Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 82 (20.10.1890)
- Date
- 1890-10-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1482 erheben, erbauen und zur Andacht stimmen, und die sich besonders dadurch auszeichnen, daß sie sich streng au den Sinn des Textes anschließen. Bei seinen Arbeiten hat Herz, wie er dem Einsender dieses mittheilte, auch den berühmten Organisten und Compouisten von Chorälen rc., Rink von hier, benützt. Im Jahre 1851 starb Herz (H. Hachenburger) und ein aus Christen und Juden zusammengesetztes Comitö ließ ihm von Herrn Bildhauer Scholl ein schönes Grabmal anfertigen, dessen deutsche Inschrift von Herrn Snbconrector Professor Bauer verfaßt wurde. Berlin. Der Vorstand der Jüd. Gemeinde versendet gemäß §.78 des Gemeindestatuts eine „Uebersicht des Haushalts für 1889". Vorangeht eine Zusammenstellung der im verflossenen Verwaltungsjahre gefaßten Gemeindebeschlüsse. — Aus den letzteren geht hervor, daß fünf Separatgcmeinden, welche sämmtlich den conservativen Ritus eingeführt, von der Gemeindekasse subventiouirt werden. Für diese und die gottesdienstlichen Veranstaltungen mit Privatlocalen an den hohen Feiertagen wurden 46,707 Mk. ausgegeben. Der Jugendgottesdienst erforderte 475 Mk. — Auch den Kurhospitälern zu Carlsbad, Colberg, Franzensbad, Marienbad, Soden, Teplitz und Warmbrunn, sowie dem deutschisraelitischen Gemeindebund, der historischen Commission für die Geschichte der Juden in Deutschland und dem „Verein zur Besserung entlassener Strafgefangener" wurden Beiträge bewilligt, deren Höhe aus dem Bericht nicht hervorgeht. Das Grundstück zu Pankow bei Berlin, das s. Z. von dem russischen HilfscomitS für Erziehungszwecke erworben wurde, ist nunmehr, da die meisten russischen Pfleglinge die Anstalt verlassen haben, von der jüd. Gemeinde angekauft worden. An Schenkungen sind 354,000 Mk. eingegangen. Die Knaben- und Mädchenschulen erhielten 88,782 Mk., die beiden Religionsschulen 11,493 Mk. Zuschuß. Das Lehrerseminar figurirt unter dem Namen Talmud-Thora-Jnstitut und empfängt die für Talmud-Thora hinterlassenen Legate im Betrage von 3,286 Mk. S. a. Erwähnenswerth ist noch, daß an Mazzoth für Arme 7,076 Mk. und zur Beschaffung von Koscherfleisch 4,842 Mk. verausgabt wurden. Der Erlös verkaufter Gebetbücher ergab 3,032 Mk., da durch Machtbefchluß des Vorstandes für gottesdienstliche Veranstaltungen der Reformritus anbefohlen wurde. Ueberschaut man die Gesammtthätigkeit des hiesigen Gemeindevorstandes, so gelangt man zu dem Resultat, daß für humanitäre Zwecke sehr viel verwendet wird, die Institute der Reformrichtung recht gut bedacht werden, dem conservativen Element dagegen eine kaum nennenswerthe Berücksichtigung zu Theil wird. Wie lange dieser Zustand andauern wird, das weiß der langmüthige Gott allein. Seit Jahren ringt eine starke Partei, welcher die Erhaltung des Judenthums am Herzen liegt, für Gleichberechtigung beider Richtungen.— leider vergeblich. — Gottesdienst und Schule sind in der Hand von Männern, welche dem sogenannten Fortschritt huldigen, die Strenggläubigen müssen aus eigenen Mitteln für Erhaltung ihrer religiösen Institute Sorge tragen. Wie sich dieses Verfahren mit dem strengen Rechtssinn der herrschenden Partei verträgt, bleibt unerfindlich. Wie sich sonst biedere und höchst verdienstvolle Männer dazu entschließen können, ihre Brüder und Religionsgenossen schonungslos zu bedrücken, das ist unfaßbar. Während außerhalb der Residenz, selbst in den Großstädten Breslau, Hamburg und Frankfurt a. M., für Aufrechthaltung der reltgionsgefetzlich gebotenen Institutionen in ausgiebigster Weise gesorgt wird, krankt die Großgemeinde noch immer an ihrer Voreingenommenheit gegen Alles, wonach die Conservativen Verlangen tragen. Es fehlt hier der Sinn für das köstlichste Gut der Erde — für den Frieden. N. Leipzig, 12. Oktober. Der Antisemit Th. Fritsch wurde vom hiesigen Schöffengericht am 7. Oktober wegen Beleidigung durch die Presse zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt. Die Klage führte der durch mehrere Proceffe in letzter Zeit bekannt gewordene junge Rechtsanwalt Dr. Paul Friedrich Werthauer. Derselbe hatte für die Höhe des Strafmaßes 3 Monate Gefängniß beantragt. Den Ausführungen des Rechtsanwaltes Dr. Werthauer stimmte das Gericht nicht vollständig zu — und unter Berücksichtigung der politischen Ucberzeugung des Angeklagten wurde die angeführte Geldstrafe für genügend erkannt. Fritsch, wie alle Deutsch- Socialen, ein Gegner des Advokateustandes, vertheidigte sich mit bewundernswürdiger Schärfe und Klarheit selbst. K. W. B. Osnabrück. Der in hies. Stadt seit einer langen Reihe von Jahren wirkende Arzt Herr Sanitätsrath Dr. Blumenfeld — dem Namen nach ein Glaubensgenosse — feierte am 10. Okt. sein 50-jühriges Doktorjubiläum. Se. Majestät der Kaiser verlieh ihm in Anerkennung seiner langjährigen Thätigkeit den Rothen Adler-Orden IV. Klasse, während ihn die medicin. Fakultät der Universität Würzburg zum Ehrendoktor ernannte. Deputationen verschiedener Körperschaften, darunter die Repräsentanten der jüd. Gemeinde, brachten Glückwünsche dar. — Man geht hier mit der Absicht um, ein würdiges Gotteshaus zu errichten. Die ca. 400 Seelen zählende Gemeinde hat sich bis jetzt mit