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Der Israelit · 1890-09-22 · Heft 75 (22.9.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 75 (22.9.1890)
Date
1890-09-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1375 reicheren Juden sollten jedoch den ärmeren zu Hilfe kommen und eine Deputation erwählter einflußreicher Delegirten sollte dem Zaren starke Vorstellungen machen. Zeitungsnachrichten nud (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 12. Sept. Die Stadtverordnetenversammlung verhandelte gestern über den Antrag des Wahlprüfungsausschusses, die Wahl des Redacteurs Dr. Bachler für ungiltig zu erklären. Nach längerer Berathung wurde folgender Antrag des Stadtverordneten Spinola mit großer Mehrheit angenommen: Bevor die Versammlung über die Giltigkeit oder Ungiltigkeit der Wahl des Redakteurs Dr. Bachler zum Stadtverordneten entscheidet, ersucht sie den Magistrat: a) die Beweisaufnahme durch protokollarische, nöthigenfalls zeugeneidliche Vernehmung des Stadtverordneten Pretzel und des Vorstehers des 37. Stadtpostamtes sowie durch Einholung einer amtlichen Auskunft der kaiserlichen Oberpostdirektion bezw. durch sonstige geeignet erscheinende Beweiserhebungen zu ergänzen, sodann aber d) die Verhandlungen dem Ausschüsse behufs erneuter Berathung und Berichterstattung zugehen zu lassen. Berlin, 12. September. Es ist interessant und lehrreich, wie sich die brave „Kreuzzeitung" zu den russischen Judenverfolgungen stellt. Das fromme Blatt schreibt: „Ob in Rußlund wirklich Maßregeln gegen die Juden geplant werden, oder ob cs sich nur um einen „Schreckschuß" handelt, ist noch nicht recht klar. Die offiziöse Ablengnung, die vor Kurzem durch die Presse ging, konnnt ohne Zweifel von dem Finanzminister her, dem mit derartigem gerade jetzt, wo der Rubelkurs im Steigen ist, am wenigsten gedient sein kann. Selbst wenn die Nachricht aber begründet wäre und, wie die „Daily News" behaupten, im Herbst die Veröffentlichung der in Aussicht gestellten Anordnungen erfolgte — so würde das an der thatsüchlichen Lage weniger ändern, als man in Westeuropa annimmt. Schon die übermäßige Menge des Angedrohten läßt vermuthen, daß es an Hinterthüren nicht fehlen kann und wird. In der Praxis dürfte es sich, den schlimmsten Fall angenommen, denn auch diesmal nichts anderes Herausstellen, als daß die Juden zu neuen „Abgaben" an das überwachende Beamtenthum herangezogen werden, das aus allen „Blumen" Honig zu sangen versteht." Sinnt, d. Red. Die „Kreuzzeitung" scheint demnach von den bereits stattgehabten Atassenauswandernngen aus Odessa nichts gehört zu haben. Leipzig, 12. September. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 72 und 73 bringen Sie die von mir veröffentlichten Worte der Königin Louise. Dieselben sind meiner Arbeit: „Zur Erinnerung an die Königin Louise" entnommen. Dieselbe hat im „jüdischen Cantor" gestanden — und war meinerseits der Nachdruck verboten! Die „Jsr. Wochenschrift" hatte somit keine Befugniß, ohne jede Quellenangabe meine Arbeit nachzudrucken! Auf Grund des Preßgesetzes bitte ich um Berichtigung. Karl W i e s e n t h a l. Bom Rhein. Der soeben erschienene Rechenschaftsbericht des israelitischen Waisenhauses zu Dinslaken bietet ein recht erfreuliches Bild kräftiger Entwickelung dieser verhältnißmäßig jungen Anstalt. Von Jahr zu Jahr konnte einer immer größeren Zahl von Waisen Aufnahme gewährt werden. Im vergangenen Jahre wurden fünf Kinder neu ausgenommen, während nur eines entlassen wurde. Die Verwaltung dankt herzlich all' den Gönnern und Wohlthätern, die bisher treu dem Hause beigestanden haben. Insbesondere hebt der Bericht hervor: Zu dem bisherigen kräftigen Vorwärtsschreiten haben außer den jährlich Beitragenden besonders diejenigen mitgewirkt, welche durch Stiftung eines ty'ip für sich oder theure Singehörige ein ewiges Andenken in unserem Hause sich errichtet haben. (Das Stiftungskapital beträgt 300 Ai.) Diese Stiftungen stehen im Stiftungsbuche, sowie in unserem Betsale für ewige Zeiten verzeichnet. Möchten doch, so wiederholen wir unsere bisherigen Mahnungen, sich auch ferner recht Viele finden, die sich oder ihren Angehörigen ein so schönes und unvergängliches Denkmal für ewige Zeiten setzen. Indem der Bericht noch die beiden Stiftungen der Herren P f u n g st und S i n z h e i m e r aus Worms erwähnt, schließt derselbe mit einem nochmaligen Appell an das Wohlwollen aller Edeldenkenden. Einnahmen und Stusgaben pro 1889/90 bilanziren mit circa 19,000 M. Synagogen. Bureaux und Hotels, welche bereit sind, eine der elegant ausgestatteten Almosenbüchsen aufzuuehmen, werden gebeten, dies der Verwaltung freundlichst mittheilen zu wollen. Zweibrücken, 10. September. Herr Dr. Mayer, Bezirksrabbiner in Zweibrücken, versendet an die Gemeinden seines Bezirks ein Rundschreiben, indem er sich über das Thema „unsere Umgangssprache" also ergeht: Eine talmudische Vorschrift verlangt, daß wir Gott für das Böse nicht minder loben sollen als für das Gute. Auch das, was uns böse erscheint, trägt oft Keime zu unserer Besserung und Veredlung in sich. Einen schmerzlichen, aber triftigen Beweis für diese Wahrheit liefert uns die schon seit Jahren in unserem Vater-

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