Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 80 (13.10.1890)
- Date
- 1890-10-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1452 des Romans „Gabriel" von S. Kohn begonnen. Die Uebertragung hat Dr. Schwarzfeld in Paris vorgenommen. So viel mir bekannt, erschien dieser reizende Roman des berühmten Verfassers in böhmischer, deutscher, englischer, französischer, hebräischer, holländischer, italienischer, polnischer, rumänischer und russischer Sprache, ohne Zweifel auch noch in andern Idiomen. Ein zweites Bukarester Journal, „Voacia Dreptatec", bietet seinen Lesern eine Übersetzung der schönen Erzählung „Durch Trauer zur Freude" von demselben Verfasser. Mährisch - Neustadt. Der Kaufmann Alois Ferbus ist in unserem Orte die Seele der antisemitischen Bewegung, die er, wie er mit Recht sagen durfte, erst eigentlich erweckt und bis zu einem hohen Grade von Leidenschaft entwickelt hat. Dieser unermüdliche Rufer im antisemitischen Streit, der unerschöpflich an Kraftworten war, wenn er aus das Capitel „Korruption" zu sprechen kam, hatte sich nun vor einigen Tagen vordem Kreisgerichte Olmütz als Strafgericht wegen Meineides zu verantworten. Der Angeklagte war kein Neuling mehr vor den Gerichtsschranken, denn vor Kurzem wurde er bereits ebendaselbst wegen Wuchers verurtheilt. Nach durchgeführter Verhandlung wurde Ferbus des Meineides schuldig erkannt, und zu zwei Monaten schweren Kerkers, jede Woche durch einen Fasttag verschärft, verurtheilt. Der Staatsanwalt meldete wegen zu geringen Strafausmaßes die Berufung an. Ferbus trat am 6. v. M. vorläufig die erste Strafe an, die wegen Wuchers über ihn verhängt wurde. Trieft. Eine englische Zeitung brachte jüngst die Ente: Ein Rabbiner in Triest wurde das Opfer der antisemitischen Bewegung.... Natürlich ist die Erzählung aus der Luft gegriffen, und wir würden davon kein Aufhebens machen, wenn nicht ein Wiener jüdisches Blatt dieses Märchen seinen Lesern auftischen wollte. Wir sehen uns veranlaßt, jene Nachricht darum ausdrücklich zu dementiren. Unsere socialen Verhältnisse sind Gott sei Dank ungetrübt, der confessionelle Friede wird bei uns nicht gestört. Die Wahlen zu allen Vertretungskörpern sprechen eine deutlich vernehmbare Sprache. Hier fragt man nicht nach der Confession, sondern nach der Thätigkeit und Ehrenhaftigkeit eines Mannes und Wien könnte sich in mancher Beziehung Triest zum Muster nehmen. (Oest. Wchschr.) Radosna. (Ober-Ungarn), 3. October. Vor einigen Tagen ereignete sich in unserem Komitate, wie ich in einem Blatte las, folgendes Geschichtchen: In einem Dorfe starb eine alte, jüdische Frau, welche mit ihrem Sohne ein Wirthsgeschäft gemeinsam führte. Als man die Leiche besagter Frau gewaschen hatte, nahm der Sohn das Wasser und stellte mit demselben den Spiritus zu Branntwein, wahrscheinlich, um mit demselben die Bauern zu vergiften. So war die Anzeige eines dortigen Bauers bei der Behörde. Die Untersuchung wurde bald angeordnet, aber die Aerzte konstatirten, daß der Branntwein gar keine Bemischung fremder Stoffe enthalte. Nachdem der Bauer streng verhört wurde, gestand er, daß er die Sache bloß erfunden habe, um gegen den Juden einen Racheakt auszuüben, weil derselbe ihm keinen Branntwein borgen wollte. Der Bauer wurde wegen Verleumdung zu zwei Wochen Arrest verurtheilt. Unsere Antisemiten möchten noch immer eine Tisza-Ezlaer Eszter ausfindig machen, was ihnen nicht gelingen will. — “©tu nsy imy. M. Klein. Amerika. Montreal (Canada), 31. August. Unter besonders feierlichem Gepränge und in Anwesenheit mehrerer Deputirten unseres Parlaments und zahlreicher christlicher Honorationen unserer Stadt wurde heute hier die neuerbaute spanisch-portugiesische Synagoge eingeweiht. Die betreffenden Predigten wurden von den beiden Reverends, Rabbi Meldola de Sola und Dr. Pereira-Mendes gehalten. Die neue Synagoge zeugt davon, wie die sephardischen Juden, unter welchem Himmelsstriche und in welchem Welttheile sie immer leben, ihrem alten Ritus treu bleiben. > Vermischtes. Göttingen, 20. September. Unser Rabbiner, Herr Dr. Lövp, ist zum Landrabbiner des Fürstenthums Birkenseld gewählt worden. Minden, 17. September. Gestern feierte das Moses Lö w enst ein'sche Ehepaar unter freudiger Antheilnahme aller Schichten der hiesigen Bevölkerung das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Amsterdam. Man sollte es nicht erwarten, daß in Holland das Erscheinen eines antisemitischen Organes möglich ist. Eine solche Zeitung unter dem Titel „De Talmud jood“ wird seit Kurzem in Mersen, Provinz Limburg, herausgegeben; dazu muh man wissen, daß Limburg säst ausschließlich von Katholiken bevölkert ist, die gegen die Protestanten ebenso feindlich gesinnt sind, wie gegen die Juden. Anlaß zur Gründung des erwähnten Blattes gaben die wiederholten Angriffe aus einen jüdischen Religionslehrer, welche bei verschiedenen Anlässen in einem Provinzjournal veröffentlicht wurden. Paris, 3. October. Wie französische Blätter berichten, ist der kühne Schwimmer Dalton, welcher kürzlich den Canal von Folkestone nach Boulogne durchschwamm, unser Glaubensgenosse. Paris- Die Neuwahl für den verstorbenen Direktor des Pariser Rabbinerseminars, den Herrn Dr. Trenel, soll in kür-