Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-10-13 · Heft 80 (13.10.1890) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 80 (13.10.1890)
Date
1890-10-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448099--30879-2478651
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXI. Jahrgang. Beilage ju M 80 des „Israelit & Ieschurun" Literarischer Bericht. Jüdisches Leben in Wort und Bild von Sacher-Majoch. Mannheim, bei I. Bensheimer. Lieferung 2. Unsere Erwartungen, die wir an das Erscheinen der ersten Lieferung dieses Prachtwerkes knüpften, wurden nicht getäuscht. Das uns vorliegende zweite Heft bezeugt, daß hier ein Werk im Entstehen begriffen ist, welches in keiner jüdischen Familie fehlen sollte. Der Verfasser führt uns im 2. Heft zuerst nach Norddeutschland. In „das Mahl der Frommen" lernen wir Adolf Tiegersohn, den offiziellen Possenreißer der jüd. Gemeinde zu Lindenberg kennen. Früher spielten diese species homines bei allen Gelegenheiten eine bedeutende Rolle in den jüd. Gemeinden. Doch heute — stehen sie auf dem Aussterbeetat, und das ist schade. Welche Fülle urwüchsigen, gesundenHumors finden wir in den Aeuße- , rungen Tiegersohns. Freiwüthig sagt er allen die Wahrheit und Niemand ist ihm darob gram. Mit seinem Weibe führt er eine Musterehe und die Streiche, die er dem reichen Moritz Weintraub und dem harten Nathan Formftecher, der „nur borgt," spielt, sind voll köstlich harmloser Schelmerei. Einen ernsteren Gegenstand behandelt die folgende Erzählung, David und Abigail, in welcher der Verfasser uns nach Dänemark führt. Der Krieg mit Preußen war zu Ende. Rose Lilienkron, die Vertraute aller Liebenden, die Beratherin aller verheiratheten Frauen, der Engel aller Unglücklichen, Armen und Kranken, erwartet ihren David, der an dem Feldzug theilgenommen, jeden Augenblick zurück. Abigail ist traurig, daß er, den sie so sehr liebte, so lange nicht geschrieben hatte, und sie will schier verzweifeln. Wie herrlich tröstet sie das Gottvertrauen der Mutter Rose! „Mach' Dir keine bösen Gedanken, Abigail," fuhr Mutter Rose fort, „wenn mein David nicht JTT Geld auf Pfand geschrieben hat, so ist es, weil Gott ihn beschützt hat. Wenn er krank oder verwundet wäre, hätten wir Nachricht." Und siehe, das Gottvertrauen wird belohnt, kaum hat sie ihre Rede geendet, da erscheint ihr mit dem eisernen Kreuze geschmückter Sohn in der Thüre und ihn umfangen die Arme der Mutter und der Geliebten. Beide bemerken endlich das Ehrenzeichen an seiner Brust. „David," rief die Mutter, „Du hast etwas Großes gethan, das hättest Du doch schreiben können. Dein König, der Herr segne ihn, war zufrieden mit Dir. Er hat Dir ein Zeichen seiner Gunst gegeben, ein Zeugniß der Tapferkeit, der Ehre!" „Sprich, mein Held," jubelte Abigail, „was hast Du gethan?" „Nicht viel," erwiderte David bescheiden. „Als die Feinde die Schanzen von Düppel erstiegen, da war die Fahne des Regiments in Gefahr. Wir haben sie gerettet, vier Kameraden und ich." Diese Bescheidenheit entzückt uns, und wir können es der Mutter nicht verargen, wenn sie am nächsten Sabbat mit Stolz ihren Helden zur Synagoge führt. (Siehe unser Bild.) Die ganze Gemeinde ist stolz ans den Tapferen und er ist der Ehre würdig, als einer der Ersten zur Thora aufgerufen zu werden. Der Anfang der folgenden Erzählung bildet den Schluß des Heftes. Auch in diesem Hefte anerkennen wir die Meisterschaft des Erzählers und die Schönheit der Illustrationen, und wir wünschen, recht viele unserer Leser möchten das herrliche Werk ihrer Bibliothek einverleiben. B . ... r. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 9. October. Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogthums Hessen Nr. 10 enthält ein vom 3. October d. I. datirtes Ausschreiben des ^hessischen Konsistoriums, rr,'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.