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Der Israelit · 1890-10-13 · Heft 80 (13.10.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 80 (13.10.1890)
Date
1890-10-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Berlin. Die Beamten der Berliner Straßenreinigung haben in diesen Tagen dem Andenken des jüngst verstorbenen Stadtverordneten Moses einen kostbaren Kranz gestiftet. Sämmtliche Bedienstete, vom Direktor bis zum letzten Arbeiter, betheiligten sich an dieser Ehrgabe, denn Alle betrauern an dem früh Verblichenen nicht allein den pflichttreuen Diener der Stadtgemeinde, sondern auch den fürsorglichen Förderer ihres materiellen Wohles. So gewissenhaft auch der Verewigte das Interesse der Stadt wahrnahm, so verstand er dennoch das Loos seiner Arbeiter zu verbessern und für ein würdiges und auskömmliches Dasein derselben zu sorgen. Sein letzter Gang nach dem Rathhause erfolgte unmittelbar vor der Operation, welche die Aerzte noch versucht hatten, um das Leben dieses Biedermannes zu erhalten. Er bat die Männer der Wissenschaft, mit dem Beginn der Operation noch ein Stündchen zu warten, da er eine wichtige Angelegenheit auf dem Magistratsbüreau zu erledigen habe. Zurückgekehrt von der Arbeit im Dienste der Commune, fügte er sich dem Willen der Aerzte, um bald darauf sein Haupt zur ewigen Ruhe zu legen. Da der schlichte Mann sich jede Feierlichkeit bei der Bestattung verbeten hatte, so ehrten ihn die Beamten seines Ressorts durch diese Widmung, welche spätern Geschlechtern Zeugniß ablegen solle von dem innigen Verhältnisse, das zwischen dem pflichttreuen Vorgesetzten und den vielen hunderten städtischen Arbeitern während der ganzen Amtsperiode des Stadtverordneten Moses bestanden hat. N. Berlin, 21. September. In der heutigen Sitzung der Repräsentanten wurde Hr. Dr. Stier aus Steinamanger (in Ungarn) nach dem Vorschläge des Vorstandes zum vierten Rabbiner gewählt, doch hat derselbe vor seinem Amtsantritt die deutsche Naturalisation zu erwerben. Wiesbaden, 30. September. Heute wurde von der hiesigen Strafkammer der Referendar Otto Siebert von hier wegen Zweikampfs zu 4 Monaten Festungshaft verurtheilt. Es handelt sich um das am 24. Febr. d. I. auf dem Schießstande der Unteroffizierschule zu Biebrich ausgefochtene Duell zwischen dem hier wohnenden Assistenzarzt der Reserve Dr. Friedländer und dem obengenannten Referendar, wobei Ersterer einen Fleischschuß in die linke Wade erhielt. Die Sache ist s. Z. in der Presse vielfach besprochen worden. In der heutigen Sitzung kam der Angeklagte gerade auf diese Besprechung des Falles in der Presse zurück und gestattete sich hierbei sehr wegwerfende Bemerkungen über eine „gewisse deutsche Presse" und „die merkwürdige Sorte Leute", die sie bedienen. Die dem Duell vorhergegangenen Ereignisse schilderte der Angeklagte wie folgt: „Es war bei Gelegenheit des am 16. Febr. d. I. im Kurhause stattgefundenen Maskenballes, als ich nach 12 Uhr mit der Schauspielerin Fräulein Meta von Dallwitz (Dallgo) in einem Seitenzimmer des Kurhauses saß. Plötzlich erschien auch Herr Dr. Friedländer, der mir von jeher sehr unsympathisch war, und welchem ich mich deßhalb nie vorgestellt habe, und fing ein Gespräch mit Fräulein D. an, indem er zu ihr sagte: „Ist Dir nicht wohl, weil Du Dich so in die Ecke gesetzt hast." Ich antwortete hierauf: „Vor zwei Minuten war ihr noch sehr wohl", worauf Dr. Friedländer mir zurückgab: „Du mußt es ja wissen!" Hierauf erwiderte ich: „Es riecht jetzt hier sosehr nach Zwiebeln, welchen Geruch Fräulein v. D. nicht wird ertragen können." Herr Dr. Fr. fragte, wie er diese Bemerkung aufzufassen habe, worauf ich erwiederte, das könne er halten, wie er wolle. Folgenden Tages schickte er mir seine Kartellträger re. Da in der Presse die Sache so dargestellt worden sei, als habe er bei dem Duell die Regeln verletzt und zu früh geschossen, so liege ihm sehr daran, daß die unrichtige Darstellung richtig gestellt werde, weßhalb er bitte, den „Unparteiischen" zu vernehmen. Dieser, Referendar v. Hinüber, sagte u. a. eidlich aus: „Ich habe das Kommando zum Schießen (Zählen von 1—3) in ziemlich raschem Tempo gegeben. Nach „Eins" feuerte S. und nach „Zwei" fiel der Schuß des Dr. Fr., dieser selbst brach aber auch sofort zusammen." Der Angeklagte bemerkte in seiner Verteidigungsrede, ihn habe im Augenblick des Duells nicht die Absicht beherrscht, seinen Gegner körperlich zu verletzen, er habe sich aber sagen müssen, dieser suche ihn zu tödten. Er sei also verpflichtet gewesen, sich seiner Haut zu wehren. In den Urtheilsgründen wurde die Schwere der Beleidigung besonders hervorgehoben. Frankfurt am Main. Vor Kurzem ist hier, 73 Jahre alt, Herr Samuel Wolf, pensionirter Ausläufer der Effekten- und Wechselbank, gestorben. Der Verblichene war der einzige Schutzmann jüdischer Confession bei dem von der freien Stadt Frankfurt in den soer Jahren errichteten Schutzmann-Korps; außer ihm gab es nur noch einen jüdischen Gensdarmen, den gleichfalls in diesem Jahre verstorbenen Oppenheimer. Im Jahre 1866 trat Wolf aus dem Korps in den Privatdienst der Effektenbank über. Frankfurt a. d. Oder. Der Haupttreffer bei der letzten Ziehung der badischen Loose im Betrage von 300,000 Mark ist unserer Glaubensgenossin, Frau L. B., zugefallen. Die Dame, eine vierundachtzigjährige Frau, durch ihre Wohlthätig-

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