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Der Israelit · 1890-10-13 · Heft 80 (13.10.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 80 (13.10.1890)
Date
1890-10-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1458 betreffend dte antisemitische Agitation, dem wir Folgendes entnehmen: „Es ist Ihnen nicht entgangen, daß in den letzten Jahren, hauptsächlich aber seit den im Februar l. I. vollzogenen Reichstagswahlen, in den verschiedensten Gegenden des Großherzogthums antisemitische Bestrebungen zu Tage getreten sind, die bei der Art, wie solche Agitationen betrieben werden, für den Frieden unter der Bevölkerung ernste Gefahren in sich schließen. Während wir in der stets und auch bei der letzten Reichstagswahl als richtig bewährten Voraussetzung, daß die evangelische Geistlichkeit bei der Erfüllung ihrer politischen Pflichten von selbst denjenigen Bestrebungen ihre Mitwirkung versagen werde, die dem evangelisch-christlichen Volksleben nachtheilig sind, uns nicht veranlaßt sahen, die politische Thätigkeit der Geistlichen zu beeinflussen, sondern deren politische Meinungsfreiheit stets geachtet haben, so müssen wir doch jetzt, wo verschiedene Meinungsäußerungen in Versammlungen von Geistlichen und auf Dekanats-Synoden darauf schließen lassen, daß nicht wenige Geistliche der erwähnten Bewegung sympathisch gegenüberstehen, aus unserer Zurückhaltung heraustreten. Wir fühlen uns verpflichtet, die Stellung, die unseres Erachtens die evangelische Kirche als solche in ihren Behörden und ihren Dienern einnehmen muß, unumwunden nach beiden Seiten hin darzulegen, und verlangen für diese Darlegung die ernsteste Beachtung aller uns unterstehenden Geistlichen. Wir können uns unmöglich verbergen, daß die verderbliche Macht, welche Mammonsdienst, Börsenspeculationswuth, Schwindel- und Wuchergeist, Ausbeutung der wirthschaftlich Schwachen erreicht haben, eben doch zum guten Theil auf der Schwäche beruht, mit der die sich christlich nennende Bevölkerung ihre bessere Einsicht, höhere sittliche Erziehung und angeborene deutsche Art verleugnet hat. Und darum können wir unter keinen Umständen für das, was eine gemeinsame Schuld ganzer Volksklassen ist, und wofür diese, sofern sie wirklich Christen sind, Buße zu thun und Besserung zu suchen haben, die jüdischen Staatsbürger, in deren Reihen es doch wahrlich an Beispielen wirklicher Milde und Gutthätigkeit, an Mustern pietätvollen Familiensinnes nicht fehlt, und zwar diese ohne Unterschied allein verantwortlich machen. Wenn aber gar unter Anrufung des Christenthums eine Art Kreuzzug gegen die Juden gepredigt wird, so müssen wir unter Berufung auf Wort und Vorbild des Stifters unserer Religion solches mit aller Entschiedenheit als unchristlich zurückweisen. Wir müssen es aber auch als eine verhängnißvolle Mißleitung der dunkeln Instinkte des deutschen Christenvolkes ansehen, wenn man da, wo es gilt, vor allem die eigenen Fehler einzusehen, die Unzufriedenheit der Massen auf angebliche Urheber ihrer Drangsale hinlenkt, die es nur zum Theil, und sicherlich nicht ohne erhebliche Mitschuld der christlichen Bevölkerung selbst sind. Der dadurch entfesselte Geist der Unbotmäßigkeit und Zuchtlosigkeit, der Begehrlichkeit und des Hasses, kann dann, wenn sich — nur zu bald! — Herausstellen wird, daß die Versprechungen jener augenblicklich volksthümlichen Agitatoren unerfüllbar sind und bleiben, nur denen zugute kommen, die auf die wachsende Unzufriedenheit der breiten Volksmassen ihre Umsturzpläne unseres gesammten Staats- und Kirchenwesens gründen. Nicht die, wir wollen es annehmen, in gutem Glauben von dem sogenannten Antisemitismus angerufenen deutschen und christlichen Instinkte, sondern die Triebe des Neides und Hasses werden aus dieser Agitation die kräftigste Nahrung empfangen, und der evangelischen Kirche wirb dadurch ihre Aufgabe der Befriedigung und Sittigung des Volkslebens nur erschwert. Wir halten darum die Betheiligung an antisemitischen Agitationen, wenn wir auch nicht verkennen, daß sie aus einem treuen und wahren, für die Rechte des Christenthums und Deutschthums und für das Wohl des Landvolkes schlagenden Herzen kommen können, für nicht vereinbar mit den Christenpflichten und Amtspflichten eines Geistlichen." Karlsruhe in Baden, 12. Oct. Seit dem Bestand der hiesigen piL" rny-Gemeinde war es diesesmal der erste min nnm, an welchem der uralte Brauch, von allen Knaben unter 13 Jahren mit Fähnlein den Umzug der nun neo eröffnen zu lassen, wieder Fuß faßte. Und es waren n"a recht viele, die voller Freude die Fähnlein hoch hielten und triumphirend, aber doch in andächtiger Stimmung vor den n"n hergingen, als ob sie wüßten, daß Kinder es waren, die mpn, bevor er sich entschloß, Israel sein Gesetz anzuvertrauen, als Bürgen angenommen, nach dem Psalmwort D’pjri D’V*?iy >dd ny rNO' und ihnen darum der Platz vor den n"D angewiesen worden wäre. Bei näherer Betrachtung gewahrte man sogar Knaben von Mitgliedern der Hauptgemeinde, in deren Synagoge dieser Brauch nicht üblich ist, die aber dennoch ihren Kindern diese Freude bereiten wollten. So ist es recht, ihr lieben Kleinen, dachte ich bei mir, während des imposanten Umganges: die Gesetzesfahne recht hoch getragen, damit sie übelalle kleinlichen Verhältnisse des Erdenlebens hervorrage, ihr nie des Himmels vergesset und stets die Worte eingedenk seiet: dubi ’dj 'i „der Ewige ist mein Panier und eine Zufluchtsstätte mir!" Mit diesen 4 bedeutungsvollen Worten wird man ganz gewiß nächstes Jahr diese n'v-Fähnletn versehen, damit sie sich wesentlich von den gewöhnlichen Fahnen bei Kinderfesten unterscheiden und diese Kinder einst als Väter und Großväter die Nachkommen dieselben Fähnlein vor den Gesetzrollen einhertragen sehen mit derselben Begeisterung, mit derselben reinen, frommen Herzensfreude. Noch regeres Leben herrschte als onya zur Thora gerufen wurden. Schon eine geraume Zeit vorher sah man sie talisgeschmückt neben ihren Eltern oder Verwandten stehen und mit Ungeduld des Aufrufes harren. Ihre Blicke schienen sagen zu wollen: heute dürfen auch wir mirfr rftiy sein und denselben Segen über das Gottesgesetz sprechen, dessen sich die Erwachsenen dabei bedienen. Und wie laut und schön sprachen sie einstimmig die vom Vorbeter vernehmlich und gefühlvoll vorgesprochenen Worte nach! Und mit welcher Freude wußte jeder Knabe nach dem Schlußsegensspruch seinen tmpn behufs 1120 anzugeben! O möget ihr nie eures ttHipn □ w vergessen, stets im Leben besorgt sein, um euren guten Namen, damit er stets ein anipn dv Möget ihr aber auch in Zukunft euch so freudig um die min schaaren, wie ihr es heute gethan habt, dann wird nie die Zeit kommen, wo ihr fahnenflüchtig werdet; nie werdet ihr euch dann

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