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Der Israelit · 1890-09-18 · Heft 74 (18.9.1890) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 74 (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1358 Vekennntuiß unserer Sünden mit der Anklage einleiten, daß wir demjenigen, was uns zwingen wollte, Gottes Willen entgegen zu handeln, nicht den sittlichen Widerstand entgegen gesetzt haben, der stark genug ist jeden Zwang zu bezwingen. Wenn wir uns nun doch von Lockungen und Drohungen aller Art zwingen ließen, wo wir unbczwinglich hätten ausharren sollen, wenn wir weich und biegsam waren, wo wir hätten hart und unbeugsam sein sollen, so klagt uns diese Gefügigkeit und Weichheit doppelt an, wenn wir gleichzeitig hart waren, wo wir Hütten weich sein sollen, wenn wir unser von Haus aus weiches, warmsühlendeS Herz hart und kalt werden lassen, weil wir uns nbn pos der Verhärtung unseres Herzens schuldig wissen. Wie viele von denen, welche sich am Jom Kippur auf ihr Herz schlagen, wissen es nicht einmal, daß es hart geworden ist im Laufe der Jahre, weil sie die Anforderungen nicht mehr kennen, die Gottes Gesetze an das jüdische Herz stellt; wie sich dasselbe auch hier nicht mit der bloßen edlen Regung begnügt, sondern die Hand, die Thai, den ganzen Menschen fordert. Mag überall die Liebe, welche Menschen sonst üben, einer edlen Regung entspringen, und mit dieser Regung auch wieder schwinden, das Wohlwollen, das wir bethätigen sollen, ist wie sein Name — npnrr — sagt, eine Sache der Gerechtigkeit, der Pflicht. Der jüdische Mensch, der diese seine Pflichten nicht kennt, kann nicht einmal gut sein, oder kann wenigstens nicht gut handeln nach dem Willen Desjenigen, der die Liebe in unser Herz gesenkt hat. Ist mit dem Vekenntniß :6n posa y&b usoncy n"j/ die Eisrinde gewichen, die sich um unser Herz gelagert hat, ist unser hart gewordenes Herz wieder weich und mitfühlend geworden, dann vermissen wir mehr als je die Kenntniß der Normen, innerhalb welcher seine Regungen sich nach Gottes Willen bewegen sollen, dann fällt die Unwissenheit uns schwerer als je auf die Seele, und läßt uns die Sünde bekennen, die in unserer Unwissenheit besteht. usontp rry njn ^33. Unsere Unwissenheit, die ungenügende Kenntniß unseres Lebensgesetzes ist der Quell alles Leids und Wehs im Leben des Einzelnen, wie in unserem Gesammtleben. Wen Leiden treffen, ohne daß sich eine Veranlassung anffinden ließe, durch die sie verdient wurden, der mag sie nach der Andeutung der Weisen von seiner Vernachlässigung der Thora, also von dieser Sünde der Unwissenheit herleiten. Wie ist diese Unwissenheit in den jüdischen Reihen systematisch groß gezogen worden und wie wächst bereits eine zweite und dritte Generation in dieser fast vollständigen Unkenniniß aller unserer heiligsten dringlichsten Anliegen heran! Und wenn es auch je Zeiten gegeben haben mag, in welchen die Unwissenheit in alle;! Disciplinen der Thora noch größer gewesen wäre als sie heute ist, so gab es doch wohl nie eine Zeit, in welcher die vollständige Unwissenheit mit einer solchen Anmaßung gepaart auftrat, und mit hohlem tönendem Wortschwall sich und andere über den Mangel an Wissen und Gewissen, an geistigem und an sittlichem Fonds zu täuschen sucht. Wir leben unter dem Zeichen der Phrase, die alles beherrscht und den letzten Rest jedes guten Keims zu überwuchern droht, dtp Die Weisen unseres Volkes ziehen sich schweigend zurück, und die Unwissenden drängen laut polternd vor. Und es sollte umgekehrt sein! D’öarfc np’nttf ns' nomi bp. Wenn das Schweigen den Weisen ziert, wie ziemt es sich erst dem, der nicht weise ist! Nichts wissen und doch das große Wort führen, das ist die Verbindung von usöntp n"y nj?“I ^33 UNd DTlDItf ’1Ü33 UNÜPlff l1"p. Das Sündenbekenntnif; mag auch Versündigungen aufführen, von welchen sich viele frei wissen. Es ist wie unsere sämmtlichen Gebete in der Mehrzahl abgesaßt und macht denjenigen, der eine Sünde bekennt, von der er sich sicher frei glaubt, zum Fürsprecher seiner irrenden Brüder, mit welchen ihn die gleiche Sühnebedürftigkeit brüderlich in ein Band eint. Die Sünde trennt, ihr Bekenntniß verbrüdert. Der erste Schritt zur Versöhnung mit Gott, ist die Verbrüderung aller derjenigen, welche das gleiche, hohe Ziel anstreben. Die drei Worte: ttsvn urus b3s, W a hrli ch, wir haben gesündigt! bilden daher den eigentlichen Inhalt des Sündenbekeuntnisses. Wer sie je gesprochen und von ihrer ganzen Bedeutsamkeit erfaßt wurde, über den hat keine überirdische Macht mehr Gewalt. (Midrasch Bamidbar Rabba E. 20). ps ’nst;n hdni minm ans nöto ivd 13 Vl'b ’StiH. Das ist die Wunderkraft, die dem Sündenbckenntniß des Versöhnungstages innewohnt. ZciLuugsnachrichtett »rud Correspoudetizerr. Deutschland. Lechenich, 9. September. Die von der verstorbenen 5k aiseriu Au gu st a gehegte Sympathie für unsere Glaubensgenossen dürfte genügend bekannt gewesen sein. Alljährlich besuchte die hohe Verstorbene die jüd. Alterversorgungs-Anstalt in Berlin. Durch eine testamentarische Anordnung hat sie auch in Eoblenz der Krone der Wohlthätigkeit einen bcsondern Edelstein eingefügt. In der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten daselbst

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