Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 74 (18.9.1890)
- Date
- 1890-09-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1353 Rumänien. Bukarest. Der rumänischen Gemeinde RncLr wurde von der Dcputirtenkammer die Eigenschaft als Stadt nur darum nicht bewilligt, weil „möglicherweise sich dort Juden angesiedelt hätten." England. London, 8. September. Bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Hammersmitt sagte gestern der Oberrabbiner Doktor Adler, er habe Nachrichten ans zuverlässiger Quelle, welche keinen Zweifel darüber lassen, daß trotz aller offiziellen Ablcugnungen — eine große Judenverfolgung in Rußland geplant und bevorstehend sei. Eine belrsnnEe Mleledie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Auch Max Kirschner war von denr Ausgange des von ihm angcstifteteu Versuchs, Meseritzcr au* seiner Stellung bei der Chewra zu verdrängen, sehr unangenehm berührt, ließ sich aber dadurch nicht beirren, seine Bestrebungen, die Gunst Elisens zu erwerben, auf's eifrigste fortzusetzen. Eine Fünfzigmillioueuerbin, mochte er denken, ist schon der Mühe Werth, namentlich wenn sie auch mit Schönheit und Aumuth ausgestattet ist. Hatte er bei ihr auch noch keine Fortschritte zu verzeichnen, so fand er dagegen bei ihren Eltern desto mehr anfmuntcrnde Unterstützung, so daß er an seinem schließlichcu Erfolge nicht im mindesten zweifelte. Elise hatte durch seine Ausdauer und Beharrlichkeit bei ihren Eltern eine schwere Stellung; es blieben ihr abwehrcnde Kämpfe nicht erspart und ihren schönen Augen entquollen der Thränen nicht wenige; aber sie blieb standhaft und ließ sich nicht zum Wanken bringen. So waren wieder mehrere Monate verflossen. Das fünfzigjährige Stiftungsjubiläum der Gemeinde, in welcher Ferdinand Kirschner Vorsteher war, und welcher auch Meixner und Carlisle. .Mgehörten, war Heraugekommen und wurde von der ganzen Gemeinde gottesdienstlich sowohl, als auch durch eine große Festmahlzeit in sehr würdiger Weise gefeiert. Da bei den amerikanischen Juden der Wohlthätigkeitssinn sich bei jeder Gelegenheit in hervorragender Weise geltend macht, so wurden auch bei diesem Stiftungsfeste sehr bedeutende Summen zur Unterstützung der Armen gespendet. Max Kirschner, der gern sein Licht leuchten ließ, hatte es auch nicht unterlassen, bei Tische eine große, übrigens gut durchdachte und schön vorgetragene Rede von Stapel zu lassen, die mit einem Toaste schloß. Den rednerischen Haupttreffer hatte er aber für das vierzehn Tage später stattsindcndc fünfzigjährige Ehewrajubiläum zurückbchaltcn. Da wollte er nämlich wieder durch eine große Rede glänzen, und da der Schwiegervater Earlisle's der Stifter dieser Chewra war, so wollte er in derselben zugleich einen Lebensabriß dieses Mannes, der in der That keine alltägliche Persönlichkeit war, zum Besten geben. Er hatte dieses schon zu wiederholtenmalc zum Vorwände benutzt, Besuche bei Carlislc zu machen, um sich Ausküufte über Dieses und Jenes ans dein Leben des Schwiegervaters desselben erthcilen zu lassen und seine bereits gesammelten Notizen dadurch zu ergänzen. Das Jubiläum sollte ebenfalls durch einen gottesdienstlichen Akt und durch ein Festessen gefeiert werden. Meixner hatte in Betreff des letzteren bei den Ehewramitglicdern Unterschriften sammeln lassen, und Alle ohne Ausnahme hatten durch ihre Namensunterschrift ihre Betheiligung zngcsagt. Auch Carlisle war Mitglied der Chewra und war schon einige Tage früher auch von Herrn Max Kirschner mit Beziehung auf den von ihm beabsichtigten Redeact eingcladcn worden. Er war schon zwanzig Jahre Mitglied, hatte aber noch nie eine der alljährlich stattfindendcn Jahresversammlungen und der bei dieser Gelegenheit jedesmaligen Chcwramahlzeit beigewohnt. Diescsmal konnte er die Zusage nicht verweigern, um sich nicht in ausfallender Weise pietätlos gegen das Andenken seines Schwiegervaters zu zeigen. Vielleicht wäre er trotzdem dennoch ferugcblieben, wenn er nicht die Rücksicht aus seine Frau in Betracht zu ziehen gehabt hätte. Zwar hatte er für seinen Schwiegervater bei dessen Leben stets eine große Verehrung empfunden, aber nach dessen Tode hatte er sich dessen Bild in Gedanken vielleicht nie wieder ins Gedächtuiß zurückgeruken. Carlisle war ein ganz eigenartiger Mensch. Er war ein Feind jeder Rührung, haßte zu dergleichen Anlaß gebende Erinnerungen und ging jeder Nührungssccue weit aus dem Wege. Fühlte er sich einmal veranlaßt, sich au einem Leichenbegängnisse zu betheiligen, so fuhr er jedesmal vor Beginn der Leichenrede wieder weg. Wurde er um Unterstützung angegangen, so gab er mit vollen Händen, aber nie kam ein herzliches Wort des Bedauerns oder des Mitleids aus seinem Munde. Nie hat Jemand eine Thräne in seinen Augen