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Der Israelit · 1890-09-18 · Heft 74 (18.9.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 74 (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1350 Dir fliehen. „Und alle Völker der Erde werden sehen, daß der Name des Ewigen genannt ist über dich, und werden sich vor dir fürchten", so verheißt die heilige Schrift weiter. Alle Völker der Erde sahen mit Staunen, daß das geeinte deutsche Volk, dem der unvergeßliche siegreiche Heldenkaiser eine auf den Prinzipien der Freiheit gegründete Verfassung gegeben hatte, denn doch ein Volk sei, dem eine höhere weltgeschichtliche Bestinnnnng innewohne und fürchteten sich vor ihm. Am Schluß seiner Rede wies der Herr Oberrabbiner noch darauf hin, wie der blutige Kampf aller Deutschen verschiedener Konfessionen, ob dieselben die Majorität oder Minorität bildeten, friedlich mit einander vereint habe, als dieselben gemeinsam für die Einheit Deutschlands fochten. Mit dem Wunsche, daß diese friedliche Vereinigung der Confessionen auch im bürgerlichen Leben, welches ja auch einen Kampf bilde, stattfinden möge, schloß der treffliche Redner seine Ansprache. Dieselbe hintcrließ bei den zahlreich Versammelten einen tiefen Eindruck und allgemein wurde, hoffentlich nicht vergebens, der Wunsch geäußert, die tiefdurchdachte Rede dem Druck zu übergeben. Mit einem Gebet für den Kaiser und den hohen Senat und der Absingung einiger Psalmen schloß die erhebende Feier. Leipzig, 11. September. Am 9. September veranstalteten die Antisemiten eine große Volksversammlung in der Tonhalle, die von nahezu 2000 Personen besucht war. In der Versammlung bemerkte man die Chefs der größten hiesigen Handelshäuser. Fritsch sprach über das Thema: Mißstände im Handel und Gewerbe und erzielte Beifall. Seine Ausführungen waren sehr mäßig und nicht durchweg antisemitisch. Soweit er die Juden in Erwähnung brachte, konnte man, ohne voreingenommen zu sein, seinen Ausführungen nur zuftimmen, denn wo es sich um Pflege der Rechtlichkeit und Hebung des soliden Geschäftes handelt, da stimmen auch alle ordentlichen Israeliten bei. W. Sängern vorgetragene Choral „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehre", schloß die würdige Feier. Gr. Zimmern. Gestatten Sie mir, geehrtestcr Herr Redacteur, heute von dem Ableben eines Mannes zu berichteu, dessen erhabene Tugenden auch in diesen Blättern erwähnt zu werden verdienen. Am vergangenen Montag, den 1. September, starb dahier Herr Samuel E h r m a n n II., Vorstand der tnari, ein Mann von echter Religiosität, von edlem Character und aufrichtiger Menschenliebe, einer jener Männer, die mit dem hl. Feuer unserer ntpnpn uroiöN überall eintreten für das unverfälschte Jndenthum, für Wahrheit und Recht, niit einem Wort, ein Mann, dessen Leben ein rm-i Ernp war. Sich bei allen Confessionen einer unbeschreiblichen Beliebtheit und eines unbegrenzten Vertrauens erfreuend, hat die Kunde von seinem Tode große Trauer und herben Schmerz wachgerufen. Davon legte sein am 3. September ftattgefundencs Leichenbegängniß beredtes Zeugniß ab. Aus Nah und Fern waren sie herbeigeströmt, Juden und Christen, um dem Edlen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Hause hielt Herr Lehrer Spier eine ticfergreifende Leichenrede. In dem ersten Theile derselben dem allgemeinen Schmerze Ausdruck verleihend, hob er in dem 2. Theile unter Zugrundelegung der Worte: an onna ntthv, l-Taa by nViy aus uv anai 'ui nun nna, die hervorragenden Eigenschaften hervor und schloß seine treffliche Predigt mit der Mahnung, daß Juden und Christen auch im Leben immer friedlich miteinander verkehren möchten, eine Mahnung, die in unserer trüben Zeit des confessionellen Haffes um so mehr angebracht war und mächtigen Eindruck machte. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß verschiedene politische Blätter in Darmftadt und Dieburg im redactionellen Theile Nachrufe dem Verstorbenen widmeten, rrasun. L. E. aus Frankfurt a. M. Uffenheim. (Synagogenweihe.) Freitag Mittag wurde dahier die von der hiesigen Kultusgemeinde neuerbaute Synagoge eingeweiht. Zu dieser einfachen aber erhebenden Feier waren aus Einladung die Herren Beamten, Geistlichkeit, Magistrat, Gemeindekollegium, sowie sehr zahlreiche Einwohner erschienen. Nachdem von den Herren Sängern des Bürger-Vereins der Choral „die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", vorgetragen, übergab der Kultus- Vorstand, Herr M. Goldschmidt, den Schlüssel an Herrn Bezirksamtmann Zinn. welcher nach einer trefflichen Ansprache sodann die Synagoge eröffnete, worauf der hochbetagte Rabbiner Herr Grüuebaum von Ansbach die Festpredigt, die allgemeine Anerkennung fand, abhielt. Der von erwähnten Herren Rimbach tut Odenwald, 9. September. „Wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig bei einander wohnen." An dieses Bibelwort wurden wir auf die angenehmste nnd erfreulichste Weise bei Gelegenheit der Feierlichkeiten erinnert, welche unsere israel. Gemeinde am Schabos ssn ■»a 's zum 50jährigen Jubiläum ihrer Synagoge veranstaltet. Seit Wochen und Monaten rüstete sie sich zu diesem Feste und hatte sich hierbei der lebhaftesten Theilnahme der gesammten Ortsbevölkerung, (besonders der Honorationen zu erfreuen. Endlich kam der laug erwartete Tag heran, der unserem lieben Rimbach in der That ein sehr festliches Aussehen gab. Von vielen, selbst christlichen Häusern wehten die Flaggen. Die Synagoge prangte in dem reich-

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