Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 80 (13.10.1890)
- Date
- 1890-10-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1454 eine auffallende Veränderung vorgegangen. Aus dem früher stets überaus ernsten und verschlossenen Mann war ein heiterer und nlittheilsamer Mensch geworden, dessen Herz einem Jeden offen stand und der mit den Lachenden lachen und mit den Weinenden weinen konnte. Auch in religiöser Beziehung hatte eine gänzliche Umwandlung mit ihm stattgefunden. Er wendete sich wieder ganz dem echtjüdisch-religiösen Leben zu; sein Haushalt wurde ganz nach jüdisch-religiöser Vorschrift eingerichtet und sein Geschäft blieb von nun an am Samstage geschlossen. Das machte ungewöhnliches Aufsehen und wenn auch zuweilen mancher seiner früheren Gesinnungsgenossen ihn wegen seiner plötzlichen Wandelung in spöttischer Weise aufzog, so ließ er sich doch dadurch nicht beirren. Es war keine vorübergehende Laune, die diese Sinnesänderung in ihm bewirkt hatte, sondern sie beruhte auf einem festen Entschlüsse, auf einer durch die letzten Ereignisse bei ihm zum Durchbruche gekommenen bessern Erkenntniß und einem festern Gottesglauben. Während seines ganzen Lebens war auch nichts im Stande, ihn hierin wieder wankend zu machen. Seine Frau, die eine sehr religiöse Erziehung genossen hatte, kehrte ebenfalls wieder gern zu der Weise ihrer Jugend zurück, und Elise schloß sich dieser Richtung, zu der Meseritzer durch seinen Unterricht schon Neigung zu erwecken verstanden hatte, mit ernstem Eifer um so lieber an, als ja auch ihr lieber Bräutigam derselben im strengsten Sinne angehörte. Nach einigen Monaten fand die Verheirathung der beiden Verlobten statt. Sie wurden ein glückliches Paar, in dem die Eltern ihr Glück und ihre Freude fanden. Meseritzer trat in das Geschäft seines Schwiegervaters ein und wußte sich dessen Zufriedenheit bald ebenso sehr im Vankfache zu erwerben, wie er sich solche früher im Unterrichtsfachs zuzuwenden verstanden hat. Das Sekretariat bei der Chewra versah Meseritzer mit Einwilligung seines Schwiegervaters noch so lange, bis sich ein anderer Bewerber für dasselbe fand, was schon nach Verlauf eines halben Jahres der Fall war. Mit Meixner blieb Carlisle und Meseritzer stets aufs innigste befreundet. Dieser Biedermann hatte seine herzliche Freude an der glücklichen Schicksalswendung Meseritzer's. Er hatte ja, nächst Gott, auch das meiste dazu beigetragen, sowohl mit voller Absichtlichkeit, als auch ohne bewußte Absicht. Vielleicht interessirt es, zu erfahren, daß er auch die Liebesmühen Ferdinand Kirschner's nicht unbelohnt gelassen hat. Da die Amtsführung desselben zu keinerlei begründeten Tadel Anlaß gab, so konnte er es mit seiner Pflicht recht gut vereinbaren, denselben bei der Vorstandswahl zu unterstützen, was ihm auch den Sieg verschaffte. Wenn wir über den Gang der Ereignisse, welche in unserer Geschichte sich abspielten, Nachdenken, so muß uns auffallen, daß die zwei Personen, welche gegen Meseritzer feindlich gesinnt waren und an seiner Verdrängung aus seiner bei der Chewra inne gehabten Stellung gearbeitet haben, wider ihre Absicht und ihren Willen sein Glück schließlich auf's Wesentlichste gefördert haben. Das ist eine Erscheinung, die im Leben oft wiederkehrt, sowohl im Staats-, als auch im Familien- und im Einzelleben der Menschen, und in welcher die Leitung der menschlichen Schicksale durch Gottes Hand uns recht sichtbar vor die Augen tritt; wenn die Menschen nur vor dieser Erscheinung die Augen nicht so gerne verschlössen! Es ist dieses die wund erbare Erscheinung, daß, wenn Gott ein Volk, oder eine Familie, oder auch einen einzelnen Menschen zu einem glücklichenZiele führen will, dieärgsten Feinde und Gegner derselben ihnen oft den Weg dazu ebnen müssen! „JSraelit" und „Jrschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSmal in mindestens S Bsgen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Suchhunde! brztrhrn üri E. F. 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