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Der Israelit · 1890-09-18 · Heft 74 (18.9.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 74 (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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und Er wird dich erretten aus allen Nöthen, Er lokrd dich stützen, wenn du wankest, Er wird deine Wunden heilen mit linderndem Balsam. Nur Eine Rettung gibt es, nur einen Trost für uns: rnw Zur Lage der Juden in Kußl'and. Die Peterburger Offiziösen haben während der letzten Wochen wiederholte, wenn auch etwas schüchterne Versuche gemacht, die Richtigkeit der Meldungen über neue gegen die Inden in Rußland gerichtete Zwangsmaßregeln zu bestreiten, allein ohne irgend welchen Erfolg. Wenn diese Offiziösen sich dabei auf den Umstand berufen, daß in letzter Zeit keine neuen „Gesetze" gegen die Juden erlassen worden seien, so ist das nur ein Spiel mit Worten: Jedermann weiß, daß es sich um Gesetze handelt, welche bereits im Jahre 1882 erlassen worden sind, die man aber wegen ihrer Härte und Uusinnigkeit bisher nicht auszuführen gewagt hat. Das soll nun jetzt geschehen, was ja auch der Petersburger Offiziöse, welcher durch die „Polit. Corr." die deutsche Presse über die Ansichten der rusisschen Regierung zu erleuchten versucht, zugestanden hat, indem er mittheilte. daß verschiedeue Gouverneure Justruktionen in Betreff der Ausführung verschiedener bisher unausgeführt gebliebener Bestimmungen jener älteren Gesetze erhalten hätten. Die von der englischen Presse zuerst mitgetheilten und damals von uns wiedergegebenen Nachrichten über diese neuen Maßregeln gegen die Juden in Rußland haben sich im Wesentlichen als vollständig richtig erwiesen, wie noch jüngst der Oberrabbiner Dr. Adler anläßlich der Einweihung einer neuen Synagoge in London erklärt hat, und zwar aus Grund von Mittheilungen, deren Zuverlässigkeit nicht angezweifelt werden kann. Bringt doch auch jeder Tag Nachrichten über neue Masseu-Ausweisungeu von Juden aus Rußland. Ein Odessaer Berichterstatter der „Times" hat während der letzten 14 Tage eine ganze Anzahl jüdischer Familien gesprochen, welche Befehl erhalten hatten, „binnen sieben Tagen" das Land zu verlassen. Dieselben gehen nach England oder Amerika. Gründe für die Ausweisungen werden nicht angegeben. So haben in den letzten drei Wochen 600 jüdische Familien Odessa und mehr als 3000 Juden Berditschew verlassen müssen, Aehnliches wird aus Rostow und anderen Städten Südrußlands gemeldet. Selbst in Askabad haben die Juden den Befehl erhalten, binnen vier Wochen das transkaspische Gebiet zu verlassen. Fast alle aus Südrußlaud ausgewiesenen Juden gehören den ärmeren Klassen an und man kann sich kaum eine Vorstellung von den Leiden dieser Unglücklichen machen, bis dieselben von ihrer Eskorte über die Grenze getrieben werden. Es ist selbstverständlich, daß man in Petersburg von diesen Vorgängen genau unterrichtet ist und die Regierung kann daher auch die Verantwortung für dieselben nicht ablehnen. Zeitungsnachrichten und Cvrrespondeuzen. Deutschland. Berlin, 8. September. In der Frage der Echtheit der Kaiserin Augusta-Briefe liegt heute ein neues Dokument vor. „Die Tägliche Rundschau" hat Herrn Nippold den Namen ihres Gewährsmannes brieflich zur Verfügung gestellt und Herr Nippold antwortete darauf: „Sowohl die Anschauuugswie die Redeweise der Briefe stimmen mit dem, was ich von der Kaiserin mündlich gehört habe und was ich aus den mir zugänglich gewesenen, ziemlich zahlreichen Briefen derselben weiß." Berlin, 10. Sept. Die Broschüre des Berliner Rektors Hermann Ahlwardt: „Der Verzweiflungskampf der arischen Völker mit dem Judenthum" ist gestern polizeilich in Beschlag genommen worden. Hamburg, 3. September. Zur Feier des Sedanta gcs fand in der Synagoge Kohlhöfen unter Theilnahme der Spitzen des Vorstandes der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, sowie des Synagogenverbandes ein Festgottesdienst statt. Schon lange vor Beginn hatte sich ein zahlreiches Publikum eingesunden. Eingeleitet wurde der Gottesdienst durch das vom Knabenchor unter Leitung des Obercantors Dreiblatt in vorzüglicher Weise vorgetragene Gebet „Wie schön sind Deine Zelte, o Jacob, Deine Wohnungen, Israel". Nachdem noch der Obercantor Süßkind mit gewohnter Meisterschaft einige Psalmen recitirt hatte, bestieg Herr Oberrabbiner Hirsch die Kanzel nm die Festrede zu halten, welche sich sowohl durch ihre meisterhafte Form wie auch durch die Fülle ihrer Gedanken auszeichnete und von glühendem Patriotismus und warmer Freiheitsbegeistcrung ourchweht war. Redner verglich die Schicksale des deutschen Volkes in Bezug auf den Krieg von 1870 mit denen des Volkes Israel. Von diesem heißt cs in der heiligen Schrift: „Der Ewige wird htngeben die Feinde, die sich Wider Dich erheben, geschlag.n vor dir." Gott hat an diesem Tage die Feinde, die sich in frevelndem Uebermuthe wider das deutsche Volk erhoben, geschlagen. Auf einem Wege zogen sie aus, nur auf einen Punkt hatten sie hauptsächlich ihren Angriff gebaut, nur auf die so traurige Zersplitterung und Zerklüpfung des deutschen Volkes hatten sie ihr Hauptaugenmerk gerichtet, aber auf sieben Wegen werden sie vor

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