Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 72-73 (11.9.1890)
- Date
- 1890-09-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1332 wie es leider, nach einem heute angelangten Zeitungsbericht in Wöllstein (Rheinhessen) geschehen ist, wo ein Jude vom Bürgermeister und Pfarrer verlangte, daß bei der Beerdigung seines Vaters die Glocken der christlichen Kirche geläutet werden sollten, und da dies verweigert wurde, einen „Schmähartikel" losließ über „Intoleranz". Dies war einfach die richtigste Handlungsweise des Herrn Bürgermeisters und Pfarrers, dagegen die des Juden eine verwerfliche, der jüdischen Sitte widersprechende. Wenn solche Dinge Vorkommen, dann sind die Betreffenden selbst für die Folgen verantwortlich. Rabbiner Dr. Mannheimer. Lyck (Ostpreußen), 8. August. Wir erhalten folgende Zuschrift: Den geehrten Lesern und Freunden des „Hamagid" diene hiermit zur gefl. Kenntnißnahme, daß der „Hamagid" vom 1. October d. I. ab in Berlin erscheinen wird. Differenzen zwischen dem Herausgeber des Blattes und dem Druckereibesitzer haben zu einer mehrwöchentlichen Unterbrechung im Erscheinen des „Hamagid" geführt, und dessen Verlegung nach einem andern Orte zur Nothwendigkeit gemacht. Redaction des „Hamagid". Teschen (Schlesien), 3. September. Gestern ist unser vielgeliebter Monarch hier eingetroffen, um den Manövern in unserer Umgegend anzuwohnen. Heute wurden die Honoratioren des Landes und der Stadt, die Vertreter der katholischen und protestantischen Geistlichkeit und auch der Vorstand unserer kleinen jüdischen Gemeinde in Audienz empfangen. Der Kaiser richtete dabei an jedes Mitglied des Vorstandes einige huldvolle Worte. Heilbron« a. N. Wegen Fortdauer der dienstlichen Verhinderung des Herrn Bezirks-Rabbiners Dr. Engelbert ist der frühere Rabbinats - Verweser Dr. B. Einstein aus Ulm nach Beendigung seiner 1jährigen Militärdienftzeit auf 1. October als Stellvertreter des Bezirksrabbiners von der Kgl. isr. Oberkirchenbehörde aufs Neue ernannt worden; derselbe wird an den hohen Feiertagen schon hier funktioniren. O e st e r r. Ungar. Monarchie. Wien. Am 30. August verschied in Vöslau Herr Moses Freund, k. und k. Hauptmann a. D., im Alter von 51 Jahren. Derselbe war ein geborener Prager und entstammte derselben Familie wie der bekannte Oberjurist S. Freund. Von Jugend auf widmete er sich dem militärischen Berufe, welchem er bis kurz vor seinem Tode mit geradezu aufopferndem Pflichteifer oblag. Hauptmann Freund hat während seiner langen Dienstzeit sich seinen Berussgenossen gegenüber stets offen als Jude bekannt und seinen alttestamentarischen Vornamen nie verleugnet. Gerade wegen dieses mannhaften Eintretens für seinen angestammten Glauben genoß Hauptmann Freund im Offizierskorps große Achtung, sowie seine Leutseligkeit im Verkehre mit Untergebenen ihm deren Liebe sicherte. Derselbe stand zuletzt bei bei dem Landescommando in Zara als Conceptsoffizier in Verwendung und harrte, ungeachtet seines langjährigen Leidens, bis vor Kurzem im Dienste aus. Alle, die ihn, sei es im Vernfe, sei es äußerberuflich, gekannt haben, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. — Bei dem Begräbnisse, welches am 1. September am Badener israelitischen Friedhofe mit den üblichen militärischen Ehren stattfand, hielt Herr Rabbiner Reich dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf; Herr Cantor Schäfer brachte die Trauergesänge in "ergreifender Weise zum Vortrag. Prag, 27. August. In Roth-Janowitz bei Kuttenberg ist unser Glaubensgenosse Herr C. Vo n dö rff er einstimmig zum Bürgermeister gewählt worden, was um so bemerkenswerther ist, da daselbst überhaupt nur vier jüdische Familien wohnen. Linz, 31. August. Bei der Landtagswahl ist der Antisemit Dr. Beurle mit Hilfe der Klerikalen, welche wie ein Mann für ihn stimmten, gewählt worden. Rußland. Warschau, 3. September. Durch den Telegraph werden Sie schon erfahren haben', daß der Chef von Transkaspien, General Kropatkiu, den Juden in Askabad, den Befehl ertheilt hat, diese Stadt unverzüglich zu verlassen. Die Juden nun, die bisher in Askabad lebten, sind keine einheimische, sogenannte turkestanische oder turkomenische Juden, sondern blos eingewanderte aus Rußland und Polen. Auch gehört Transkaspien — unter Transkaspien versteht man jenes Gebiet, das zwischen dem Kaspisee, Afghanisten, Persien und dem Amu-Darjaflusse liegt und erst seit 1883 vollständig zu Rußland gehört, im Gegensatz zu Turkestan, das jenseits des Amu-Darja liegt und schon seit 1864 resp. 1867 diesem Reiche angehört — obgleich es im Herzen Asiens liegt, administrativ nicht zu Turkestan, dessen General-Gouverneur in Taschkend residirt, sondern noch zu Europa und zwar zum General-Gouvernement des Kaukasus, dessen Hauptort bekanntlich Tiflis ist. Die russische Regierung hat es nämlich nicht der Mühe werth gefunden, für Transkaspien, das eigentlich eine große Sandwüste ist und nur eine spärliche Bevölkerung hat, einen eigenen General-Gouverneur zu bestellen und so wurde dasselbe zu Europa geschlagen. In Turkestan selbst hätte die russische Regierung gewiß nicht eine solche drakonische