Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 75 (22.9.1890)
- Date
- 1890-09-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448096--30769-2478562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
1382 fcntfüeljen konnte. In allen Versen ein und derselbe Gedanke, die in Noth und Elend gewonnene Erkenntniß nämlich, daß es unmöglich sei, Gottes Strafgericht zu entweichen, und daß einzig und allein in der Rückkehr zu Gott und im Anflehen seiner Gnade Heil zu suchen und zu finden sei. Es liegt auf der Hand, daß nur dieser unterschiedlos in allen Versen sich aussprechende Gedanke auch den Gegenstand des siebenden Verses bilden kann. Um dies klarzulegen, ist es angezeigt, daß wir zunächst die in letzterem citirten Bibelstellen im Lichte jener älteren Auslegung betrachten, die dem Pajtan wohl gegenwärtig gewesen. Zn yms aipi nnx wird im Midrasch bemerkt: nnoo ixm 1^2 n^nyn ^2 x^>d nsipD 'Jff Dm iy ysyo nnis mpi "nnx ^iya iy nrn *ytr D^iy bv i^ro ^x yjdi pxn nsp iy pxn 1D3 ^y. Dem einfachen Wortverstande nach soll damit unverkennbar die Acclimationssähigkeit der menschlichen Natur ausgesprochen sein, die in allen Himmelsstrichen sich heimisch zu machen versteht. Die Phrase „njp yxi yrr^ jybi" ist Jesaja 33, 19 entlehnt und, wie Raschi^) dort bemerkt, Bezeichnung der dem Unkundigen als sinnloses Stammeln erscheinenden Sprachen der Weltvölker. Man vergleiche auch Jesaja 28,11: ninx y^2i ns»’aj&a p ."im oyn Vx 121'. Im Gegensatz zu n^'2 yxi y&b yjb will mnsns unverkennbar die klare, verständliche Mundart, die hebräische Muttersprache bezeichnen. Jetzt bleibt nur noch die Erörterung der räthselhaften Worte „ninxi nx" übrig. Nach meinem Dafürhalten ist „nx" dieJnterjection „ach!" und „rnnx" eine Pluralbildung derselben, die man. obgleich nach grammatischer Regel, Jnterjectionen inflectibel als licentia poetica dem Autor Nachsehen darf6 7). Dieser 6) Mit dem der Autor, wie später, zu ersehen, in verwandtschaftlichen Beziehungen gestanden. 7) Fürstenthal faßt niNXi nx gleichfalls als Jnterjection auf. Dem Worte mnsns wird jedoch von Fürstenth. die Bedeutung „trocken" beigelegt. Er übersetzt unsere Stelle: Und prüfst Du mich, was findest Du mehr, als trockene Klagen, ohne Styl und Sinn!" Man könnte zur Bekräftigung dieser Deutung auf Jesaja 58, 11 als die einzige Stelle Hinweisen, wo das Wort 7!17!L!1L in der Bibel vorkommt und gleichfalls „Trockenheit" besagt. Allein bei Würdigung des Satzes „jiKP l.n^ D’DDn ysPl nnP min" wird ein Beleg aus der den Sprachsatz der Weisen enthaltenden Literatur mindestens als gleichwerthig erscheinen. Ein solcher aber ist für meine von Fürstenth. abweichende Erklärung des Wortes „mnsnSD" im Targum zu Jes. 32, 4 gegeben, wo in dem Worte gleichfalls von der „Klarheit und Deutlichkeit der Sprache" die Rede ist. Auch der gegensätzliche Zusammenhang dieses Wortes oder des hebr. iiML bietet nur dann ein eclatantes Analogon zu dem gegensätzlichen Zusammenhang von „mnsns" und yiP J5yP in unserer Stelle, wenn ersteres Wort nicht „trockene Klage," sondern „klare Sprache" bedeutet. als ein Naturlaut sich der stöhnenden Menschenbrust entringende Wcheruf ist bekanntlich in vielen Sprachen gleichlautend. Daß ihn die Hebräer kannten, beweisen die Bibelstellen Ezech. 6, 11; 21, 20 und die Talmudstelle Meg. 11a: iwx-önx idx roiw ^2. Genau so, wie das hebräische „nx!" lautet das germanische „ach!" und ähnlich das romanische „all “! Aus diese Homophonie soll hier besonders hingewiesen werden und auf die tiefe Bedeutsamkeit derselben für den im Pismon behandelten Gedanken, daß gleiches Weh den vor der strafenden Gotteswaltung zu entfliehen Vermeinenden ereilt, wo immer er sich bergen möchte. Die vom ersten Menschen gepriesene Acclimationssähigkeit der Menschennatur ich habe sie, — so läßt dieser Vers die Diaspora sprechen — an mir selbst erprobt, habe ich doch bei meinem Wanderleben in Ost und West, in Süd und Nord mich heimisch machen müssen, aber wohin immer ich mich wende, 'p2ii 'nix, bei meinem Wandern wie bei meinem Lagern, nach der Emigration, wie vor derselben, \jrrn, ziehst Du Deinen Kreis um mich; xaon ^>2 ’jnsia und prüfst Du mich, ohne mich so zu finden, wie ich sein sollte, ’jmpn 'n unterwirfst Du mich so, 0 Herr, Deinem prüfenden Forscherblicke — mnxi nxl so ertönt dann aus ächzender Brust der immer gleiche Weheruf: „ach! und ach!" — gleichviel, ob nimm«, ob ich noch im Heimathlanoe den Wohlklang der Mutterspräche, ob n:'2 yxi jyp2, oder ob ich in fremden Himmelsstrichen die unverständlichen Sprachen der Völkerwelt vernehme. Mit letzteren sind insbesondere die deutsche und die französische Sprache gemeint, die in den ähnlich klingenden Weherufen „ach!" und „ah!" die schmerzdurchwühlte Brust austöncn lassen, welcher Gleichklang an das gleiche Weh und den gleichen Schmerz erinnern, von dem Frankreich's wie Deutschlands Judenheit zur Zeit des Autors war heimgesucht worden. Denn es ist dieser nachweislich kein anderer, als VxiDtr p pnsr, der bekannte Tosaphist Ipin '"1, Raschi's Urenkel, der, der Kreuzzüge Schrecknisse und Leiden miterlebend, deren Wirkungen auf das Gemüthsleben der davon betroffenen Judenheit in den bewegten, Wehegefühl und Andachtsinnigkeit athmenden Accorden seines seelenvollen Pismon wiederklingen läßt. In unseren Ausgaben ist an der Spitze des Pismon blos bemerkt: pnir 2>xi2 uw Dinm. Doch ergeben die Initialen, mit denen die Schlußsätze der folgenden Verse beginnen, und durch welche die Reihenfolge des die vorhergehenden Sätze einleitenden Alpha - 8) Die Autorschaft von Ps. 139 wird ihm Sanhdr. 38 a zugeschrieben. Siehe auch Raschi Lad. Latd. 14 d zu D1X ’"y ywxin.