Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 81 (16.10.1890)
- Date
- 1890-10-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1467 erfreut sich Herr Goldring einer seltenen Hochachtung bei allen Bürgern der Stadt. — Fürst Radolin stellte das Stadtoberhaupt Sr. Majestät mit den Worten vor: „Mein alter bewährter Freund, Herr Bürgermeister Goldring!" Der Kaiser reichte Herrn G. die Hand und unterhielt sich mit ihm längere Zeit im Coupe auf's Huldvollste. — Bürgermeister Goldring ist auch Vorsteher derSynagogen- Gemeinde in Jarotschin. H. Wolfs, Lehrer. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 23. Sept. Groß-Wien soll in Zukunft 150 Gemeinderäthe haben, die nach den Anträgen der Vororte-Commission auf die einzelnen Bezirke aus Grund der Bcvölkerungsziffer und Steucrlcistung aufgetheilt werden sollen. Die Beschlußfassung erfolgte erst nach langer Debatte, in welcher von der Opposition hauptsächlich das Verlangen gestellt wurde, es möge lediglich die Bevölkerungsziffer als Basis für die Austheilung der Mandate genommen, die Steuerleistung aber ganz beiseite gelassen werden. Es wurde dabei viel von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", sowie von „Menschenrechten" gesprochen, und zwar von denselben Herren, welche noch vor kurzer Zeit die hundertjährige Feier der Proclamirung der Menschenrechte als die Glorificirung des Königsmordes hinausschrien, heute aber merkwürdigerweise trotz der großen Emphase, mit der sie die Gleichheit der „Steuerträger" forderten, kein Wort für das allgemeine Stimmrecht fanden. Die Herren wissen wohl, warum. Gleichheit dort, wo der Gewinn auf ihrer Seite ist; rücksichtslose Niederdrückung aber, wo es ihre Machtstellung erfordert. So fassen diese Herren diese „Menschenrechte" auf. Mit Grund wurde Herrn Vetter, der dieses Paraderoß mit viel Eifer, aber herzlich ungeschickt vorführte, die Frage zugeworfen, mit welchem Rechte er und seine Partei, welche einer ganzen Klasse von Staatsbürgern die Gleichberechtigung absprechen, sich auf den Standpunkt der Menschenrechte stellen könnten. Vetter antwortete wie gewöhnlich mit einer Beschimpfung der Juden. Er habe, meinte er dann, keinen Grund, die Juden zu loben. Es scheint aber doch, daß es Einen aus dieser verhaßten Race geben muß, dem Herr Vetter Dank schuldet. Denn als ihm von der andern Seite ein Name von zweifellos jüdischem Klange zugerufen wurde, schwieg er, der sonst stets das letzte Wort zu behaupten versteht, in mehr als verlegener Weise, und die Schamröthe, die er gerade vorgeblich in den Gesichtern der Majorität gesucht, stieg ihm — freilich nur für einen Moment — in die Wangen. Tewesvar, 5. Oktober. Der inthronisirte Bischof Deffewffy empfing die unter Führung des Distrikts-Präsidenten, Commerzialrathes Ignaz v. Eisenstädter, erschienene Begrüßungs-Deputation der Temesvarer israelitischen Gemeinden und antwortete auf die Ansprache des Oberrabbiners Dr. Löwy: Der Begründer meiner Kirche hat unsere Religion aus den Grundsatz gebaut: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Mein erstes Wort, als ich den hiesigen Boden betrat, war die Versicherung, daß ich den Frieden mit mir gebracht. Damit meinte ich den Frieden gegen alle anderen Confessionen, in dessen Pflege mich keinerlei Rücksicht auf Race, Nationalität und Confession irre machen kann. Wenn Sie in Verfechtung irgend einer gerechten Bestrebung einen Fürsprecher brauchen werden, versichere ich Sie, daß ich dort nicht fehlen werde." Holland. Rotterdam, im October. Vor einiger Zeit berichteten Sie, daß ein Mann aus Jerusalem, dessen eigentlicher Name S ch ö u m a n n, der sich aber in Hamburg den Namen Eg er uud Margulies zugelegt, gesucht wird, damit man nach seiner Ermittlung ihn veranlasse, seiner Frau pwv'S bj zu senden. Ich kann Ihnen nunmehr mittheilen, daß der Betreffende hier gewesen ist und besagter bj ftattgefunden hat. Frankreich. Paris. Bericht der „Alliance Jsraclite Universelle" vom 1. und 2. Semester 1889. (Fortsetzung aus Nr. 71.) Die folgende Notiz ist eine historische Skizze der Gesetzgebungen, welchen die Israeliten in Rußland abwechselnd unterworfen waren, und der Phasen, die sie seit nahezu hundert Jahren durchgemacht haben. Vor der Annexion eines großen Theils des früheren Polens, Bessarabieus, Tauris, sowie von Klein- und Neu-Nußland, besaß das heilige oder vielmehr das eigentliche Groß-Rußland keine israel. Unterthanen. Der Senat des Reiches machte der Kaiserin Elisabeth Vorstellungen, um die Erlaubniß für jüdische Kaufleute zu erwirken, sich in Moskau niederzulassen, indem er die großen Dienste rühmte, welche die Israeliten dem Handel leisten dürften. Doch gelangen diese Bemühungen nicht, sie standen im Gegensatz zu dem Fanatismus der Czarin, die keinen Nutzen haben wollte von den vermeintlichen Feinden der Christen. Die Annexion der obenerwähnten Provinzen gab Rußland auf ein Mal drei Millionen Israeliten. Die Provinzen, die den gesetzmäßigen Aufenthalt der Juden bilden, bestehen aus Kowno, Wilna, Grodno, Minsk, Wittebsk, Mohilew, Tschernigoff, Zitomir, Kiew, außer der Stadt Kiew, Podolien, Katerinoslaw, Cherson, Poltawa, Kischineff und Sympheropol. Außerdem die sechs Weichselprovin-