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Der Israelit · 1890-09-11 · Heft 72-73 (11.9.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 72-73 (11.9.1890)
Date
1890-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1328 der Schmähschrift beantragt. Unzeitige Milde wäre hier ein unverzeihliches Unrecht gegen alle Diejenigen, welche in dem Buch mit Nennung ihrer Namen öffentlich gebrandmarkt werden. (Berl. Tgbl.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 5 September. Nach den soeben erhaltenen Nachrichten aus dem heiligen Lande scheint es, daß die Thätigkeit der Missionäre nicht nachläßt. Beinahe täglich werden Männer oder Frauen durch falsche Darstellungen in die kath. oder Prot. Erziehungshäuser geschleppt; die Gefahr, welche in der jüd. Gemeinde dadurch veranlaßt wird, ist sehrernst. Der vormalige Rabbiner, Herr Isidor M y e r s von der E a st M e l b o u r n e hebr. Gemeinde war bei seinem kürzlichcn Besuche in Jerusalem so tief von diesen beklagenswerthen Thatsachen berührt, daß er Anstrengungen machte, an zwanzig Juden den Missionsanstalten zu entziehen, wohin sie entweder durch lieber vebunq der Missionäre gebracht wurden, oder wohin sie in manchen Fällen freiwillig gegangen waren, nachdem sie die technische Schule der „Alliance Israel ite" verlassen hatten, eine Anstalt, in welcher sie, wie sie bekannten, wenig lernten und in der sie so gering entschädigt wurden, daß sie kaum ihr Leben fristen konnten. Herr Myers hat in dieser Angelegenheit an Herrn Landau in London einen Brief gerichtet, iu welchem er auf fünf junge Leute hinweist, welche aus Polen, bezw. Damaskus und Aleppo in Syrien stammen. Das Schreiben lautet: Herrn Hermann Landau in London. Mein lieber Herr! Seit drei Wochen habe ich all meine Zeit, meine Kraft und fast all mein Geld darauf verwendet, viele Glaubensgenossen aus den Händen der christlichen Seelenfänger zu retten. Ich habe Viele icglichen Alters und jeglichen Geschlechtes den verschiedenen Missionsanstalten entrissen. Ich flehe Sie an bei allem, was wir heilig halten, diesen fünf armen Menschen zu helfen, welche den Wunsch ausgedrückt haben, nach England zu gehen mit der Absicht, ihren Weg nach Amerika zu finden. Einer bedarf noch der Aufnahme in eine Augenklinik. Sie sind alle ängstlich bestrebt, wieder Juden zu werden. Ich hoffe in einigen Wochen in London zu sein, wo ich Gelegenheit haben werde, Ihnen persönlich für das Interesse und die große Güte, die Sie hoffentlich diesen jungen Leuten angedeihen lassen werden, zu danken. Ich verbleibe, mein Herr, Ihr aufrichtiger Isidore Myers, ehemaliger Rabbiner d. East Melbourne hebr. Gem. Ein Londoner Correspondent berichtet uns, daß trotz dieser Empfehlung und vieler anderen Bemühungen diese jungen Leute noch keine Unterstützung gefunden. Die „Anglo Jewish Association" und „Jewish Guardians" Härte angeblich laut Statuten keine Gelder für derartige Zwecke. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien , 8. September. Der Kaiser empfing die Deputation des antisemitischen Gewerbetages nicht. Pesth. Baron Hirsch hat für die durch den Brand in Tokai Verunglückten 50,000 fl. gespendet. Rußland. Kiew, 28. August. Von 120 jüdischen Studenten, welche sich zum Eintritt in die hiesige Universität gemeldet haben, sind nur 20 ausgenommen worden. Odessa, 25. August. Ein gewisser Lange hatte von einem hiesigen Glaubensgenossen Namens Schorr Geld geliehen und dafür seine beiden Pferde und einen Wagen verpfändet. Die Handelsunternehmung Lange's ging jedoch fehl, ein Pferd verendete, dann erkrankte seine Mutter an einer schweren Krankheit, so daß ihm, um die Mutter zu curiren und zu pflegen, nichts übrig blieb, als das letzte Pferd und den Wagen zu verkaufe». Schorr klagte nun beim Friedensrichter, welcher Lange wegen Verschleuderung fremden Eigenthums zu fünf Monaten Gefängniß verurtheilte. Aus die Appellationsklage Lange's hin wurde diese Sache nochmals im Friedensrichterplenum verhandelt. Hier erklärte der Kläger Schorr, daß er über die Lage Lange's Erkundigungen eingezogen habe, welche ihn zu der Ueberzeugung brachten, daß sein Schuldner- Lange vom Unglück heimgesucht worden ist und daß er das verpfändete Eigenthum nur deßhalb verkaufte, um seine Mutter zu retten. „Und weil mein Schuldner dieses Verbrechen nur in der größten Noth und hauptsächlich aus Mutterliebe begangen, die heutzutage so selten anzutreffen ist. so schenke ich ihm die ganze Schuld und ersuche das Gericht, ihm die Strafe zu mildern"; hierbei entnahm er aus seiner Tasche den Wechsel Lange's und zerriß ihn in Fetzen. Das Gericht erkannte Lange trotzdem für schuldig, fremdes Eigeuthum leichtsinniger Weise verschleudert zu haben und verurtheilte ihn zu zehn Tagen Arrest. Ferr il l e ton. Eine Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Als Max Kirschner wieder aus der Straße war, winkte er einem Lohnkutscher und ließ sich von ihm an seine Wohnung fahren. In seinem Innern

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