt entfernt, ist am See Merom die jüdische