Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 80 (13.10.1890)
- Date
- 1890-10-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1453 zester Zeit erfolgen. Bei dieser Gelegenheit wirdeine Theilnng der bisherigen Amtsobliegenheiten vorgenommen werden, da die Stellung eines Seminaroberhauptes mit den bisher damit, verbundenen Funktionen eines „Oekonomen" des Internats sich nicht vertrug. — Auch der wichtige Pariser Rabbinatsposten soll im Laufe des November aufs Nene besetzt werden. Wie aus Tokay gemeldet wird, wird mit Rücksicht auf die von Baron Hirsch gemachte großartige Spende für die Abgebrannten der größte Platz der neuerbanten Stadt die Bezeichnung „Baron Hirschplatz" führen. Petersburg. Die vorjährige Bestimmung, daß Juden, welche als Anwälte bei Geschworenen fungiren wollen, dazu einer besonderen Genehmigung seitens des Justizministers bedürfen , wird nunmehr dahin ergänzt, daß dies auch für die getauften Juden gelte. KrukttU. Wie wir aus compctenter Quelle erfahren, ist Baron Hirsch nicht mehr gesonnen, bei dem geringen Entgegenkommen der Regierung seine Stiftung in dem bisher geplanten Sinne als juristische Persönlichkeit bestehen zu lassen, sondern ist entschlossen, die 12,000,00o Francs in der englischen Bank anzulegen und die Zinsen davon der Wiener „Alliance Israelite“ zur Erreichung derselben Zwecke zuzuwenden. Feuilleton. Eine bsRattnf« Httloitic. Eine Erzählung von B. Hause. (Schluß.) Carlisle blieb noch mehrere Stunden in sehr munterer Unterhaltung anwesend. So freudig erregt hatte ihn noch Niemand gesehen, und die offen liegende Spendenliste zeigte die Zeichnung eines Betrages von ihm, durch welchen das Vermögen des Vereines einen sehr ansehnlichen Zuwachs erhielt. Um zwölf Uhr fuhr sein Wagen vor. Er verabschiedete sich von der Gesellschaft und forderte Meseritzer auf, zu ihm in den Wagen zu steigen, damit er denselben an seine Wohnung fahren lasse. Unterwegs sagte er zu ihm, er solle sich morgen um neun Uhr Vormittags bereit halten, da er ihn um diese Zeit in seinem Wagen abholen lassen werde. Als der Wagen an der Wohnung Meseritzer's hielt, ließ er denselben aussteigen, verabschiedete sich unter herzlicher Umarmung von ihm und fuhr nach Hause. Frau Carlisle hatte sich noch nicht zur Ruhe begeben, als ihr Mann zurückkehrte. Sie war eben so sehr erstaunt, als erfreut über die merkwürdige Neuigkeit, die dieser ihr mittheilte. Sie hätte schon längst gern ihre Genehmigung zur Verheirathung Elisen's mit Meseritzer gegeben, wagte es aber nicht, sich vor ihrem Mann offen auszusprechen. Sie hatte nur einmal diesen Wunsch gelegentlich leise angedeutet, derselbe hatte aber bei ihrem Manne eine sehr ungnädige Ausnahme gefunden. Elise schlief schon und erhielt daher diese Botschaft erst des Morgens in aller Frühe durch die Mutter. Sie weinte vor Freude. Um neun Uhr erschien Meseritzer im Galaanzuge. Carlisle hatte ihn in seinem Wagen abholen lassen. Es war ein eigenthümliches Gefühl, das sich in ihm regte, als er jetzt unter so veränderten Umständen dieses Haus wieder betrat, welches er vor mehreren Jahren, Erwerb suchend, mit zagendem Herzen betreten hatte, in dem er ein und ein halbes Jahr Zutritt gehabt, von welchem er tagtäglich das Wonnegefühl der ersten Liebe und klar erkannter Gegenliebe mit in seine stille Wohnung genommen hatte, zu dem ihm schließlich der fernere Zutritt in so unfreundlicher Weise versagt worden war, und vor dem er soeben in der prachtvollen, zum Hause gehörigen Equipage vorgefahren und von der herbeigeeilten betreßten Dienerschaft unter so vielen Bücklingen aus dem Wagen gehoben und in das palastähnliche Gebäude geleitet worden war, als ob die Diener schon ihren künftigen Herrn in ihm ahnten. Es bedarf wohl keiner besonder» Versicherung, daß sein Empfang diesesmal ein hochfreudiger war. Frau Carlisle blieb in herzlicher, freudiger Freundlichkeit gegen ihren Mann nicht zurück, und was Elise betraf, durfte Meseritzer sich von ihrem Empfange für sein langes Hoffen und Sehnen wohl vollständig entschädigt fühlen. Nach einigen Tagen brachten die Zeitungen die Anzeige von der stattgefundenen Verlobung des Fräulein Elise Carlisle und des Herrn Adolf Meseritzer. Carlisle hatte bei dem preußischen Consul zwei gleichlautende Dokumente ausstellen lassen, in welchen er über sein, ihm von seinem Vater bestimmtes Erbantheil in der Weise verfügte, daß die eine Hälfte desselben seiner Schwester Hannchen, verehelichte Meseritzer, die andere Hälfte der Wittwe und den Kindern seines Bruders Nathan zufallen solle. Da er eine amtliche Urkunde über die vor vielen Jahren in Amerika von Salomon Kolischer, Sohn des Michel Kolischer aus W. in Deutschland vollzogene Umänderung seines Familiennamens in „Carlisle" besaß, so konnte dem Dokumente der Erbschaftsabtretnng die nöthige Vollständigkeit gegeben und dasselve gegen alle etwaigen Bedenken sicher gestellt werden. Er schloß beide Dokumente in einen Brief, welchen er an seine Schwester und an seinen Schwager richtete und in welchem er seinen ganzen bisherigen Lebenslauf schilderte. Dieser Brief, dem auch noch ein solcher Adolf Meseritzer's und einer seiner Braut beigelegt worden waren, langte glücklich in Deutschland bei dem Adressaten an. Das betreffende Gericht verfügte auch alsbald die Auszahlung des in amtlicher Verwaltung befindlichen Vermögens nach der Bestimmung Carlisle's. Mit Carlisle war seit jenem Chewraabende