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Der Israelit · 1890-09-22 · Heft 75 (22.9.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 75 (22.9.1890)
Date
1890-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1378 das dortige Judenviertel besuchen, um die Seidencultur und die Seidenweberei daselbst durch den Augenschein kennen zu lernen, da er schon viel Rühmliches von diesen beiden Industriezweigen vernommen habe. In Bokhara gibt es nämlich heute circa 6000 jüdische Seidenweber, welche die schönsten Stoffe liefern, die sogar auf die Märkte von Nischny-Nowgorod, Odessa, Lyon 2c. kommen. Diesen Industriezweig haben die Juden von Persien nach. Bokhara verpflanzt und so ihrem neuen Vaterlande, das ihnen gastfreundlich seine Thore öffnete, eine recht ergiebige Goldquelle verschafft. In Bokhara gibt es sogar einige Rabbiner, die am Tage am Webestuhle sitzen und den Stoff zu einem Seidenkleide erzeugen, und in der Nacht im Worte Gottes forschen. Ferner hat uns der Herr Minister mitgethetlt, daß der Bau der sibirischen Bahn, welche Petersburg mit Wladiwostok oder eigentlich die Ostsee mit dem Großen Weltmeere verbinden und so eine Länge von circa 1200 Meilen haben wird, unverzüglich in Angriff genommen und binnen fünf Jahren auch fertig gestellt werden soll. Da nun in Sibirien mehrere kleinere jüdische Gemeinden existiren, deren Mitglieder oft wochenlang unter furchtbarem Schneegestöber und in der grimmigsten Kälte reisen müssen, bis sie in eine größere nbnp (Gemeinde) kommen, wo sie sich dann mit den für das religiöse Leben und den Gottesdienst nöthigen Objecten versehen können, so wird auch diesen Armen die neuzubauende Eisenbahn sehr zu statten kommen. Und wird einst der pm (wahre Erlöser) kommen, um uns wieder in das Land unserer Väter zurückzusühren, dann werden gleichzeitig mit den deutschen, sranzösischen, amerikanischen, chinesischen 2c. 2c. Juden auch die sibirischen in Jerusalem eintreffen können, um dort den Grundstein zum dritten und letzten Tempel zu legen, lso* |sro yn „Deine Kinder werden mit Pfeilgeschwindigkeit cinherkommen," hat der Prophet gesagt und diese Worte werden auch in Erfüllung gehen. Alle Länder der Erde, wo Juden wohnen, sind bereits von Eisenbahnen durchzogen oder werden es in wenigen Jahren sein, während sich aus allen Meeren und Flüssen schon Dampfschiffe tummeln, so daß es uns an schnellen und bequemen Fahrgelegenheiten nicht fehlen wird, cn .*]npi Dfföi 1s,-p' otPDD’Btfn nsp3*]mj nw „Wenn Du auch bis an das Ende des Himmels verstoßen sein wirft, so wird Dich der Herr, Dein Gott, auch von dort versammeln und von dort herbeiholen. (Deuterom. XXX, 4). Schließlich habe ich noch eine auf die Annäherung auf die Juden untereinander bezügliche Nachricht 'mitzutheilen. Die Israeliten in Bokhara erhalten nämlich eine Effectenbörse, deren Geschäfte vom dortigen russischen Gesandten werden überwacht werden. Gründer dieser Börse ist der Emir von Bokhara, Said Mir Abdul Ahad Khan, selbst. Im kommenden Jahre wird es also den Israeliten von Frankfurt, Berlin und Hamburg schon möglich sein, auf der Börse von Bokhara Schlüsse zu machen und ebenso auch umgekehrt. So rücken sich die Söhne Jacob's aus allen Theileu der Welt immer näher und näher, um schließlich wieder eine geeinigte Familie zu werden. Feuilleton. Eino Nelrnttnto AMelodio. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Die Mahlzeit begann. Als die Korkpfropfen von den Weinflaschen knallten, begann bei der Tischgesellschaft die ernste Stimmung, welche der Vortrag Kirschner's hervorgerufen hatte, der Heiterkeit Platz zu machen, nnd manches geistreiche Wort und mancher heitere Toast ließ sich vernehmen; nur Earlisle blieb still und in sich gekehrt. Er konnte den Eindruck des ihm vorgeführten Lebensbildes seines Schwiegervaters nicht so schnell wieder los werden. Es war ganz augenscheinlich, die Natur hatte die starre Kruste gesprengt, die er eigenwillig um sein Herz gelegt hatte. Kirschuer hatte eine kleine Bresche in die so eigensinnig in seinem Innern aufgerichtete und scharf bewachte Festungsmauer gelegt. Vielleicht tritt dadurch eine Umwandclung seines bisherigen Wesens ein, die sein eigenes Naturell wieder zur Geltung bringt; denn so viel steht fest, wenn ein absichtlich lang zurückgedrängtes Naturell sich durch irgend einen Zufall einen, wenn auch nur kleinen Durchbruch verschafft, dann weiß es auch sehr gut, sich wieder in den Besitz der ihm gebührenden Herrschaft zu setzen, Das hat die Erfahrung schon oft gelehrt. So empfindlich Ferdinand Kirschuer die in der Angelegenheit Meseritzer's durch Meixner's Dazwischentreten erlittene Niederlage schon an und für sich selbst war, so unangenehm wurde sic ihm bei späterer tteberlegung noch besonders durch eine sich daran knüpfende, ihn sehr beunruhigende Erfahrung. Er war nämlich durch diesen Vorgang zu der Einsicht gelangt, daß Meixner in der Gemeinde eine große Partei hinter sich hat. In zwei Monaten war Kirschner's Amtsperiode als erster Vorsteher der Gemeinde zu Ende. Er hatte sich viel Mühe gegeben, zu diesem Amte zu gelangen und war in zwei Wahlperioden gewählt worden. Er wünschte gar sehr, daß sein Name auch diesesmal wieder siegreich aus der Wahlurne hervorgehe. Es ist mit

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