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Der Israelit · 1890-09-18 · Heft 74 (18.9.1890) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 74 (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1857 neu und Gottes Nachsicht für sie erbitten. Wir mögen unser bereits begangenes Unrecht, das offenbar vor uns daliegt, kennen, aber Gott, der jede Falte unseres Innern kennt, der Herz und Nieren prüft, dem nichts verborgen ist, kennt auch die Sünde, der wir in einem schwachen Augenblick wieder verfallen können, psn vr pai, dcßhalb, weil Gott nichts verborgen ist, weil er schon jetzt unsere künftige Schwäche kennt, an deren Möglichkeit wir kaum zu glauben wagen, bedarf es des vollen, in seiner Tiefe uns unfaßbaren göttlichen Wohlwollens, um die hinter uns liegende Schuld zu sühnen. Das Sündenbekenntniß ist alphabetisch geordnet. Unsere Fehler und Jrrthümer, unser Wahn und unser Trotz, wie sie im täglichen Leben zum Ausdruck kommen, sind an und für sich unmessbar und unzählbar. Sie sind so mannigfach und bunt wie das Leben selbst mit seinen Anlässen und Gelegenheiten, die uns zum Ablenkcn von der rechten, von Gott gewiesenen Bahn verleiten. ’Möy ns* söy xb om p-n rt>y ’NDn nx Weil daher jedes, auch das längste und detaillirteste Bekenntniß niemals alle Fehler und Sünden aufführen kann, ein unvollkommenes aber den Glauben erwecken könnte, als hätten wir keine anderen als die namhaft gemachten Vergehungen zu bereuen, so haben die Ordner unserer Gebete, indem sie das Sündenbekenntniß an das Alphabet knüpften, damit angedcutet: Das Bekenntniß unserer Vergehungen beschränkt sich auf die hier angeführten, weil das Alphabet zu Ende ist, weil der Rahmen voll ist, der sie umfaßt. Daß in Wirklichkeit aber die Zahl ^unserer Verirrungen weit über das Alphabet hinausgeht, wird durch das doppelte Alphabet angedentet, welche das große Sündenbekenntniß repräsentirt. Die beiden Vergehungen, die unter einem und demselben Buchstaben rubricirt sind,"stehen immer in einer gewissen Verbindung rcsp. Gegensatz, durch welchen das begangene Unrecht noch schärfer von allen Seiten hervortritt. Eine eingehende Würdigung des großen Sündenbekenntnisses in den feinen Nuancen seines ganzen Wortlauts, würde den diesen Zeilen zur Verfügung stehenden Raum weil überschreiten. Es sei daher nur aus die ersten Sätze beispielsweise verwiesen, die dem aufmerksamen Leser genügen dürften, sich danach über die anderen Theile von selbst zu orientiren. Ist doch füglich der beste Erklärer des Sündenbekenntnisses jeder einzelne Beter selber, der je nach Individualität und Eharakter das eigene Leben und Streben, Thun und Lassen hier in seltener Treue gezeichnet findet. : ptm DJN3 7^ UNDntr xm bv -.aVn pota tjdV umw xcn tyn Wir bitten zunächst um Verzeihung der Sünden, die wir vor Gott begangen haben aus Zwang und mit freiem Willen, und ferner aus Härte des Herzens. Indem die immer wiederkehrende Formel nicht UNörw n"x lautet, wie wir dem Sprachgebrauch gemäß hätten erwarten sollen (’nxtsn 112u. a. nt.), sondern wird uns die Erwägung nahe gelegt, daß viele der hier ausgeführten Vergehen, in den Augen der Menschen, nach der ganzen Richtung der Zeit oft gar nicht als solche gellen. Vielfach gilt sogar durch Sitte und Mode und auf Grund stiller Vereinbarung etwas für ganz in der Ordnung was nach Gottes Wort ein zweifelloses Unrecht ist. Das ganze Jahr täuschen sich auch viele über ihr Unrecht durch das Bewußtsein hinweg, daß das was sie üben auch von hundert Anderen begangen wird. Erst am Jom Kippur, wenn alles andere vorder überwältigenden Heiligkeit des Tages zurücktritt, wird uns die Wahrheit in ihrer ganzen Bedeutsamkeit klar: Wie Menschen auch über unsere Schwächen und Fehler denken mögen, ob sie dieselben nicht einmal als Sünden verurtheilen, oder gar noch als Tugend preisen mögen, y&b, vor Dir 0 Gott, nach dem wandellosen Maßstab Deines Willens gemessen, haben wir gesündigt, aus Zwang und mit freiem Willen. Nichts ist leichter als Menschen gegenüber eine Zwangslage zu singiren und sich in diese Fiktion so fort und fort jhineinzutäuschen und hineinzuleben, daß man endlich an einen wirklich bestehenden Zwang glaubt. Der Entweiher des Sabbat gibt vor durch seine Concurrenz gezwungen zu sein, das Zeichen dessen zu profanisiren, der mit seinem Wort Himmel und Erde geschaffen, seine Gesundheit zwingt ihn die Speisegesetze zu übertreten, der Zwang des ganzen Geschäftsganges macht ihm die Einhaltung der Ribbis-Gesetze unmöglich, seine knappe Zeit zwingt ihn dem Lernen der Thora und der Erfüllung ihrer Mizwah den Rücken zu kehren. Wo gibt cs eine Thorheit und Verkehrtheit, einen Fehler und einen Leichtsinn, in dem sich nicht ein Zwang plausibel machen läßt, dem der eine ungern, der andere aber ganz bereitwillig nachgibt, bis die Grenzlinie zwischen Dm und psn, zwischen Zwang und freiem Willen, so vollkommen verwischt wird, daß man nicht mehr weiß, wo der eine aufhört und der andere anfäugt. Wie viele haben unter dem Banne des vermeintlichen Zwanges erst widerwillig das Gesetz Gottes verletzt, und es denn späterhin muthwillig ans freien Stücken mit Füßen getreten l Vor Menschen mag dieser vermeintliche Zwang als wirklicher gelten aber — 7^ — vor Gott mag wohl das

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