Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 74 (18.9.1890)
- Date
- 1890-09-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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r 1351 sten Pflanzen- und Blumenschmuck, der ihr zum größten Theil von den christlichen Mitbürgern zugewendet wurde. Um 10 Uhr Vormittags fand programmgemäß der Festgottesdienst statt, zu dem sich außer zahlreichen Israeliten aus den Nachbargemeinden auch die christlichen Honorationen, unter ihnen Herr Dekan Fuchs nebst Familie, einfanden. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Selver aus Darmstadt, und machte dieselbe einen tiefen Eindruck auf alle Zuhörer. Ausgehend von Psalm 26: „'so pmt*" „Ich wasche meine Hände in Unschuld, daß ich schreiten darf um Deinen Altar" , führte der Redner in ebenso ergreifender wie lehrreicher Weise aus, daß der Besuch des Gotteshauses vor allem dazu beitrage, die Gewissen zu schärfen und den Antrieb gebe, unsere Fehler und Sünden zu erkennen und abzulegen. In dem Streben nach Gerechtigkeit vor Gott, nach dem rechten Verhältniß zu Gott, finden wir das rechte Verhältniß zu den Nebenmenschen. Darum sei nur in dem Streben nach Gerechtigkeit und treuer Pflichterfüllung ein Band der Vereinigung und Einigkeit gegeben, die einzige Gewähr und Grundlage friedlichen Zusammenlebens und Zusammenwirkens. Insofern nun das Gotteshaus das nach außen hin sichtbare Zeichen ist, daß in der israel. Gemeinschaft dieses Streben lebendig sei und gepflegt werde, daß sie unverbrüchlich festhalte an dem Gottesbunde vom Sinai, festhatte an den offenbarten Geboten der Menschenliebe, Sittenreinheit und Lebensheiligung. verdanken die Israeliten ihren Gotteshäusern neben dem rechten Verhältniß zu Gott, auch das rechte Verhältniß zum Vaterlande, das Vertrauen seitens ihrer Mitbürger, die Anerkennung ihrer culturellen Ebenbürtigkeit." Ebenso erhebend und erfreulich gestaltete sich der weitere Theil des Festprogramms. Abends um 8 Uhr war Festessen. Bei diesem wurden mehrere Toaste ausgebracht, von denen namentlich der des Herrn Westheimer, Herrn Bürgermeisters T ra ut m a n, Herrn Baumeisters K app a'i hervorzuheben sind. Letzterer toastete auf das gute Einvernehmen und die herrschende Einigkeit zwischen den verschiedenen Confesfionen der Gemeinde Rimbach und sprach den Wunsch aus, daß dieser erfreuliche Zustand auch fernerhin bestehe. Herr Bürgermeister Trautmann brachte ein Hoch auf die hiesige israelitische Gemeinde aus und hob hervor, daß gerade die Israeliten es sind, die sein Amt erleichterten und ihre Bürgerpflichten getreulich erfüllen. Möge das Echo dieses schönen Festes, das von dem schönen Einvernehmen der Rimbacher Bürger ein so erfreuliches Zeugniß ablegte, weit hinaüsdringen ins geliebte Hessenland und überall die Dämonen des Unfriedens und der Zwietracht bannen, die man neuerdings wieder heraufbeschworen hat. Schweiz. Basel, 17. September. Am Montag den 8. September wurde in der Sitzung des Großen Rathes über die Petition der israelitischen Gemeinde um Gewährung einer Subvention für den Synagogenbau verhandelt. Die Debatte hielt sich, wie anerkannt werden muß, in den Grenzen der Sachlichkeit. Nur Dr. Sigmund, der Schlachthausverwalter und Erfinder der Schußmaske, konnte sich nicht enthalten, seine Lieblingsidee von der Abschaffung des Schächtens in die Verhandlung zu ziehen. Er machte die naive Bemerkung, man solle den Israeliten durch Gewährung der Subvention entgegenkommen, man dürfe dann hoffen, daß auch sie in der Schächtfrage endlich entgegenkommen würden, was allerdings, wie er in richtiger Erkenntnis; hinzufügte, von dein jetzigen Rabbiner und den jetzigen Spitzen der Gemeinde nicht zu erwarten sei. Die Gegner der Petition stützten sich auf §. 19 der Verfassung, welche nur die Protestanten und die Altkatholiken anerkennt und selbst die viele Tausende zählenden Römisch-Katholischen ignorirt und von jeder Unterstützung für den Cultus ausschließt, weil sie das Aufsichtsrecht des Staates nicht anerkennen wollen. Mit diesen stellte man die Israeliten auf eine Stufe, obgleich sie sich bereit erklärten, sich unter den Staat zu stellen. Die Petition, die übrigens allgemein als billig und gerecht bezeichnet ward, wurde schließlich mit 52 gegen 25 Stimmen durch Uebergang zur Tagesordnung abgewiesen. O e st e r r. Ungar. Monarch: c . Wien, 2. September. Es ist dieser Tage eine Flugschrift, als deren Verfasser sich Dr. Oskar Hein nennt, erschienen, welche angesichts des Umstandes, daß der in vielen antisemitischen Prozessen wenig rühmlich genannte Mechaniker Ernst Schneider eben jetzt wieder einen Gewerbe-Genossenschaftstag einberuft, sich die Aufgabe stellt, diesen nun schon genügend bekannten Agitator in seinem wahren Lichte darznstellen. Insbesondere enthält die Flugschrift den photographischen Abdruck eines Originalbriefes des Mechanikers Schneider an den ehemaligen Sekretär desBayrischenHandwerkerbnndes, Altenburger, in welchem Schneider diesen zur Abgabe eines falschen Zeugnisses vor Gericht auffordert; ferner zahlreiche Urtheile der Parteigenossen Schneiders über dessen Treiben, deren Wiedergabe, weil dieselben ehrenrührigen Inhalts sind, wir unterlassen. Im Ganzen genommen, stellt diese Broschüre mit ihrem vernichtenden Material den Mechaniker Schneiderin einem Lichte dar, daß man nur staunen muß, daß es demselben jemals gelingen konnte, sich einen Anhang zu schaffen. Und trotz alledem stellt sich Mechaniker Schneider wieder an die Spitze eines Genossenschaftstages und wird von der antisemitischen Partei als Landtagskandidat empfohlen. \