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Der Israelit · 1890-09-22 · Heft 75 (22.9.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 75 (22.9.1890)
Date
1890-09-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1383 bcths unterbrochen wird, die Namcnsergänzung: p. — Luzzatto entgegen, der in seiner Einleitung zum Machsor des römischen Ritus bemerkt, daß der Autornamen p pn*’" nur einmal in unserer synagogalen Poesie dorkomme und zwar in einem Pijut des römischen Ritus zu naun na», verweist Landshut in seinem „miayn hiloy" ans eine handschriftliche innHo, in der Zunz gleichfalls den Namen p pnir" entbetft hat. Beiden Gelehrten, Luzzatto und Landshut, entging, daß der Name p pm'" sich auch in unserernrvt'D findet. Wenn aber Landshut der Meinung Luzzatto's, der den Namen tragende Autor jene* Pijut zu naun nnt? dürfte wohl der Tosaphist Ipin '"i sein, entgegentritt und die Autorschaft irgend einem gleichnamigen, sonst völlig unbekannten italienischen Pajtan vindizirt, weil er in dem Pijut eine mehr dem Styl der italienischen als der französischen Pajtanim entsprechende Diction erblickt, so dürfte er aber in der Diction unserer nrpto kaum ein von den französischen Pajtanim wegweisendes Kriterium finden, um als deren Autor nicht den Ipm gelten zu lassen. Dazu kommt, daß wir von dem jp?n '"i w i ssen, daß er, einer Pajtanimfamilied) angehörend, sich auch selbst als Pajtan versuchte"), Bestimmtes von irgend einem anderen gleichnamigen Pajtan wissen wir nicht, weßhalb cs im Allgemeinen, wo nicht triftige Judicien dagegen sprechen, nach der Regel ,/s-m ’td n’S'd pso vn" überhaupt begründeter erscheint, den auch sonst als Pajtan bekannten ipin ”'-i und nicht einen völlig Unbekannten, dessen Existenz zweifelhaft, als den Träger des Pajtannamens p prw" zu betrachten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Die Frage, ob ein Angestellter jüdischen Glaubens an seinen hoben Festtagen im Geschäft thätig sein muß, ist kürzlich in einem Spezialfalle dnrch zwei Instanzen bejahend entschieden worden. Es bandelte sich darum, daß ein Commis jüdischen Glaubens seinen Prinzipal um Urlaub für seine beiden hohen Festtage ersucht, aus bestimmten Gründen aber abschlägig beschieden war. Der junge Mann blieb trotzdem aus dem Geschäft fort, und als er infolge dessen Knall und Fall entlassen wurde, klagte er das Gehalt bis zum Quartalsschluß ein. Er hat in beiden Instanzen Unrecht bekommen. 9) Sein Großvater war “riCS!? uai, der Verfasser des Machsor Vitri, sein Onkel war Rabenu Tam, der auch ein fruchtbarer Pajtan gewesen. Ueber sein Pijut zu J7"t£f siehe Tosaph. Joma 3«. zu 3"l£'p Y'*2. Näheres bei Landshut. 10) Siehe Landshut S. 128 u. S. 108. Schlettstadt (Elsaß), 3. September. Auf dem Bankett, das am Tage der Einweihung der hiesigen Synagoge stattfand, brachte der Bezirks- Präsident, Freiherr v. Freyb erg, in sinnigen Worten und schwungvoller Form das Hoch auf Kaiser Wilhelm mit folgender Rede aus: Während Geist und Gemüth noch erfüllt sind von den Eindrücken der frommen Feier, der wir heute beigewohnt haben, so erachten wir es doch nicht für ausgeschlossen, daß wir nun auch froher Geselligkeit Rauni geben. Der allgütige Schöpfer hat uns ja diese sonnige Erde angewiesen, auf daß wir einträchtig darauf wohnen und ihre Gaben im Frieden genießen. Freilich sind wir noch weit entfernt von diesem idealen Zustande. Es sind im einzelnen Menschen, so auch in den Massen, Strömungen und Triebe lebendig, die sich dem entgegenstcllcn. Bon jeher haben Haß und Eigennutz von Individuen unter sich, die Völker gegen einander in Zwiespalt versetzt. Allein das ist grade die sittliche Aufgabe, die dem Menschen gesetzt ist, daß er durch die Kraft des Glaubens und Willens sich und der Mitwelt den Frieden erkämpfe. Darin besteht eine Hauptaufgabe jeder Religionsform. Und wir Christen geben unseren israelitischen Mitbürgern gerne das Zeugniß, daß sic in Bezug auf Gottesfurcht, gesetzlichen Sinn und Barmherzigkeit keinem andern Bekenntnisse nachstehen. Aber der Einzelne, und sei er noch so mächtig und einflußreich, ist für sich allein nicht imstande, der Gesellschaft, Duldung und Eintracht zu gebieten. Es muß der Zug der Zeit, es müssen die öffentlichen Zustände diesem Streben entgegenkommen. Freuen wir uns nun, daß wir einer Epoche und einem Staatswcsen angehören, in denen sich dem einträchtigen Zusammenleben der verschiedenen Bekenntnisse keine starren Schranken mehr entgegensetzen. Jetzt umfaßt uns alle ein gemeinsames, großes Vaterland; eine starke Staatsgewalt, deren Wahlspruch ist: „Liebet die Brüder" , schützt Freiheit und Recht. Ein junger, gottesfürchtiger Fürst, den die Vorsehung mit den seltensten Gaben und Herrschertugenden ausgestattet hat, verkörpert in sich und belebt alle guten Kräfte der Nation. Freuen wir uns, sage ich, daß es uns vergönnt ist, in dieser Zeit, in diesem Lande, unter diesem Kaiser zu leben und zu wirken. Lassen Sie uns diesem frohen Bewußtsein Ausdruck geben, indem wir unserem Allergnädigsten Herrn und Kaiser unsere laute Huldigung darbringen: Kaiser Wilhelm II. lebe hoch!" Rußland. Odessa, 13. Sept. 250 jüdische Familien verließen am Donnerstag die Stadt.

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