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Der Israelit · 1890-09-18 · Heft 74 (18.9.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 74 (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1348 zwischen Himmel und Erde, zwischen Göttlichem und Menschlichem beschaffen sein soll. Jene alte Leiter stehet noch immer. Ewig herrschet die Verbindung zwischen Himmel und Erde, ewig steigen Engel hernieder und ewig steigen Engel empor. Die guten Thaten, die gottgefälligen Handlungen, sie sind die Engel, die wir Menschen emporsenden, die droben am Throne des Allmächtigen Fürbitte für uns einlegen; der Segen, das Glück vom himmlischen Vater, sie sind die Enget, die von Ihm zu uns herniedersteigen. Doch glaubet ihr, es heißet: d’tvp sie steigen nieder und dann auf? Glaubet ihr Menschen, daß Gott Seine Engel, Seinen Segen zuerst uns von himmlischen Höhen herniedersende, auf daß dann erst unsere Engel, unsere guten Handlungen sich zu Ihm erheben? Nein: D’W a"rwi r&nn D’^y. Zuerft müssen unsere guten Werke znm Allmächtigen als Engel emporsteigen, dann wird auch Er Seine Engel, Seinen Segen, Seinen Lohn uns herniedersenden. „Kehret zu Ihm zurück, dann wird Er auch zu euch sich wenden, kommt Ihm zuvor, Er wird euch die Pforten Seiner Barmherzigkeit erschließen und das Füllhorn Seines Segens ausschütten über eure Häupter. Und welches ist denn der erste Schritt zur Buße? Wenn wir uns gewöhnen, alle göttlichen Satzungen mit Ernst zu beobachten, wenn es keinen Unterschied für uns gibt in den Pflichten, wenn nicht die einen Satzungen als wichtige, die andern als unwichtige in unsren Angen erscheinen. Denn, wer da beginnet, die kleinen Sünden zu begehen, der wird auch bald tief unten angelangt sein, wo es keine Schranken mehr gibt, wo er schon gebannet in den Fesseln der großen, schweren Sünden nicht mehr zurück kann. Die ewan bilden den Anfang zum gänzlichen Abfall, abmy nwan wart nnvi p. „Eine kleine Sünde hat Jerusalem begangen, darum ist es völlig unrein geworden." Weil Jerusalem vor der ersten kleinen Sünde nicht gebebt, darum mußte es völlig abfallen und untergehen. Wir haben ja tagtäglich die Beispiele vor unseren Augen. Der Mensch, der einmal zu sinken beginnet, er sinkt immer tiefer, a b w ä r ts geht es mit zunehmender Geschwindigkeit. Der Stein, der in die Lüfte emporgcschnellt, langsam sich erhebt, er fällt um so rascher. Vermag der Mensch, eine Anhöhe so rasch emporzusteigen, wie er abwärts schreitet? So war es zu allen Zeiten und so ist es heute noch. Sinnreich weiset der Prophet Jirmijah auf die Gefahr hin, die in der Übertretung scheinbar kleiner Sünden liegt: •twa p*n ’ro^n vh o^yan nrw ’nxoDJ uh nowi Wie willst du sagen: „Ich bin nicht unrein geworden, ich bin doch den Baalim nicht nachgewandelt. Siehe deinen Weg in Gai!" In Gai lagerte Israel, da wurde es mit den Midjaniten bekannt, zuerst verkehrten sie harmlos miteinander, allmählich wurden sie immer bekannter, sie nahmen sich dann sogar Frauen von ihnen, sie speisten mit ihnen und erreichten die höchste der Sünden, sie dienten ihren Götzen, dem Bal Peor. Mit harmlosen Verkehr hatte man begonnen, mit dem gänzlichen Verfall hatte man geendet. Dies ruft Jirmijahu seinem Volke entgegen: „Ihr erwiedert: Wir sind ja gar nicht so schlimm, wir sind doch noch nicht ganz dem Judenthnme entfremdet, wir sind doch noch nicht völlig unrein geworden, dienen doch nicht den Götzen? Nur die kleinen, unbedeutenden Satzungen haben wir abgestrcift! Denen entgegnet Jirmijahu: N’ja pr» i'ji 'W p«. „Sieh' einmal zurück auf deinen Wandel, auf deinen Stufen gang in Gai, dort hast du den schlagendsten Beweis, wie weit du kommst, wenn mit kleinen Sünden du beginnest. Dies ist das Wichtigste, das am Sabbat der Buße uns zu Herzen dringen muß. Daß wir eine jüdische Religion tu uns bergen, daß noch ein Funke des jüdischen Glaubens in allen Herzen unserer Glaubensgenossen an diesen heiligen Tagen glimmet, der sie ciumat ins Gotteshaus treibet, dies ist noch lange nicht die wahre Buße. Der Jude soll sich sagen, daß er nicht nur eine Religion hat, sondern daß ihm viele, viele Pflichten obliegen, daß er mit Ernst und Eifer Opfer zu bringen im Stande ist, daß es für ihn nicht Unterschiede gibt in jüdischen Satzungen und Geboten. Haben etwa Jene das Judenthum bis heute erhalten, die ihrem Glauben im Herzen so lange treu geblieben, bis die Versuchungen an sie herangekommen, und dann feige dem Judenthum den Rücken gekehrt, wenn es einmal ein schweres Opfer erheischte? Nein, diese sicher nicht. Aber die armen, treuen Glaubensbrüder, die für ihre Religion ihr Herzblut verspritzten, die lieber freudig in den Tod gingen, als daß sie auch nur die geringste ihrer Ueberzeugunge» Hingaben, sie haben gezeigt, daß das Judenthum lebenskräftig ist, daß cs verfolgt, geschmäht werden, doch niemals untergehen kann. Und wir undankbaren Nachkommen jener Männer, sollten leichtfertig hingeben, was unsere Väter mit ihrem Blute erkauften? Nein, wir wollen feststchen, unwandelbar in allen Versuchungen, und wenn die Stürme heranbrausen und den jüdischen Lebensbaum zu entwurzeln drohen, er sitzet fest im Boden, er kann gebeugt werden, doch vernichtet wahrlich wird er nimmer. „Kehre zurück, Israel, zu deinem Gotte", bringe Ihm dein ganzes Thun und Wollen entgegen, sei voll und ganz das Volk Gottes,

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