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Der Israelit · 1890-10-20 · Heft 82 (20.10.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 82 (20.10.1890)
Date
1890-10-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1485 mit ein. Zum erstenmale hatte er Gelegenheit, mit feiugebildeten Damen zu verkehren, und man kann sich denken, daß dieses Debüt nicht besonders gut ausfiel. Er hatte ein gar linkisches Wesen und mehr als einmal rief sein Benehmen ein mitleidsvolles Lächeln auf dem Gesicht der Tochter des Hauses hervor. Wenn er merkte, daß er einen Verstoß gemacht hatte, überzog eine Purpurröthe sein Gesicht, und sein treues Auge bat um Entschuldigung. Herr und Frau Sternsels waren außerordentlich freundlich mit ihm und hörten mit großer Aufmerksamkeit ihm zu, wenn er erzählte, welche Kämpfe er als Jude mit den Arbeitern auszufechten habe. Er erzählte auch von dem kleinen, russischen Dorfe, von Zadok und Breinle, von den Leiden seiner Kindheit, von der Idee, die ihn aus der Heimath getrieben, von seiner Wanderschaft, seinem Aufenthalte in Wien, von den dortigen Krawallen, kurz, er schüttete sein Herz aus und war glücklich, Leute gefunden zu haben, die Interesse an ihm nahmen. „Und wie weit sind Sie nun?" fragte Sternfels. „Ich habe mein Ziel erreicht," versetzte Chajim, „ich könnte, da ich die Fabrikation verstehe, nun nach Hause reisen und meinen Plan ausführen, aber ich will nichts halb thun. Noch habe ich keine Kenntniß der Comptoir-Arbeiten, der Calculation und Buchführung. Diese will ich mir erst erwerben, ehe ich in meine Heimath zurückkehre, damit ich meinen Posten ganz und voll ausfüllen kann." „Und, verzeihen Sie meine Jndiseretion, woher wollen Sie das Capital nehmen, welches man zur Errichtung einer Fabrik bedarf?" „Darum ist mir nicht bange, die russische Regierung unterstützt in jeder Weise industrielle Etablissements und ich hoffe mit Hilfe der Regierung eine Fabrik errichten zu können." „Wenn Ihre Hoffnung Sie nur nicht trügt! Die russische Regierung hat sich den Juden gegenüber noch nie eines allzugroßeu Wohlwollens befleißigt." „Im Großen und Ganzen haben Sie recht. Anders ist jedoch die Sache, wenn die Regierung den Vortheil des Landes oder den eigenen Vortheil in einer Sache sieht, dann hat sie für alles, für Jeden Geld." „Wie wäre es nun, wenn die Sache ein Aktienunternehmen würde?" fragte Sternfels; „doch", fuhr er fort, „wir sind da in ein Gespräch gerathen, das wir aus Rücksicht für den heutigen Abend und aus Rücksicht auf unsere Damen nun abbrechen und ein anderes Mal beenden wollen. Was ich mir schon längst Sie zu fragen erlauben wollte, haben Sie in der langen Zeit Ihrer Wanderschaft auch das Studium unserer heiligen Gotteslehre, das Sie in der Heimath so eifrig pflegten, nicht vernachlässigt?" „Und wenn ich noch so spät nach Hause komme, eine Stunde wenigstens wird dem Lernen gewidmet." „Vielleicht ist Herr Mandelkern so liebenswürdig, uns eine kleine Probe seiner Gelehrsamkeit abzulegen", wandte Frau Sternfels ein, „mein Mann hört gerne ein gutes Wort, namentlich in geweihter Stunde über ein entsprechendes Thema." „So werde ich mir gestatten, die Erklärung einer Midraschstelle, die ich vor langer, langer Zeit von meinem Pflegevater vernommen, Ihnen wiederzugeben : tPBJn nrh mox wjy no Nüin ,no3r6 'bnv roon nti nxöinn. Man fragte die Weisheit: Sündigt der Mensch, was soll seine Strafe sein? Da antwortete sie: Die Seele, welche gesündigt, sterbe! HMtvi otPN X'w wjy hd piro*? iW Man fragte die Schrift: Sündigt der Mensch, was soll seine Strafe sein? Und die Antwort war: Er bringe ein Schuldopfer und sühne für sich, bmr uwy hd NDin wn Man fragte den Heiligen, gelobt sei Er: Der Sünder, was ist seine Strafe? 'h ranwi?wy» ,on*? idx. Und die Antwort lautet: Er thue Buße und es sei ihm verziehen. v'xvn tnr p hv ‘n üiü ytoi xin xin Tnn. Denn so heißt es: Gütig und gerade ist der Ewige, darum zeigt er den Sündern den Weg. *) . Die Weisheit des Menschen, die unabhängig von der unseren Vätern zu Theil gewordenen Offenbarung aus sich heraus durch Schlüsse und Folgerungen das Wesen Gottes erfaßt, erkennt Ihn nur aus Seinen Werken, macht sich nur einen Begriff von Ihm aus Seinen Thaten und nennt ihn den allmächtigen Schöpfer, den gewaltigen Herrn der Welt. Diese Weisheit kennt aber auch kein anderes Verhältnis zwischen Gott und Menschen als das aus den Naturerscheinungen hervorgehende, das des Herrn zu seinem Untergebenen, des Mächtigen zu dem unter seiner Macht Stehenden. — Der Gebieter befiehlt, der von ihm Abhängige gehorcht. Der Allgewaltige spricht seinen Willen aus, der Schwache befolgt ihn; sonst wird er zermalmt, ver- *) So im Talmud Jeruschalmi, Mackoth. Halacha 6, wo nur an mm und n*3pn, nicht aber auch auch an die HNDJ die oben citirte Frage gerichtet wird. Die rtNOJ darf keinen anderen Standpunkt einnehmen, als die mm. Und dann ist schwer einzusehen, wie die 71XQI, deren Hauptrepräsentanten laut und eindringlich die Heilkraft der njlSPn verkünden, auf die Frage: ltwy DD Nüin, die ihr im Jalkut zugeeignete Antwort nmn «>n nxtomn wsa ertheilen kann. Die Lesart des Jeruschalmi ist also vorzuziehen.

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